Alkohol-Ausschank und private Feiern: Dehoga kritisiert Saarland-Modell

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband im Saarland (Dehoga) hat die aktuellen Bestimmungen des Saarland-Modells kritisiert. Während die Maßnahmen das Bundesland ursprünglich in eine Vorreiterrolle bringen sollten, hinke man nun hinterher. Es brauche weitere Lockerungen für Gaststätten und Hotels - insbesondere angesichts der Fußball-EM und Hochzeitssaison.

„Das eigentlich gute Saarland-Modell hat seine Linie verloren. Das sieht man am besten daran, dass der Ampel die Grünphase fehlt – somit wurde dieser Orientierungsmaßstab und Regelleitfaden klammheimlich abgeschafft“, meint Michael Buchna, Präsident des Dehoga Saarland. „Täglich feiert sich die Landesregierung für ihre Spitzenpositionen, sei es bei der hohen Impfquote oder für die große Anzahl durchgeführter Tests. Doch anscheinend haben diese Erfolge keine konkreten Auswirkungen. Anstatt weiter voranzugehen, steht man auf der Bremse und hinkt hinterher.“

Diskrepanzen zwischen Modell und aktuellen Regeln

Die Kritikpunkte: Bei Einführung des Saarland-Modells im April stand die Ampel trotz Inzidenz von 89,4 auf „Grün“. Für Gruppen, die privat auch ohne Test zusammenkommen durften, gab es auch in der Gastronomie keine Testpflicht. Alkohol durfte bis 23.00 Uhr ausgeschenkt werden und im Einzelhandel musste kein Schnelltest vorgelegt werden. 

Obwohl die Inzidenz heute deutlich niedriger ist, dürfen Kneipen und Restaurants derzeit nach 22.00 Uhr keine alkoholischen Getränke mehr verkaufen. Die Testpflicht im Einzelhandel gilt erst seit Freitag (3. Juni 2021) nicht mehr, in der Außengastronomie bleibt sie sogar noch eine Woche länger bestehen. Im Nachbarland Rheinland-Pfalz existiert sie längst nicht mehr, auch ein Ausschankverbot gibt es dort nicht. 

Ausschank von Alkohol müsse verlängert werden

„Aus diesem Grund fordern wir einen früheren Wegfall der Testpflicht in der Außengastronomie. Man sollte sich an seine eigenen Spielregeln halten und zu den eigentlich für diese Phase vorgesehenen Öffnungsschritten zurückkehren und die Ausschankzeiten von Alkohol auf mindestens 23 Uhr erweitern“, so Buchna. Die Lockerungen seien vor allem angesichts der Fußball-Europameisterschaft, die bald beginnt, nötig. Man dürfe die Akzeptanz der Maßnahmen nicht wieder aufs Spiel setzen. Zudem solle auch die Reservierungspflicht wegfallen. 

Es brauche schnell einen Plan für Veranstaltungen 

„Täglich melden sich bei uns Mitglieder, die wissen möchten, wann sie wieder Hochzeiten oder auch die nun anstehenden Kommunionen ausrichten dürfen. Denn sie werden von Anfragen geradezu überrannt“, erzählt Frank C. Hohrath, der Hauptgeschäftsführer des Dehoga Saar. Es müsse schnell und transparent entschieden werden, wann und zu welchen Bedingungen private Feiern wieder erlaubt sind. Die saarländische Landesregierung hatte angekündigt bis zum 11. Juni 2021 einen Stufenplan für Veranstaltungen zu erarbeiten.

Hygienekonzept für Veranstaltungen auch bei privaten Feiern 

Hier gibt es jedoch ein weiteres Problem: Das Hygienekonzept für Veranstaltungen werde Familienfeiern nicht gerecht. Dieses gilt für alle Events – vom Konzert bis zur Vernissage und auch für private Feiern in der Gastronomie. Bei letzteren – etwa einer Hochzeit – seien die Anforderungen allerdings schlicht nicht erfüllbar. Für eine Geburtstagsparty mit 50 Personen brauche man etwa einen Raum von 750 Quadratmetern. Die privaten Feste sollten daher unter das Hygienekonzept für Gastronomie und Hotellerie fallen. 

Saunen und Innenschwimmbäder wieder öffnen

Der Dehoga kritisiert letztlich auch die Öffnungsschritte in der Hotellerie. So müssten Lockerungen für Wellnessbereiche etwa die Öffnung von Saunen und Innenschwimmbädern wieder erlauben. Auch dies sei in Rheinland-Pfalz bereits vollzogen. Nur so werde eine Wettbewerbsgleichheit im Bereich des Inland-Urlaubs hergestellt. 

Das „Regel-Wirrwarr“ müsse enden

„Wir fordern keine Öffnungsorgien. Wir wollen gemeinsam, die Pandemie schnell überwinden und auf dem Weg dahin ein ‚Auf und Zu‘ der Betriebe verhindern. Doch vor einem Jahr wussten die Menschen recht genau, was sie tun dürfen und was nicht. Jetzt herrscht ein Regel-Wirrwarr, das alle 14 Tage von der Realität eingeholt wird. Niemand weiß mehr, woran er sich halten soll. Eine Orientierung des Bürgers ist kaum möglich“, so Buchna abschließend. 

Verwendete Quellen:
– Pressemitteilung des Dehoga Saarland, 04.06.2021