Ärztliche Direktorin an Uniklinik Homburg bittet Missbrauchsopfer um Entschuldigung

Die neue ärztliche Direktorin an der Uniklinik Homburg hat die Opfer des Missbrauchsskandals öffentlich um Entschuldigung gebeten. Die Aufarbeitung läuft noch immer.
Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Homburg am Mittwoch (13.11.2019). Ein Untersuchungsausschuss des Landtages behandelt Mißbrauchsvorwürfe an der Uniklinik. Foto: BeckerBredel
Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Homburg am Mittwoch (13.11.2019). Ein Untersuchungsausschuss des Landtages behandelt Mißbrauchsvorwürfe an der Uniklinik. Foto: BeckerBredel

Jennifer Diedler, die neue ärztliche Direktorin am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS), hat sich am Donnerstag (20. Oktober 2022) öffentlich im Namen des ganzen Vorstandes bei Opfern und Angehörigen im Missbrauchsskandal entschuldigt. „Ich kann nur betonen, dass ich aufrichtig das Leid bedauere, das die Betroffenen erfahren haben“, erklärte sie in Saarbrücken.

Kommission stellt bisherige Bilanz der Aufarbeitung vor

Eine unabhängige Kommission aus Expert:innen stellte derweil die Bilanz der bisherigen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle am UKS in Homburg vor. Dort war im Juni 2019 war bekanntgeworden, dass ein Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie zwischen 2010 und 2014 mehrere Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht haben soll. Damals ermittelte die Staatsanwaltschaft in 34 Verdachtsfällen. Das Verfahren wurde jedoch nach dem Tod des Arztes 2016 eingestellt. Die Eltern der betroffenen Kinder informierte die Klinik erst im Sommer 2019.

Es sei schwer, das Vertrauen wieder aufzubauen

Es sei nun besonders schwer, das Vertrauen der früheren Patient:innen und Angehörigen wiederzugewinnen, so der Kommissionsvorsitzende und frühere Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke. Die Kommission hatte unter anderem 300 potenziell Betroffene aus dieser Zeit am UKS angeschrieben. Im Juni verschickten die Expert:innen weitere 200 Schreiben an diesen Adressatenkreis. 52 Familien hatten sich zurückgemeldet.

UKS sucht weitere Betroffene

Um weitere mögliche Opfer ausfindig zu machen, kontaktiert das UKS jetzt auch 50 Eltern von Teilnehmer:innen einer damaligen wissenschaftlichen Studie am UKS. Zudem will man behandelnde Ärzt:innen und den Weißen Ring darum bitten, Betroffene auf die Arbeit der Kommission aufmerksam zu machen. Im Frühling 2023 soll der Abschlussbericht vorgestellt werden.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur