Hans nach „Impfgipfel“: Saarland hält weiter Dosen für Zweit-Impfungen zurück

Auch weiterhin wird das Saarland ausreichend Dosen für die Zweit-Impfungen gegen Corona zurückhalten. Und zwar so lange, wie es Lieferengpässe gebe, sagte Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) nach dem "Impfgipfel" am Montag. Dieser sorgte unter anderem seitens Linke, FDP und Grüne für Enttäuschungen.

Saarland hält weiter Dosen für Zweit-Impfungen zurück 

Solange es Lieferengpässe gebe, wird das Saarland auch weiterhin ausreichend Dosen für die Zweit-Impfungen gegen Corona zurückhalten. Das sagte Tobias Hans am Montag (1. Februar 2021) nach dem „Impfgipfel“ von Bund, Ländern, EU und Pharmabranche. „Wir wollen im Saarland keinen Schnelligkeitswettbewerb gewinnen und dadurch die Gesundheit der Menschen aufs Spiel setzen.“

Die Wirksamkeit der Impfung sei bei den bisher zugelassenen Impfstoffen nachweislich erst nach der Zweit-Impfung gegeben. „Es hilft also nichts, wenn das Saarland die bundesweite Liste der Erst-Impfungen anführt, aber dadurch nicht genug Dosen für die Zweit-Impfung da sind“, so Hans.

Vorschlag für Astrazeneca-Verwendung

Da der Impfstoff von Astrazeneca nicht für Personen über 65 Jahre empfohlen werde, schlug der Saar-Ministerpräsident vor, damit verstärkt in der ersten Priorisierungsgruppe das jüngere Pflege- und medizinische Personal sowie jüngere Menschen aus der Risikogruppe zu impfen.

„Die Verfügbarkeit des Impfstoffs ist der Flaschenhals“, betonte Hans. Die Impfung sei „derzeit unsere größte Hoffnung, die Corona-Pandemie nachhaltig in den Griff zu bekommen“.

Ankündigung: Gemeinsamer Impfplan

Planbarkeit und Planungssicherheit seien dabei von zentraler Bedeutung. „Die bereits bestehende Impfstrategie wird zwischen Bund und Ländern fortentwickelt und in diesem Zusammenhang ein gemeinsamer Impfplan erarbeitet„, kündigte er an.

Kritik an Ergebnis des „Impfgipfels“

Bis zum Sommer sollen die Lieferungen des begehrten Corona-Impfstoffs in Deutschland deutlich anziehen. Nach dem „Impfgipfel“ hoffen vor allem die Kommunen auf mehr Planungssicherheit bei den Impfungen für die Bürger:innen. Doch bis in den April hinein rechnet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erst einmal noch mit „harten Wochen der Knappheit“ beim Impfstoff. Linke, FDP und Grüne zeigten sich enttäuscht von den Ergebnissen der Spitzengespräche von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Vertreter:innen von Ländern, Pharmaindustrie und der EU-Kommission.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Dieser Gipfel hat die Versäumnisse der Regierung offengelegt.“ Die Bundesregierung und die Europäische Kommission müssten jetzt eine Task-Force zur Impfstoffbeschaffung einrichten. Die Bundesregierung sollte nach Hofreiters Forderungen „Investitions- und Umrüstungskosten großzügig mitübernehmen und eine Abnahmegarantie für alle Impfstoffe aussprechen“. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch bezeichnete den Gipfel als „Impfplacebo“.

Auch Vertreter:innen der Länder zeigten sich unzufrieden. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sprach von einem durchwachsenen Ergebnis der Gespräche. „Die EU-Kommissare konnten für mich nicht überzeugend darstellen, warum nicht mehr bestellt wurde, wie es in anderen Ländern der Fall ist.“

Merkel: „Nationaler Impfplan“

Nach dem Gespräch hatte Merkel erklärt, Bund und Länder wollten in einem „nationalen Impfplan“ künftig auch bestimmte Annahmen modellieren, um Mengen beim Impfstoff vorab besser abschätzen zu können. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, meinte trotzdem: „Die Bund-Länder-Konferenz war die Steigerung des Unverbindlichen.“ So komme Deutschland nicht aus der Pandemie heraus, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Hersteller laut Biontech in Ausnahmesituation

Biontech-Chef Ugur Sahin sagte in den ARD-„Tagesthemen“, die Hersteller seien in einer Ausnahmesituation. „Wir sind selbst davon abhängig, dass die Zulieferer uns Materialien liefern“, erklärte er. „Wir haben auch keine vollen Lagerstätten. Alles, was wir produzieren, wird de facto sofort ausgeliefert.“ Wenn es zu einer Verzögerung komme wegen eines Problems, schlage das sofort durch.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur