Bistum Trier: Aufarbeitungskommission kritisiert schlechte Aktenführung

Bereits seit über zwei Jahren arbeitet eine unabhängige Kommission daran, die sexuellen Missbräuche im Bistum Trier aufzuarbeiten. Jetzt stellte die Kommission ihren zweiten Bericht vor:
Als unbegründet hat sich laut Bistum Trier ein Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegen einen katholischen Priester aus dem Raum Merzig herausgestellt. Foto: Patrick Pleul/dpa-Bildfunk
Foto: Patrick Pleul/dpa-Bildfunk
Als unbegründet hat sich laut Bistum Trier ein Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegen einen katholischen Priester aus dem Raum Merzig herausgestellt. Foto: Patrick Pleul/dpa-Bildfunk
Foto: Patrick Pleul/dpa-Bildfunk

Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Trier nötig

Für den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs müsse das Bistum Trier seine Aktenführung „dringend“ verbessern. Das empfiehlt die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier in einem Bericht, der am heutigen Mittwoch (22. November 2023) vorgestellt wurde. Nach wie vor würden „mangelnde Transparenz„, eine uneinheitliche Aktenführung, das Fehlen eines Aktenplans und einer Zusammenfassung aller Akten zu einer Person oder einem Fall die laufende Aufarbeitung im Bistum behindern.

Mängel bei den Sach- und Personalakten

Es gebe „keinen Hinweis darauf, dass die Versäumnisse und Fehler in der Aktenführung aus der Vergangenheit“ abgestellt wurden, teilte die Kommission um den Vorsitzenden Gerhard Robbers mit. Auch noch in der jüngeren Vergangenheit hätten „Versäumnisse bei der Führung von Sach- und Personalakten den Informationsstand der Verantwortlichen beeinträchtigt und rasche, falladäquate Reaktionen bei Missbrauchsfällen vereitelt“.

Akteneinsicht für Betroffene möglich

Die Kommission sprach sich erneut für eine erleichterte und unkomplizierte Akteneinsicht für Betroffene aus. Die von einer bistumsinternen Arbeitsgruppe erwogene „Koordinierungsstelle Akteneinsicht“ sei das ein wichtiger Schritt. Jedem Betroffenen sei „eine erschöpfende und zügige Einsicht in alle Unterlagen und Datenbestände zu gewähren“, auch aus Archiven über die Diözese Trier hinaus, hieß es im zweiten Zwischenbericht der Kommission.

Knapp 580 Opfer dokumentiert

Nach Recherchen der Kommission sind inzwischen für den Zeitraum von 1946 bis 2021 Taten mit 579 Opfern und 227 Beschuldigten dokumentiert. Im ersten Bericht im August 2022 hatten die Zahlen noch bei 513 Betroffenen und 195 beschuldigten oder überführten Tätern gelegen.

Die Arbeit der siebenköpfigen Kommission aus Betroffenen und Fachleuten ist auf sechs Jahre ausgelegt. Derzeit stellen sich alle 27 Bistümer bundesweit einer unabhängigen Aufarbeitung durch eingerichtete Kommissionen.

Verwendete Quelle:
– Deutsche Presse-Agentur