Denkmal im Kühlregal: So ehrt die Fleischerei Schwamm die Restaurant-Legende Madame Woll

Das Restaurant Woll auf den Spicherer Höhen ist eine Institution. Legendär war auch seine langjährige Chefin:  Margarete Woll war 70 Jahre lang der gute Geist des Lokals. Jetzt setzt die saarländische Fleischerei Schwamm der berühmten Madame Woll ein besonderes Denkmal. Das ist die Geschichte:
Das Restaurant Woll in Spichern (noch vor der Renovierung) und Madame Woll in jungen Jahren. Fotos: BeckerBredel/Restaurant Woll
Das Restaurant Woll in Spichern (noch vor der Renovierung) und Madame Woll in jungen Jahren. Fotos: BeckerBredel/Restaurant Woll
Das Restaurant Woll in Spichern (noch vor der Renovierung) und Madame Woll in jungen Jahren. Fotos: BeckerBredel/Restaurant Woll
Das Restaurant Woll in Spichern (noch vor der Renovierung) und Madame Woll in jungen Jahren. Fotos: BeckerBredel/Restaurant Woll

Das ist Madame Woll

Generationen von Saarbrückern sind schon „Zum Woll“ gepilgert. Insbesondere, wenn Freunde und Bekannte von außerhalb zu Gast waren – und man französisches Flair vorführen wollte. Das Gasthaus auf den Spicherer Höhen gibt es seit 1897. Und eben die berühmteste Epoche begleitete 70 Jahre lang Margarete Woll, oder einfach nur Madame Woll.

Männerfreundschaft und Entrecôte

Oskar Lafontaine führte zu seinen Saarbrücker Hoch-Zeiten so manchen prominenten Gast dorthin oder hielt bei einem Glas Wein vertrauliche Gespräche. Mit dem späteren Kanzler Gerhard Schröder genoss Oskar Lafontaine ebenso die französische Bistro-Küche bei Madame Woll auf den Spicherer Höhen – die (Männer-)Freundschaft haben Flammkuchen, Entrecôte und Froschschenkel dennoch nicht nachhaltig nähren können.

Das Restaurant Woll in Spichern gibt es seit 1897. Foto: BeckerBredel

Das Restaurant Woll in Spichern gibt es seit 1897. Foto: BeckerBredel

Saarländischer Verdienstorden für Madame Woll

Weil das Restaurant auf den Spicherer Höhen Deutsche und Franzosen zusammenbrachte und sich vornehmlich Gastgeberin Madame Woll um die deutsch-französische-saarländische Freundschaft verdient machte, verlieh ihr Oskar Lafontaine sogar 1987 den saarländischen Verdienstorden. Sicher auch, weil Madame Woll ihre völkerverständigende Gastfreundschaft an einem Ort pflegte, an dem sich Deutsche und Franzosen 1870/71 in blutigen Kämpfen gegenüber standen.

2004 verkaufte Familie Woll das Restaurant – nach Deutschland!

Unvergessen, wie Madame Woll – mit wärmender Strickweste über den Schultern – von Tisch zu Tisch ging und mit jedem Gast ein vertrautes Schwätzchen hielt. Doch die Epoche ging zu Ende, Madame Woll ist mittlerweile verstorben. 2004 verkaufte ihre Familie das traditionsreiche Haus – an vier Saarbrücker. Einer davon: Hans-Günther Schwamm.

Genau, der Schwamm – Chef der traditionsreichen Saarbrücker Fleischerei. Hans-Günther Schwamm ist heute auch Geschäftsführer des Restaurants auf den Spicherer Höhen. In den vergangenen Jahren hat er das Restaurant moderat renovieren lassen. Der alte Charme blieb zum Glück erhalten. Die Saarbrücker führen ihre Gäste weiterhin gerne auf die sommerliche Terrasse oder in die beiden Gasträume. Der Name „Restaurant Woll“ ist selbstverständlich erhalten geblieben.

Familienrezept aus dem Jahr 1897

Mit Hans-Günther Schwamm in seiner Doppelrolle als Chef des geschichtsträchtigen Restaurants und der traditionsreichen Fleischerei schließt sich nun auch der Kreis zur berühmten Madame Woll. Eines der beliebten Gerichte „beim Woll“ war und ist der Flammkuchen.

Wer diesen selbst zubereiten will, findet neuerdings Flammkuchenböden von Schwamm im Handel – und genau die hat Schwamm der Restaurant-Legende gewidmet – Madame Woll. Genauer: Sie sind nach dem Original-Familienrezept der Familie Woll gefertigt.

Vom hübsch gestalteten Verpackungsetikett lächelt eine junge Madame Woll. Ein bekanntes Schwarzweiß-Bild, das auch heute noch im Restaurant auf den Spicheren Höhen hängt. Das Originalrezept stammt, laut Schwamm, aus dem Jahr 1897 – und ist damit sogar 23 Jahre älter als die 1920 gegründete Fleischerei.

 

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Ein kleines, aber feines Denkmal

Schwamm verspricht auf seiner Internetseite: „Die feinen Flammkuchenböden bestechen durch ihren hervorragenden Geschmack und ihre einzigartige Knusprigkeit„. Die Website gibt auch gleich eine Anleitung fürs Zubereiten und Backen: „Alles, was Sie tun müssen, ist den Boden mit Crème fraîche zu bestreichen, mit Salz & Pfeffer zu würzen und mit Lardons und Zwiebelstreifen zu belegen.“

Wir haben die Böden schon in Saarbrücken im Supermarkt entdeckt und gleich getestet: Mit Lardons meint Schwamm übrigens Schinkenspeckwürfel. Außerdem haben wir noch mit frisch geriebener Muskatnuss verfeinert. 10 Minuten bei 190 Grad Umluft backen. Das Ergebnis ist wirklich lecker! Ein kleines, aber feines Denkmal für Madame Woll – im Kühlregal.

Der gute Geist lebt in der Küche weiter

In „ihrem“ Restaurant auf den Spicherer Höhen hat sich zum Glück so viel nicht geändert. Auf der Speisekarte stehen wie zu ihren besten Zeiten Froschschenkel, hausgemachte Pastete, Weinbergschnecken, Entrecôte – und eben der berühmte Flammkuchen. Übrigens klassisch mit Speck, aber auch vegetarisch mit Tomaten oder mit herzhaftem Munster-Käse.

Jean-Victor Decker (Chefkoch im Restaurant Woll) belegt einen der berühmten Flammkuchen. Foto: BeckerBredel

Jean-Victor Decker (Chefkoch im Restaurant Woll) belegt einen der berühmten Flammkuchen.
Foto: BeckerBredel

Auch wenn Madame Woll nicht mehr von Tisch zu Tisch geht – der gute Geist des „alten Woll“ lebt weiter in der Küche: Das Geschwisterpaar Amélie und Jean-Victor Decker steht seit 40 Jahren „beim Woll“ am Herd und bereitet die Speisen zu, für die auch heute noch viele auf den Berg von Spichern pilgern.

Öffnungszeiten Restaurant Woll in Spichern:

Restaurant Woll
Rue des Hauteurs
57350 Spicheren/Frankreich
Tel. (0033) 387 85 31 02

Öffnungszeiten:
Mo u. Di: Ruhetag
Mi-So: 12-23 Uhr

Quellen:
– Eigene Recherche
– Website Fleischerei Schwamm