Tierverbände in Sorge: Werden jetzt reihenweise Haustiere zurückgegeben?

Während der Corona-Pandemie haben viele Menschen in Deutschland sich ein neues Haustier zugelegt. Nun entspannt sich die Lage. Verbände befürchten, dass viele Frauchen und Herrchen nun das Interesse an ihren Schützlingen verlieren. Finden sich bald viele Vierbeiner im Heim wieder?

Angesichts sinkender Corona-Zahlen, einer milderen Risikobewertung für Deutschland und Lockerungen sorgen sich Tierschützer:innen vor einer drohenden Vielzahl von Haustier-Abgaben. „Die Tierheime berichten bereits von einigen ‚Corona-Abgaben‘„, sagte Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Eine größere Abgabewelle gibt es aber zum Glück noch nicht. Dennoch ist die Sorge groß“, sagte Schmitz.

„Tierheime werden bis unters Dach voll sein“

Auch Annette Rost vom Berliner Tierschutzverein, dem wohl größten Tierheim Europas, ist pessimistisch: „Wir sind uns leider sehr sicher, dass wir Ende des Jahres die Tierheime bis unters Dach mit abgegebenen Tieren voll haben werden.“ Bereits in den letzten Wochen seien die ersten Hunde, die in der Pandemie angeschafft wurde, wieder abgegeben worden. „Wir haben einen Fall, da wurde ein Schäferhund-Husky-Mix abgegeben, weil der Hund in der Pubertät ein kleiner Draufgänger geworden ist“, so Rost. Auch der illegale Welpenhandel sei ein großes Problem. 

Hunde und Katzen werden bereits jetzt zurückgegeben

Auch in München macht sich die Entwicklung bemerkbar.  Man habe in den vergangenen Wochen bereits einige Tiere aufnehmen müssen, „die von bisherigen Haltern erst während der letzten 12 bis 14 Monate, also während der Pandemie, neu angeschafft wurden“, so eine Sprecherin des dortigen Tierschutzvereins.

Weitere Entwicklung abwarten

Immerhin: In Hamburg, Dresden oder Frankfurt am Main verzeichnen die zuständigen Stellen keine vermehrten Abgaben – trotz der gestiegenen Nachfrage im Corona-Jahr. „Da es aber in Deutschland jetzt erst zu leichten Lockerungen kommt, muss man hier noch abwarten, wie es sich entwickelt„, meint eine Sprecherin vom Tierschutzverein Frankfurt am Main.

Haustiere könnten bei überfüllten Heimen ausgesetzt werden

In Köln ging die Nachfrage nach Katzen und Hunden laut Informationen des dortigen Tierschutzvereines „stark zurück“. Die Tierheime könnten sich jedoch „nur schlecht“ auf eine Abgabewelle vorbereiten. Es sei nicht auszuschließen, dass einzelne der über 550 Einrichtungen in Deutschland die Tiere nicht sofort aufnehmen können und dadurch Hunde oder Katzen ausgesetzt würden. 

Hundeschulen und -tagesstätten können helfen

Wer sich die Corona-Krise mit einem Welpen versüßen wollte, steht nun oft vor „unbedachten Herausforderungen“, so eine Sprecherin von „Vier Pfoten“. „Die Leidtragenden sind stets die Tiere.“ Die Stiftung empfiehlt Hundehalter:innen bei Überforderung zunächst eine Hunde- oder Welpenschule zu besuchen. „Zur Überbrückung voller Arbeitstage können zum Beispiel Hundetagesstätten aushelfen“, so eine Sprecherin. Zur Urlaubssaison würden nach Einschätzung der Tierschützer:innen erfahrungsgemäß mehr Hunde abgegeben

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presseagentur

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