Rassistischer Anschlag in Saarlouis: Brandstifter schweigt im Prozess gegen Ex-Skinhead-Chef

Im Beihilfe-Prozess um den rassistischen Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Saarlouis sagt der bereits Verurteilte nicht als Zeuge aus. Er macht damit von seinem Schweigerecht Gebrauch.
Der Angeklagte muss sich vor Gericht wegen Beihilfe zum Mord verantworten. Fotos: dpa-Bildfunk | Polizei
Der Angeklagte muss sich vor Gericht wegen Beihilfe zum Mord verantworten. Fotos: dpa-Bildfunk | Polizei

Verurteilter will nicht aussagen

Im zweiten Prozess um den rassistischen Brandanschlag in Saarlouis vor über 32 Jahren hat der für die Tat bereits Verurteilte von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Der 52-Jährige erschien daher am Freitag (15. März 2024) nicht als Zeuge vor dem Oberlandesgericht Koblenz (OLG).

Mann wegen Mordes verurteilt

Solange das Urteil gegen ihn nicht rechtskräftig ist, steht dem Deutschen diese Möglichkeit zu. Das Gericht hatte den 52-Jährigen im vergangenen Oktober für den Brandanschlag mit einem Toten unter anderem wegen Mordes zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Wegen Mordes wurde ein Mann bereits verurteilt. Archivfoto: dpa-Bildfunk

Ex-Skinhead-Chef jetzt vor Gericht

Wegen des Vorwurfs der Beihilfe zum Mord sowie Beihilfe zum versuchten Mord in 20 Fällen steht derzeit ein 54-Jähriger vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft wirft dem angeklagten Deutschen, der damals eine führende Figur der Skinhead-Szene gewesen sei, vor, den Verurteilten mit einer Aussage beeinflusst und bestärkt zu haben, den Anschlag zu begehen.

Die Bundesanwälte Alexander Sylla (links) und Malte Merz. Foto: Thomas Frey/dpa-Bildfunk

Angeklagter aus U-Haft entlassen

Vergangene Woche war der nun Angeklagte nach einer Aussage eines Hauptzeugen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Es ging um eine in dem Verfahren zentrale Aussage, die der Angeklagte laut Bundesanwaltschaft am Vorabend des Feuers im Beisein des Hauptzeugen und des Verurteilten getroffen haben soll: „Hier müsste auch mal so was brennen oder passieren.“ Der Zeuge hatte vor dem OLG gesagt, er könne sich an den Satz erinnern, dass „etwas passieren“ müsse – an den genauen Wortlaut und das Wort „brennen“ aber nicht. Die Worte sollen angesichts damaliger rassistischer Ausschreitungen in Ostdeutschland gesagt worden sein.

Samuel Yeboah kam ums Leben

Der 27-jährige Asylbewerber Samuel Yeboah aus dem westafrikanischen Ghana starb bei dem Feuer im September 1991 an schwersten Brandverletzungen. Zwei andere Hausbewohner sprangen aus einem Fenster und verletzten sich. 18 weitere Bewohner konnten unverletzt fliehen.

Yeboah starb noch am Tag des Brandanschlags. Foto: Polizei

Angeklagter bestreitet Vorwurf

Der 54-jährige Angeklagte bestreitet laut seiner Verteidigung den zentralen Tatvorwurf gegen ihn. Bis zum rechtskräftigen Abschluss eines Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur