Flughafen Saarbrücken: Was in den verbotenen Bereichen passiert

Der Saarbrücker Flughafen: Wir haben das Sperrgebiet des Flughafens in Ensheim besucht: Was passiert, wenn ein Flieger landet? Wo hält sich die Feuerwehr bereit, wenn etwas passiert - und welche Promis starten und landen in Ensheim?
Das Foto zeigt einen Marshaller auf dem Flughafen Saarbrücken
Der Marshaller, der sogenannte Einwinker: Ihn hat Christine Funk bei ihrer Tour am Ensheim Flughafen getroffen. Er sorgt dafür, dass die Flugzeuge ihre Parkposition sicher finden. Foto: Christine Funk
Das Foto zeigt einen Marshaller auf dem Flughafen Saarbrücken
Der Marshaller, der sogenannte Einwinker: Ihn hat Christine Funk bei ihrer Tour am Ensheim Flughafen getroffen. Er sorgt dafür, dass die Flugzeuge ihre Parkposition sicher finden. Foto: Christine Funk

In der Sperrzone des Flughafens

Nachts auf Entdeckungsreise durch ein Kaufhaus gehen. Oder bei Mondschein heimlich ein Museum entdecken. Hinter die Kulissen eines Flughafens zu blicken, ist auch so ein geheimer Wunsch. Der Reiz: Das sehen können, was normalen Fluggästen verwehrt bleibt. Sperrgebiet. Durchgang verboten!

Unserer Fotografin ist dieser Blick gelungen. Sie war am Saarbrücker Flughafen Ensheim – und zwar dort, wo für normale Passagiere der Weg endet. Sie war auf der Rollbahn, saß im Feuerwehrwagen, hat hinter die Kulissen des Flugbetriebs geschaut. Die Leserinnen und Leser von SOL.DE nimmt sie mit auf ihre exklusive Tour – sehenswert: ihre Foto-Galerie.

Ihre Tour beginnt fast wie ein Urlaubsflug: Sicherheits-Check! Wer die sensiblen Bereiche eines Flughafens betreten will, muss durch die Kontrolle. Das passiert in diesem Fall in einer gesonderten Sicherheitszentrale, dort wo Privat- und Frachtflieger durchleuchtet werden. Ferien- oder Businessflieger passieren den normalen Check-in, den Ensheim-Fluggäste gut kennen dürften.

Der Besucherausweis muss von nun an gut sichtbar getragen werden. Auch die Kameras haben es durch den Check-in geschafft. Ab jetzt ist alles bereit für diese besondere Tour durch den Saarbrücker Flughafen. Mit einer kleinen Gruppe darf unsere Fotografin den Saarbrücker Flughafen besichtigen. Diese Touren gibt es aktuell noch sehr selten, was sich im kommenden Jahr ändern soll. Organisiert werden sie von den Flughafenfreunden Saarbrücken e.V. (Alle Infos zu den Führungen findet ihr unten).

Prominente Fluggäste und Wetter-Herausforderungen

Rund 300.000 Passagiere sind im vergangenen Jahr von Ensheim aus gestartet oder hier gelandet. Das internationale Kürzel des Flughafens lautet „SCN“. Manchmal sind auch prominente Fluggäste dabei: Die Fanta 4 waren in diesem Jahr schon da. Wladimir Klitschko auch, „natürlich der Bundespräsident“, verrät uns Flughafensprecher Jochen Wagner. In den 1980ern, als in der Saarlandhalle noch „Wetten, dass“ aufgezeichnet wurde, landete auch Paul McCartney hier – und selbstverständlich Thomas Gottschalk. Sänger Elton John kam 1983 im Privatflieger in Ensheim an. Sein Ziel war allerdings nicht die Saarlandhalle. Damals gehörte ihm der englische Fußballclub FC Watford – und der spielte gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Die Rollbahn und ihre Geheimnisse

Gar nicht glamourös zeigt sich das Wetter an diesem späten Freitagnachmittag. Es ist kühl auf dem Ensheimer Plateau. Regentropfen lassen Rollbahnen und die Startbahn glänzen. Nicht die allerbesten Bedingungen zum Starten und Landen, aber gutes Foto-Wetter: Die leicht feuchten Start- und Landebahnen reflektieren die Lichter sehr schön. Die ersten Fotos sind im Kasten!

Die Bahnen haben übrigens Namen! Drei davon gibt es im offiziellen Flugbereich. Sie heißen Alpha, Charlie, Bravo und sind benannt nach dem Nato-Alphabet. Das soll Missverständnisse vermeiden.

Matthias Becker, Air Port Duty Manager, führt durch den Flughafen. Er ist verantwortlich für den operativen Betrieb, sorgt also dafür, dass es läuft. Privat ist er auch ein Flugzeug-Fan. Er ist ein sogenannter Aircraft-Spotter, fotografiert Maschinen bei Starts- und Landungen. Lutwin Foss und seine beiden Kollegen von den Saarbrücker Flughafenfreunden begleiten die Gruppe, kümmern sich rührend und beantworten, wie Matthias Becker auch, sehr fachkundig Fragen.

Wow-Moment auf der Landebahn

Es geht auf die Rollbahn. Das ist der Weg, den ein Flugzeug nach der Einsteigeposition zur Startbahn fahren muss. Aus drei Richtungen können in Ensheim Flieger dorthin rollen. Eine vierte dieser Strecken liegt etwas abseits. Diese wird normalerweise von der Bundeswehr genutzt. Sie hat am Flughafen eine eigene Halle, Soldaten packen dort ihre Fallschirme und starten von Ensheim aus zu Sprungübungen.

Dann kommt der Moment, der die ganze Gruppe kurz den Atem anhalten lässt. Sie stehen eng am Bus. Innenbeleuchtung und Scheinwerfer sind ausgeschaltet – aus Sicherheitsgründen. In der beginnenden Dämmerung ist der Mond zu sehen. Er ist an diesem Abend fast voll und taucht die Landebahn in ein besonderes Licht. Dann taucht am Horizont eine Maschine auf. Das Propeller-Flugzeug der dänischen DAT-Air nimmt Kurs auf die Landebahn, verliert an Höhe, kommt näher – und setzt schließlich auf. „Das war der Wow-Moment“, heißt es später. „Der Lärm – das Flugzeug ganz nah!“. Die Maschine rollt an der Gruppe vorbei, dreht noch einmal und fährt auch der Seite gegenüber noch einmal vorbei und kommt zum Stillstand.

Der Wow-Moment! Wenige Minuten zuvor setzte die dänische DAT-Maschine auf der Landebahn in Ensheim auf. Die Maschine kam aus Hamburg nach Saarbrücken. Foto: Christine Funk

Schnell beginnen die gut eingeübten Handgriffe. Koffer werden ausgeladen. Passagiere steigen aus. Die Maschine wird schon wieder vorbereitet für den Rückflug nach Hamburg. Die Maschine muss zügig wieder auf die Startbahn.

Davon gibt es in Ensheim nur eine. Die sogenannte Runway verläuft von Ost nach Westweil sie mit 45 Metern Breite und 1990 Metern Länge eher kurz ist, hat sie einen besonderen Anti-Skid-Belag. Der erhöht die Bremswirkung und verhindert Aquaplaning. Kennt man vom Autofahren. Am Boden ist ein Flugzeug mehr oder weniger auch nur ein Fahrzeug mit Rädern und Reifen. Maschinen bis zur Größe einer Boeing 767 oder eines Airbus A330 können hier landen. Übrigens: Am 21. August 1967 hob auf dem frisch eröffneten Flughafen Ensheim der erste Flieger ab.

Fernsteuerung und Winterdienst

Zurück ins Jetzt: Wenn sich unsere Fotografin mit dem Bus auf dem Airportgelände bewegt, hat sie jemand im rund 450 Kilometer entfernten Leipzig im Auge – beziehungsweise das Fahrzeug. Der Saarbrücker Flughafen ist sozusagen ferngesteuert. Vor Ort in Ensheim gibt es keine Fluglotsen mehr. Der Flughafen wird von Leipzig aus kontrolliert. Remote Tower Control (RTC) heißt dieses System – es wird zukünftig auf vielen deutschen Flughäfen angewendet werden.

Die Fluglotsen in Leipzig haben nicht nur die Flieger im Blick, die von Ensheim aus abheben oder dort landen möchten. Auch der Bus muss vor jeder Weiterfahrt auf den Rollwegen die Genehmigung hierfür in Leipzig einholen.

Fernsteuerung spart Kosten – was wohl auch notwendig ist: In Deutschland sind Flughäfen so gut wie nie, rentabel, erklärt Experte Matthias Becker. 15 internationale Flughäfen gibt es in Deutschland – Saarbrücken ist da sozusagen in bester Gesellschaft – und setzt deshalb bereits auf die Fernsteuerung aus Leipzig. Der Flughafen gehört übrigens dem Saarland.

Panorama-Blick auf das Vorfeld und das Flughafengebäude. Foto: Christine Funk

Draußen auf der Landebahn ist es bitterkalt

Draußen an der Landebahn ist es winterlich kalt. 2 Grad über null zeigt das Thermometer. Brrr! Die Kälte kriecht langsam unter die Kleidung. Der Winter stellt aber auch den Flughafen vor besondere Herausforderungen. Jetzt beginnt auch die Zeit des Enteisens und Schneeräumens. Die nächste Station ist die große Halle des Winterdienstes, die jetzt Hauptsaison hat. Riesige Maschinen stehen hier, ein großer und wertvoller Fuhrpark. Praktisch: Alle Lkw, die in der Halle stehen, können den Schnee gleichzeitig räumen, kehren und wegblasen.

Besuch bei der Flughafenfeuerwehr

In der nächsten Halle wird es endlich wärmer. Die Gruppe verlässt sozusagen den Winter – es geht zur Flughafenfeuerwehr. Deren Fahrzeuge müssen immer einsatzbereit sein. Auch bei klirrender Kälte. Deshalb ist die große Halle beheizt. Die hochmodernen Panther der Feuerwehr sehen futuristisch aus – haben aber keine Straßenzulassung. Sie dürfen nur auf dem Flughafengelände fahren. Immerhin können sie mit 120 km/h zum Einsatz eilen!

In Ensheim arbeitet eine reine Flughafenfeuerwehr. Sechs Feuerwehrleute und ein Leiter oder eine Leiterin müssen während des Flugbetriebs immer im Dienst sein. Die Werft, in der Flugzeuge gewartet und repariert werden, bleibt an diesem Abend leider außen vor. Das hängt an der Jahreszeit: Das Team hat Weihnachtsfeier.

 

Infos zu Führungen am Flughafen Ensheim

Führungen am Saarbrücker Flughafen sind derzeit eher selten. Organisiert werden diese bisher vom Verein der Flughafenfreunde Saarbrücken e.V. Infos dazu gibt es auf der Website scn-airportfriends.de/Flughafenfuehrungen

Die Teilnahme an einer Führung kostet 8 Euro pro Person. Sie dauert ca. zweieinhalb Stunden. Parken für drei Stunden kostet 8 Euro direkt am Kurzzeitparkplatz am Flughafen Ensheim.

Der Flughafen plant, das Angebot an Führungen auszuweiten. Nach den großen Ferien 2024 soll es damit losgehen. Es soll dann auch spezielle Führungen, zum Beispiel für Kinder, geben. Wenn es so weit ist, sollen die Führungen direkt über die Website des Flughafens gebucht werden können, sagte Pressesprecher Jochen Wagner im Gespräch mit SOL.DE. Die Flughafenfreunde Saarbrücken werden aber weiter das Angebot unterstützen.

 

Google Maps

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Google Maps angezeigt werden.
Datenschutzseite

Einverstanden