Der zweite Lockdown schlägt den Deutschen stärker auf die Psyche

Die Corona-Maßnahmen helfen zwar, Leben zu retten, allerdings schlagen sie den Deutschen auch aufs Gemüt. Einer neuen Umfrage zufolge, leiden die Menschen heute mehr unter dem Lockdown als noch im Frühjahr 2020. Vor allem Menschen mit Veranlagung zu depressiven Erkrankungen trifft die Situation schwer.
Der zweite Lockdown schlägt den Deutschen mehr aufs Gemüt als der erste im Frühjar 2020. Symbolfoto: Pixabay
Der zweite Lockdown schlägt den Deutschen mehr aufs Gemüt als der erste im Frühjar 2020. Symbolfoto: Pixabay
Der zweite Lockdown schlägt den Deutschen mehr aufs Gemüt als der erste im Frühjar 2020. Symbolfoto: Pixabay
Der zweite Lockdown schlägt den Deutschen mehr aufs Gemüt als der erste im Frühjar 2020. Symbolfoto: Pixabay

Laut einer Sondererhebung für den „Deutschland Barometer Depression“ die am Dienstag (23. März 2021) veröffentlicht wurde, leidet die Gesamtbevölkerung in Deutschland heute deutlich mehr unter bedrückenden Gefühlen als noch vor einem Jahr.

Das Barometer der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erfasst regelmäßig die psychische Verfassung in Deutschland. Dazu wurden etwa von Mitte bis Ende Februar rund 5.100 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren repräsentativ online befragt

Lockdown bedrückt Deutsche mehr als in erster Welle

Das Ergebnis: Der Dauer-Lockdown schlägt den Deutschen stärker aufs Gemüt als die Maßnahmen in der ersten Welle im Frühjahr 2020. Während der erste Lockdown nach einigen Wochen bereits schrittweise wieder aufgehoben wurde, dauert der zweite Lockdown nun bereits mehrere Monate an. Diese Situation befinden 71 Prozent der Bundesbürger:innen als bedrückend. Im Frühjahr 2020 waren es noch 59 Prozent.

Auch sonst fällt die Bilanz ernüchternd aus. So hält fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) ihre Mitmenschen für rücksichtsloser. Vor einem Jahr waren es noch 40 Prozent. Ein Viertel fühlt sich familiär belastet (Vorjahr 22 Prozent) und fast ein Drittel macht sich Sorgen um die berufliche Zukunft (30 Prozent, Vorjahr: 28 Prozent). 

Allgemeine Demoralisierung der Bevölkerung

Der Psychiater Ulrich Hegerl, Vorstandschef der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, hält die Ergebnisse für Indikatoren einer allgemeinen Demoralisierung der Bevölkerung. „Die Menschen bewegen sich nicht mehr, sie nehmen zu, liegen länger im Bett und schlafen dann nachts schlecht“, erklärt er. „Sie sitzen noch länger vor Bildschirmen. Das ist alles nichts, was einen aufbaut. Dazu kommen ganz normale psychische Reaktionen wie berufliche Sorgen, Ängste und häusliche Konflikte.“

Keine Massenzunahme von Depressionen

Innerhalb eines Jahres haben etwa acht Prozent der Erwachsenen in Deutschland eine behandlungsbedürftige Depression – etwa 5,3 Millionen Menschen. Die Pandemie habe zwar bislang nicht zu einer massenhaften Zunahme geführt. Aber: Bei Menschen mit einer Veranlagung zu depressiven Erkrankungen könne durch die Maßnahmen eine Krankheitsphase getriggert werden. 

Viele gaben Suizidgedanken und gar -versuche an

Viele gaben an, dass sich ihre Depression im vergangenen halben Jahr verschlimmerte – bis hin zu Suizidgedanken oder gar -versuchen. Rund ein Prozent der Befragten habe in der Studie Selbstmordversuche angegeben. „Diese Zahl in der Umfrage ist schon sehr, sehr hoch„, so Hegerl. Zwar gebe es keine Erhebungen, rechnerisch begingen jedoch etwa 150.000 bis 200.000 Menschen jährlich einen Suizidversuch. 

Versorgung leidet unter Pandemie

Derweil habe die Versorgung depressiver Personen während Corona gelitten. Während manche keine Termine bekamen, trauten sich andere aus Angst vor einer Infektion nicht in psychotherapeutische Praxen oder Kliniken. Bestimmte Behandlungen und Selbsthilfegruppen fielen aus. Betroffene wurden so zusätzlich verunsichert.

Balance bleibe bei Corona-Maßnahmen außer Acht

„Für mich ist es eine Katastrophe zu sehen, wie sich die Versorgung von Menschen mit Depressionen verschlechtert hat“, resümiert Hegerl. In der Pandemie werde dies jedoch nicht ausreichend und fundiert diskutiert. Auch bei der Datenerhebung zu etwa Suizidversuchen hapere es.

„Man bräuchte dazu eine multiprofessionelle Expertengruppe, die sich mit dieser Balance zwischen Vor- und Nachteilen der getroffenen Maßnahmen in systematischer Weise und permanent beschäftigt“, so Hegerl abschließend. 

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur