Häufige Fragen beantwortet: Wie gut schützt die Booster-Impfung?

Deutschland setzt in der Corona-Pandemie aktuell auf die Booster-Impfung. Die soll auch die Verbreitung der Omikron-Variante bremsen. Aber wie gut wirkt sie?

Wie gut schützt die Auffrischung vor der Omikron-Variante? Foto: Moritz Frankenberg/dpa-Bildfunk

Die Omikron-Variante ist in Deutschland aktuell auf dem Vormarsch. Sie gilt als besonders ansteckend, zugleich zeichnen sich jedoch milde Krankheitsverläufe ab. Expert:innen glauben, dass nur die Impfung Omikron bremsen kann. Aber wie gut schützt die Grundimmunisierung? Und wie gut der Booster?

Wie gut wirkt die Impfung gegen Omikron?

Wie Immunologe Carsten Watzl der Deutschen Presse-Agentur erklärt, müsse man hier zwischen Schutz vor Infektion und Schutz vor schwerer Erkrankung unterscheiden.  „Der reine Schutz vor Ansteckung mit Omikron wird mit den jetzigen Impfstoffen immer suboptimal sein“, so der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Allerdings: „Die Impfstoffe tun trotzdem, was sie sollen: Sie schützen vor schweren Verläufen und das sehen wir aktuell bei Omikron.“

Laut einer neuen Analyse der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA schützt die Booster-Imofung die vulnerable Gruppe der Senior:innen auch bei Omikron vor schweren Verläufen. Drei Monate nach der Auffrischung liege der Schutz vor Hospitalisierung für Menschen über 65 Jahren bei rund 90 Prozent. Vor einer Infektion mit milden Symptomen schützt der Booster dagegen nur noch zu rund 30 Prozent.

Wie unterscheidet sich die Impfwirkung von Grundimmunisierung und Booster-Impfung?

Laut Sebastian Ulbert, Impfstoffexperte vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie, lasse der Schutz vor einer Omikron-Ansteckung nach der Grundimmunisierung recht schnell nach. Als Grundimmunisierung gelten dabei zwei Impfungen oder eine von Johnson&Johnson. Der Booster verbessere den Schutz zumindest für die erste Zeit wieder, da die Bildung von Antikörpern wieder zunimmt. Laut Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité zeigten dänische Studiendaten, dass die Auffrischung das Risiko für eine Omikron-Infektion stark senke. Dies mache bei der aktuellen Verbreitungskontrolle den Unterschied.

Betrachtet man schwere Erkrankungen, so schützt bereits die Grundimmunisierung weiter recht gut, so Ulbert. Laut einem Report von UKHSA liegt der Schutz vor einer Hospitalisierung aufgrund einer Omikron-Infektion bis sechs Monate nach der zweiten Impfung bei etwa 72 Prozent. Nach dem Booster steigt er auf rund 88 Prozent. Allerdings lasse sich noch nicht sagen, wie lange der Schutz halte, erklärt Ulbert. Die Variante ist noch zu jung. Klar sei, dass der Booster die Schutzwirkung erheblich ausweite und eine verstärkte Immunantwort hervorrufe.

Warum schützt die Impfung nicht so gut vor einer Infektion mit Omikron wie vor anderen Varianten?

Dass immer mehr Infektionen bei Menschen mit Grundimmunisierung registriert werden, legt den Schluss nahe, dass die Impfstoffe vor Omikron weniger schützen als vor anderen Varianten. „Die Impfstoffe wurden auf eine bestimmte Sequenz des Spike-Proteins entwickelt, das sich auf der Virusoberfläche befindet. Mittlerweile gibt es jedoch Varianten, die haben das Spike-Protein an entscheidenden Stellen verändert„, erklärt Impfstoffexperte Ulbert. Dadurch erkennt das Immunsystem diese Mutanten nicht mehr so gut. Zudem reichen bei infektiöseren Varianten meist weniger Viren für eine Ansteckung.

Welche Impfstoffe schützen am besten gegen Omikron?

Ersten Studien zufolge wirken nicht alle Vakzine gleich effektiv gegen Omikron. Einige Kombinationen scheinen bei Grundimmunisierung und Auffrischung effektiver zu sein. Allerdings ließe sich laut Ulbert keine Pauschalaussage treffen, welcher Impfstoff am besten schütze. Bei allen Vakzinen lasse der Schutz vor einer Infektion mit der Zeit nach. Allerdings sei es normal, dass die zirkulierenden Antikörper weniger würden.

„Bei den wenigen Studien bisher zum Schutz vor Omikron wurden vor allem Ansteckungen oder Infektionen mit leichten Symptomen betrachtet.“ Die Studien müssten länger laufen, um eine Einschätzung zum Schutz vor schweren Erkrankungen zu ermöglichen. Einer ersten Einschätzung von Watzl zufolge seien Moderna-Geimpfte „einen Ticken“ besser geschützt als Biontech-Geimpfte. Das Vakzin verwendet die höhere Dosis.

Warum schwindet der Booster-Schutz?

Auch nach der Auffrischung nimmt der Schutz mit der Zeit wieder nach. „Die vielen Antikörper, die man nach dem Booster hat, gehen mit der Zeit wieder verloren. Das hat den Hintergrund, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert wie auf eine Infektion und erst einmal viele Antikörper produziert“, erklärt Watzl. Diese würden jedoch irgendwann nicht mehr gebraucht. Dann reduziere sich die Zahl deutlich und das Risiko sich zu infizieren, steigt.

Wird der Booster-Booster nötig?

Derzeit brauche es laut Immunologen Watzl noch einen engmaschigen Impfschutz, um die Virusverbreitung einzudämmen. Dies sei aktuell das wichtigste Ziel. „Weil wir noch diese Impflücke haben“, seien jedoch noch nicht alle ausreichend vor schweren Verläufen geschützt. Dieser Schutz müsse künftig im Fokus stehen – und lasse viel langsamer nach. Demnach sei bei gesunden, jüngeren Menschen vorstellbar, dass sie keine regelmäßigen Auffrischungen brauchen, sofern das Virus nicht gravierend mutiert. Bei Personen aus Risikogruppen könnten Booster jedoch weiterhin sinnvoll sein.

Laut Daten aus Israel bringe auch die vierte Impfung einen erneuten Anstieg der Antikörper. Dieser sei jedoch „gut, aber nicht ausreichend“, so Studienleiterin Gili Regev zu den vorläufigen Ergebnissen. Kurz nach dem Booster-Booster sei man wieder auf demselben Stand wie kurz nach der dritten Impfung. Es könne nicht das Ziel sein, sich alle vier Monate erneut impfen zu lassen. Somit sei die vierte Dosis zwar für etwa Senior:innen der richtige Weg – für die übrige Bevölkerung aber fraglich.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presseagentur