Prozess um Trierer Amokfahrt könnte jetzt spannend werden

Der neu aufgerollte Prozess um die tödliche Amokfahrt in Trier liegt weitgehend im Zeitplan. Ein neuer Termin kam hinzu. Jetzt könnte es spannend werden.
Der Angeklagte (rechts) steht beim Prozessauftakt um die tödliche Amokfahrt in Trier erneut vor Gericht. Archivfoto: dpa-Bildfunk
Der Angeklagte (rechts) steht beim Prozessauftakt um die tödliche Amokfahrt in Trier erneut vor Gericht. Archivfoto: dpa-Bildfunk

Prozess um Trierer Amokfahrt auf der Zielgeraden

Die Zeug:innen sind fast alle gehört, der weitere Zeitplan bis zum Urteil zeichnet sich ab: Der in Teilen neu aufgerollte Prozess gegen den Amokfahrer von Trier ist gut sechs Wochen nach seinem Beginn auf der Zielgeraden angekommen. Noch stehen vier Termine vor dem Landgericht Trier aus: Als letzter Prozesstag kam kürzlich noch der 6. Mai hinzu. Dann könnte nach derzeitigem Stand das Urteil fallen.

Was noch auf dem Programm steht

Der psychiatrische Sachverständige werde sein Gutachten über den Angeklagten wahrscheinlich am 24. April erstatten, teilte das Landgericht Trier auf Anfrage mit. Zudem stehe am 23. April noch die Vernehmung eines Zeugen aus dem Bekanntenkreis des Amokfahrers auf dem Programm – sowie an einem der Tage das Abspielen von zweieinhalb Stunden Video aus seiner polizeilichen Vernehmung im Ermittlungsverfahren.

Mehrere Menschen starben durch die Amokfahrt. Foto: Harald Tittel/dpa

Ob der Angeklagte sich noch einlässt?

Unklar ist nach wie vor, ob der Amokfahrer sich noch zu den Vorwürfen äußert. „Wir wissen noch nicht, ob er was sagt“, sagte dessen Verteidiger Frank K. Peter der Deutschen Presse-Agentur. In diesen Tagen solle das psychiatrische Gutachten vorab schriftlich kommen. „Das werden wir prüfen und dann schauen, wie die Verteidigung damit umgeht. Je nachdem, in welche Richtung das Gutachten geht, könnte es sein, dass er sich noch einlässt.“ Zum Prozessauftakt Ende Februar hatte Peter eine mögliche Einlassung angekündigt. Im ersten rund einjährigen Prozess hatte der heute 54 Jahre alte Amokfahrer geschwiegen.

Um was geht es?

Der Prozess wird teilweise neu aufgerollt, nachdem der Bundesgerichtshof das erste Urteil des Landgerichts Trier überwiegend aufgehoben hat. In der Neuauflage steht die Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten im Fokus. Dass der Deutsche der Täter war, ist unbestritten und wird nicht neu verhandelt. Bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 war der Mann mit einem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone gerast und hatte gezielt Passanten angefahren. Fünf Menschen – darunter ein Baby – starben unmittelbar, zudem gab es Dutzende Verletzte und Traumatisierte.

Ende Februar dieses Jahres starb ein weiterer Mann (66) an den direkten Folgen seiner schweren Verletzungen, die er bei der Tat erlitten hatte. Und im Oktober 2021 war ein 77-Jähriger gestorben, der bei der Tat schwer verletzt worden war.

Die Tat hatte deutschlandweit für Entsetzen gesorgt. Foto: dpa-Bildfunk

Der Amokfahrer war im August 2022 wegen mehrfachen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest, ordnete die Unterbringung des Mannes in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus an. Wegen einer diagnostizierten paranoiden Schizophrenie hatte das Gericht den Mann generell für vermindert schuldfähig gehalten.

Neues Gutachten fertig

Das neue Gutachten sei inzwischen gekommen, berichtete der Trierer Anwalt Otmar Schaffarczyk, der die Nebenklage des Bruders einer getöteten Seniorin im Prozess vertritt, der dpa. Nach vorläufiger Einschätzung werde wohl die Aussage des Erstgutachters bestätigt – und zwar: „Dass der Angeklagte zwar vermindert schuldfähig war, aber nicht gänzlich schuldunfähig, sodass kein Freispruch zu erwarten ist“, sagte Schaffarczyk. So könnte es wohl bei der Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und zur Unterbringung in der Psychiatrie bleiben. Und möglicherweise sei zudem eine Sicherungsverwahrung zu diskutieren, die bisher kein Thema gewesen sei, sagte er.

Wie läuft der neue Prozess?

Bisher wurden 55 Zeug:innen vernommen. Es handele sich dabei um Menschen, die vor oder nach der Tat mit dem Angeklagten zu tun hatten. Wie zum Beispiel eine frühere Bekannte des Amokfahrers, die von seinem damaligen Verfolgungswahn berichtete: Er habe geglaubt, er werde über die Heizungslüfter in ihrer Wohnung abgehört. Im Bambusstrauch vermutete er Mikrofone und auf der Straße sah er wiederholt ein Hin und Her fahrendes Auto.

Der gelernte Elektriker ist überzeugt, dass er Geld für eine „Versuchsreihe“ bekommen solle, an der er 1973 als Kind teilgenommen habe. Dabei sei es um ein „radioaktives Mittel“ gegangen, das ihm zur Erprobung gespritzt worden sei, hatte er in seiner polizeilichen Vernehmung nach der Festnahme gesagt. Er kämpfe seit Jahrzehnten vergeblich darum, eine hohe Summe Geld zu bekommen, die ihm zustehen würde.

Im Prozess berichteten Polizisten erneut von der Festnahme des Amokfahrers nach der Tat. Der Mann habe angelehnt hinter seinem Auto gestanden und eine Zigarette geraucht. Bei der Festnahme habe der Angeklagte keinen Widerstand geleistet. Er hatte den SUV nahe der Porta Nigra an einer Straßenseite geparkt – und gegrinst.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur