Saarlandbrigade-General Arlt bekommt Bundesverdienstkreuz

Es war einer der gefährlichsten Einsätze in der Geschichte der Bundeswehr. Rund 500 Soldat:innen evakuierten aus Kabul mehr als 5.300 Menschen, nachdem die Taliban in Afghanistan die Macht übernommen hatten. Nun dankt ihnen der Bundespräsident.

Arlt ist der General der Saarlandbrigade. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa-Bildfunk

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Leistung der deutschen Soldaten bei der militärischen Luftbrücke aus Kabul gewürdigt. Ihren Kommandeur, Brigadegeneral Jens Arlt, zeichnete er stellvertretend für alle mit dem Bundesverdienstkreuz aus. „Herr General, Sie stehen für das Beste der Bundeswehr – und unser Land ist Ihnen zu Dank verpflichtet“, sagte Steinmeier am Freitag (17. September 2021) in einer Feierstunde im Schloss Bellevue in Berlin. Zugleich mahnte er ehrliche Antworten auf die vielen „schmerzhaften Fragen“ an, die der 20 Jahre dauernde Afghanistan-Einsatz nach der Machtübernahme der Taliban hinterlasse.

Kanzlerin will Einsatzmedaille überreichen

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will in der kommenden Woche am Evakuierungseinsatz beteiligte Soldat:innen auszeichnen. Sie werde dazu am Mittwoch im niedersächsischen Seedorf an einem Rückkehrerappell teilnehmen, kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin an. Sie werde mit Soldat:innen sprechen und einigen von ihnen persönlich die Einsatzmedaille überreichen. Diese werden laut Steinmeier alle Teilnehmer:innen des Evakuierungseinsatzes erhalten. Auch die Wehrbeauftragte Eva Högl und Fachpolitiker des Bundestages werden in Seedorf erwartet.

Mehr als 5.300 Menschen gerettet

Steinmeier sagte, die fast 500 Soldati:innen des deutschen Evakuierungsverbandes hätten unter schwierigsten Bedingungen mehr als 5.300 Menschen aus 45 Ländern in Sicherheit gebracht. „Wir würdigen einen Einsatz, der den Beteiligten viel abverlangt hat, mehr als sich die meisten Menschen überhaupt vorstellen können.“ Alle Beteiligten am Flughafen in Kabul hätten „nicht nur Großes geleistet, sie haben auch Schreckliches erlebt“.

Steinmeier: Arlt hat Evakuierung vorbildlich geführt

Steinmeier schloss in seinen Dank auch die Mitarbeiter:innen des Auswärtigen Amts, des Bundesnachrichtendienstes, der Bundespolizei, der Krisenunterstützungsteams und die internationalen Partner mit ein. An Brigadegeneral Arlt gewandt, sagte er: „Sie haben die militärische Evakuierung unter außergewöhnlicher Gefahr auf vorbildliche Weise geführt. Sie haben diese Leistung unter ständiger Bedrohung, in einem unübersichtlichen Umfeld, physischen wie psychischen Extrembedingungen und nicht zuletzt unter intensiver Beobachtung durch Medien, Politik und Bevölkerung erbracht.“

Arlt: Teamleistung

Arlt, der Kommandeur der Luftlandebrigade 1 (Saarlandbrigade) mit Sitz in Saarlouis ist, betonte in einer kurzen Erwiderung, es habe sich um eine „Teamleistung“ gehandelt. Er nehme die Auszeichnung stellvertretend für alle entgegen, „die ich führen durfte“. Zugleich sagte er: „Es war für mich eine Ehre, diesen Verband zu führen.“ Arlt bedankte sich auch bei den Familien seiner Soldat:innen, die ihnen bei solchen Einsätzen den Rücken frei hielten.

Fragen nach zwei Jahrzehnten Afghanistan-Einsatz

Mehr als 150.000 Angehörige der Bundeswehr hätten in den vergangenen 20 Jahren in Afghanistan gedient, sagte Steinmeier. Und sie hätten nun Fragen zu diesem Einsatz. Etwa: „Warum ist es uns bei all den persönlichen Anstrengungen und all den eingesetzten Ressourcen nicht gelungen, in Afghanistan eine stabile, selbsttragende politische und gesellschaftliche Ordnung aufzubauen?“ Und: „Warum zerfielen die afghanische Staatsführung und die Streitkräfte, in die wir über so viele Jahre so viel investiert haben, in so kurzer Zeit?“

Steinmeier sagte den Soldat:innen: „So sehr Sie den Dank und Respekt Ihres Landes verdienen, so sehr verdienen gerade Sie – verdienen alle Menschen, die in Afghanistan gedient haben – Antworten auf diese schweren Fragen.“ Man solle diese nicht in erster Linie schnell, sondern ehrlich und gründlich geben. „Nur verdrängen dürfen wir sie nicht.“

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur