Saarländer machen Vorschläge: Wie Bus und Bahn besser werden

In einem Jahr will die Landesregierung den neuen Verkehrsentwicklungsplan fertiggestellt haben, der als Grundlage für bessere Bus- und Bahnverbindungen an der Saar dient. Saarländer machen über 100 Vorschläge in erster Bürgeranhörung zum neuen Verkehrsentwicklungsplan. In die Planungen sollen möglichst viele Anregungen der Nutzer eingehen.

In einem Jahr will die Landesregierung den neuen Verkehrsentwicklungsplan fertiggestellt haben, der als Grundlage für bessere Bus- und Bahnverbindungen an der Saar dient. In die Planungen sollen möglichst viele Anregungen der Nutzer eingehen. Bei der ersten Bürgeranhörung im VHS-Zentrum am Saarbrücker Schloss kamen schon über 100 Vorschläge zusammen: von Fahrgastverbänden genauso wie von Schülern, Arbeitnehmern, Rentnern und anderen Nutzern. Als wichtigste Voraussetzung werden einfache, verständliche Tarife angemahnt. Auch das Wabensystem zur Ermittlung der Fahrpreise müsse gerechter gestaltet werden. Zu häufig seien kleine Gemeinden durch zu viele Waben unterteilt, was die Fahrt verteuere. Den größten Handlungsbedarf sehen die Nutzer in einer deutlichen Verbesserung der Verbindungen in ländlichen Gebieten. Vielerorts könne man den Bus samstags nur alle drei Stunden, sonntags nur vereinzelt oder gar nicht nutzen. Auch am späteren Abend fahre vielerorts kein Bus. Eine stündliche Verbindung auch sonntags müsse der Mindest-Standard sein. Dafür könne man auch kleinere, spritsparende Busse einsetzen, ebenso spätabends. Das Anruf-Sammeltaxi zum Bustarif am späteren Abend auf bestimmten Strecken habe sich bisher meist nicht bewährt, da dieses Modell zu unbekannt sei. Hierfür müsse man mehr werben.

Generell wird eine noch engere Vertaktung und der Einsatz von mehr Fahrzeugen gefordert. Besonders im Berufsverkehr zeige sich, dass viele Busse und Bahnen völlig überfüllt seien. Deshalb solle die Bahn morgens auf der Hauptachse zwischen Trier-Saarbrücken und Kaiserslautern entweder mehr oder längere Züge fahren lassen. Auch die Fahrtdauer ist für viele ein Thema. So werden deutlich mehr Schnellbahn- und Schnellbusverbindungen als attraktive Alternative zum Auto angeregt, die nicht an allen Stationen halten. Diese sollten nicht nur nach Saarbrücken fahren, sondern auch andere Städte untereinander schneller verbinden. Ein Negativ-Beispiel heute für lange Fahrzeit sei die Strecke Wadern- Saarbrücken, für die man rund 90 Minuten einkalkulieren müsse.

Viele halten die Wiederbelebung stillgelegter Bahnstrecken unter Einbeziehung auch der Saarbahn für ein geeignetes Mittel, mehr städtische und ländliche Gebiete besser zu verbinden. Notwendig sei zudem die Verlängerung des Regionalexpress-Zuges von Saarbrücken über Koblenz hinaus nach Köln. Die Erreichbarkeit der Rhein-Metropolen sei vom Saarland aus unbefriedigend und mit längeren Wartezeiten in Koblenz verbunden.

Verbesserungen werden zudem in der Erreichbarkeit des Flughafens Saarbrücken angemahnt. Hier müssten die Busfahrpläne jeweils zum Flugplanwechsel angepasst werden. Es nutze nichts, wenn man mit dem Bus den Flughafen erreicht, aber der Abflug- Schalter gerade schließt oder man mit dem Bus schon zwei Stunden vorher am Airport eintrifft.

Neue Gewerbe- und Wohngebiete müssen mit dem Bus gut erreichbar sein. Derzeit fehle auch eine attraktive Erreichbarkeit des Bostalsees, dessen Umfeld sich mit Center Park und einem neuen, großen Hotel in jüngster Zeit stark verändert habe. Da viele Menschen nur mit Bus und Bahn am sozialen und kulturellen Leben teilnehmen können, wird generell gefordert, Stationen nach und nach barrierefrei auszubauen. In den kommenden Wochen werden landesweit weitere Befragungen folgen. Wer Ideen zum neuen Verkehrsentwicklungsplan hat, kann diese aber auch im Internet einbringen unter der Adresse www.vep.saarland.de.

KOMMENTAR

Lust wecken auf Bus und Bahn

Wer sehen will, wie attraktiv die Nutzung von Bus und Bahn sein kann, dem sei ein Besuch in Karlsruhe empfohlen. Bis in den Schwarzwald hinein setzt die Region mit ihren Politikern, Geschäftsleuten und Bürgern in großer Gemeinsamkeit auf den Ausbau dieser Verkehrssysteme. Immer mehr Menschen lassen ihr Auto stehen und fahren mit, weil günstige Preise, attraktive Fahr- und Taktzeiten sowie die Erreichbarkeit der Ziele nahezu rund um die Uhr gewährleistet sind. Das Saarland kann finanziell natürlich nur kleine Brötchen backen. Doch wenn die Landes- und Kommunalpolitiker inklusive der Verkehrsunternehmen endlich an einem Strang ziehen, dann können sie auch an der Saar mehr Lust auf Bus und Bahn wecken. Einiges lässt sich auch in einem finanziell angespannten Land verbessern. Zumal vorrangig ist, bereits bestehende Angebote deutlich besser aufeinander abzustimmen, damit man schnell zu vertretbaren Preisen von A nach B kommt. Die erste Bürgeranhörung zum neuen Nahverkehrsplan hat zahlreiche gute, ermutigende Vorschläge gebracht. Die besten verdienen eine Chance auf Umsetzung.