Bananenschalen, Windeln, Glas: So lange dauert es, bis Müll im Wald verrottet

Es gibt unzählige Gründe, wieso Abfall nicht in der Natur entsorgt werden darf. Einer davon ist ihre Langlebigkeit: Ein Kaugummi braucht fünf Jahre, eine Windel 450, Styropor 6.000 Jahre und eine Glasflasche mehr als 10.000 Jahre, um zu verrotten.
Plastikflaschen wie auf dem Foto brauchen bis zu 5.000 Jahre, bis sie verrotten. Noch dazu geben sie Weichmacher in die Natur ab. Symbolbild: Unsplash/ Roberto Sorin
Plastikflaschen wie auf dem Foto brauchen bis zu 5.000 Jahre, bis sie verrotten. Noch dazu geben sie Weichmacher in die Natur ab. Symbolbild: Unsplash/ Roberto Sorin

Dass Müll in die dafür vorgesehenen Behälter und nicht in die Natur gehört, lernt schon jedes Kind. Trotzdem liegen auf Wiesen, Feldern und Wäldern unzählige Mengen an Müll, darunter Zigaretten, Plastik, Papier und mehr. Dabei hat der Wald mit einigen Dingen Tausende Jahre zu kämpfen.

So lange kämpft der Wald mit Müll

Der Wald benötigt viel Zeit, um wild entsorgten Müll vollständig abzubauen. Das Kerngehäuse eines Apfels verrottet relativ schnell – sofern die Reste nicht von Tieren gefressen werden. Ungefähr zwei Monate dauert es, bis nichts mehr vom Apfel übrig ist. Anders sieht es aber beispielsweise schon bei einer Bananenschale aus. Die tropischen Früchte werden stärker mit Spritzmitteln und Pestiziden behandelt. Bis sich eine Bananenschale zersetzt, können bis zu fünf Jahre vergehen.

Achtlos weggeworfene Zigaretten belasten den Wald bis zu zehn Jahre, Plastiktüten sogar 20 Jahre. Noch länger kämpft der Wald mit Windeln – durch ihren Materialmix kann es bis zu 450 Jahre dauern, bis diese verrottet. Bei einigen Dingen können Tausende Jahre vergehen: beispielsweise bei Autoreifen (2.000 Jahre), Keramik (5.000 Jahre), Styropor (6.000 Jahre) und Glas (bis zu 50.000 Jahre). Der SaarForst Landesbetrieb hat für die „Verweildauer“ eine Übersicht erstellt (PDF). Die Zeit, die der Abbau von Abfällen in der Natur benötigt, kann je nach Niederschlag, Temperatur, Bodenbeschaffenheit, oder Bakterien schwanken. Die Angaben sind Durchschnittswerte.

Der Wald kämpft bis zu 50.000 Jahre mit entsorgtem Glas. Foto: Unsplash/ Adrien VIN

Gefahr für Waldböden und Grundwasser

Die größte Gefahr für Waldböden und Grundwasser geht nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald von Bauschutt, Batterien, Elektrogeräten und lackiertem Altholz aus. Sie alle enthalten chemische Bestandteile oder Giftstoffe wie Asbest, Blei, Öle oder Kühlmittel. Sie können durch Regen in den Waldboden und anschließend bis in das Grundwasser eindringen. So bedrohen sie Pflanzen, Tiere und Menschen gleichermaßen.

Entsorgung von Gartenabfällen

Auch Gartenabfälle können die „empfindliche Lebensgemeinschaft des Waldes“ massiv stören. Der Schutzverband weist darauf hin, dass dort, wo Gartenabfälle entsorgt werden, oft nur noch Brennnesseln wachsen. Das sei ein sicheres Zeichen für eine massive Stickstoffanreicherung im Boden, die bis ins Grundwasser gelangen kann. Beim kompakten Rasenschnitt sind die Mikroorganismen nicht mehr in der Lage, die Biomasse umzusetzen. Durch Fäulnisprozesse sterben sie ab, der Nährstoffkreislauf wird zerstört. Mit Ästen gelangen Pilzkrankheiten in den Wald.

Außerdem enthalten Gartenabfälle oft Samen konkurrenzstarker, nicht heimischer Pflanzen, die die einheimischen verdrängen. Diese sogenannten Neophyten sind den meisten Waldbesucher:innen schon begegnet. Vielen wird das kindshohe Indische Springkraut mit den rosafarbenen Blüten und dem süßlichen Geruch bekannt sein. Ähnlich läuft es mit dem Japanischen Staudenknöterich, der Kanadischen Goldrute oder dem Riesen-Bärenklau.

Bußgelder für Müllentsorgung

Übrigens: Wer illegal Müll entsorgt, kann mit hohen Bußgeldern bestraft werden. In Rheinland-Pfalz werden beispielsweise für Schadstoffe wie Batterien bis zu 2.000 Euro fällig. Aber auch schon das Wegwerfen von „unbedeutenden“ Produkten wie Zigarettenpackungen, Pappbechern oder Bananenschalen kann schon mit Bußgeldern zwischen 10 und 25 Euro geahndet werden. Eine Übersicht der Bußgelder in den Bundesländern gibt es hier.

Es ist also ganz einfach: Was mit in den Wald gebracht wird, sollte auch wieder mit hinausgenommen werden. Auch wenn es sich um vermeintlich „natürlichen Müll“ wie ein Apfel-Kerngehäuse handelt, bedeutet das Verschmutzung und mühsame Abbauarbeit für den Wald, erinnert die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald abschließend.

Verwendete Quellen:
– Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
–  Informationen SaarForst Landesbetrieb
–  Informationen vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität