Warum eine Saarländerin ihren Beamten-Job schmiss, ein Start-up gründete – und heute sogar Montage liebt

Theresa, gebürtige Saarländerin, hat einen Neustart gewagt und ihr Leben radikal auf den Kopf gestellt. Sie war Lehrerin, sogar Beamtin auf Lebenszeit. Heute ist sie erfolgreiche Gründerin eines Start-ups. Ihr Label "Zaazu" hat es sogar schon auf die "Fashion Week" von "About You" in Berlin geschafft.
Mit viel Mut bog Theresa Hoffmann von ihrem geraden Lebensweg ab - und realisierte ihren Traum. Foto: Zaazu The Label
Mit viel Mut bog Theresa Hoffmann von ihrem geraden Lebensweg ab - und realisierte ihren Traum. Foto: Zaazu The Label

Aus dem Alltag ausbrechen. Den Job kündigen, die eigene Vision umsetzen. Hand aufs Herz: Für die meisten von uns bleibt es beim Tagtraum, bevor die Alltagsroutine die Gedanken wieder wegwischt. Nicht so bei Theresa Hoffmann. Die Saarländerin hat ihr Leben auf den Kopf gestellt. Hier ist Theresas Geschichte, wie aus einer Lehrerin aus dem Saarland nach einer halben Weltreise eine erfolgreiche Start-up-Gründerin wurde.

Theresa (31) stammt aus Hasborn und lebte viele Jahre in Saarbrücken. Bis zum Sommer 2020 lief bei ihr alles seinen alltäglichen Gang. Erst Abi, dann Studium. Deutsch und katholische Religion. Lehrerin am Gymnasium wollte sie werden. Mit der Stelle hatte es dann erst einmal nicht geklappt. Weshalb sie bis 2016 Flüchtlingen Deutsch beibrachte. 2017 begann ihr Referendariat. 2020 wurde sie Beamtin auf Lebenszeit.

Und dann kam die Corona-Pandemie …

Ein Gedanke ließ sie nie los: „Ich hatte im Laufe der Jahre irgendwie das Gefühl, dass alles viel zu schnell ging. Ich bin quasi von der Schule zur Uni und wieder zurück in die Schule. In mir wurde das Bedürfnis immer lauter, hier noch nicht Stopp zu machen“, erzählt Theresa im Gespräch mit SOL.DE. „Also kündigte ich ein Sabbatjahr an“ – und als dieses im Jahr 2020 losgehen sollte, brach die Corona-Pandemie los. „Das war schon hart für mich“, erzählt Theresa weiter, „ich hatte Angst, dass ich mir diesen Lebenstraum nicht erfüllen kann.“

Als dann im Juni 2020 die Restriktionen etwas gelockert wurden, entschlossen sich Theresa und ihr Freund, es zu versuchen: „Von Juni bis Oktober reisten wir durch Portugal, Italien und Griechenland, bis sich im Oktober die Chance bot, nach Asien, genauer nach Bali einzureisen.“ Da sie ursprünglich sowieso in Asien starten wollten, „haben wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt und sind auf Basis eines Business-Visums eingereist“.

Diese Entscheidung änderte alles. „Um es kurz zu fassen: Wir waren am Ende acht Monate auf Bali, haben einen Straßenhund adoptiert, wunderbare Freundschaften geknüpft – und ich habe Zaazu gegründet.“ Heute steuert sie ihr Label aus Köln – vor allem, weil ihr Freund dort ein gutes Job-Angebot erhielt. „Wäre es nach mir gegangen, wären wir wohl erst mal auf Bali geblieben“, sagt Theresa.

Auf Bali fügten sich alle Puzzleteile zusammen

Zaazu bedeutet „der über den Löwen Kreisende“ oder auch Fortschritt und Innovation auf Hebräisch. „Das gefiel mir“, sagt Theresa. „Zaazu The Label“ bietet handgefertigten Schmuck. Dass Theresa Chefin eines Schmucklabels wird, war nicht von Anfang an klar. Während ihrer Reise fasste sie verschiedene Möglichkeiten ins Auge. Auf Bali fügten sich dann alle Puzzleteile zusammen. Hier fand sie die geeigneten Materialien und die Gold- und Silberschmieden für ihre Kollektionen.

„Alle Zaazu-Teile werden auf Bali aus recyceltem Silber und in Handarbeit unter fairen Bedingungen hergestellt. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern erhält zudem auch Arbeitsplätze auf der von der Pandemie schwer getroffenen Insel“, sagt Theresa. Die Kollektionen designt sie gemeinsam mit ihren balinesischen Partnern. Es entstehen sehr hübsche und filigrane Ohrringe, Halsketten und Ringe.

Zaazu soll kein beliebiger Schmuckanbieter sein. Das Thema Nachhaltigkeit ist der Start-up-Gründerin aus dem Saarland wichtig: „Neben unseren nachhaltigen Materialien und Arbeitsweisen haben wir uns bewusst entschlossen, kein Teil der ‚Fast Fashion Mode‘ zu sein und nicht auf den Zug der Wegwerfmentalität aufzuspringen. Deswegen kaufen wir beispielsweise auch fehlerhafte Produkte von unseren Silberschmieden ab, die beim teils komplizierten Handfertigungsprozess leicht beschädigt wurden, und verkaufen sie zu einem reduzierten Preis, statt sie einfach zu entsorgen“, beschreibt Theresa ihre Philosophie. Von jedem Verkauf unterstützt Zaazu außerdem Bali.Paws, die sich um Straßenhunde auf Bali kümmern, sowie feed_bali, die hungerleidende Menschen der Insel mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgen.

Unerwartete Starthilfe aus Berlin

Zaazu ist für Theresa „ein Herzensprojekt“. Zum Glück kommt das Konzept an: Die erste Kollektion erfreute sich über reißenden Absatz. Im Dezember erschien bereits die zweite. Auch auf die Berliner „About You Fashion Week“ hat es Schmuck von Zaazu schon geschafft. Model und Influencerin Sofia Tsakiridou (@Matiamubysofia) trug ein Schmuckstück von Zaazu kürzlich auf der „About You Fashion Week“ während der Präsentation von Leni Klum. Fans ihrer Marke findet Theresa so vor allem über Socialmedia. Für den Vertrieb hat sie noch während ihrer Zeit auf Bali einen Online-Shop aufgebaut.

 

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Nun sind Online-Marketing, Shop-Erstellung und die Arbeit als Influencerin keine Klassiker der Lehrerausbildung. Theresa lacht: „All das habe ich in Eigenregie gelernt.“ Vor einigen Jahren habe sie mit dem Fotografieren begonnen und Bilder auf Instagram geteilt. Auf dem privaten Account @crossingcomfortzones hatte sie zunächst Eindrücke ihrer Reisen geteilt. Nach und nach kam Theresa so mit Menschen in Kontakt, die ausschließlich von Social Media leben und so in Vollzeit arbeiten. „Der Austausch mit ihnen war sehr wertvoll für mich, um die eigenen Fähigkeiten wachsen zu lassen“, sagt Theresa.

Warum Theresa heute Montage liebt

Nach ihrer Rückkehr aus Bali hatte Theresa übrigens „tatsächlich großen Respekt davor, meinen Freunden und meiner Familie mitzuteilen, dass ich erst einmal nicht in mein altes Leben und in den gewohnten Alltag zurückkehren werde“. Ihre größte Sorge war es, verurteilt zu werden: Weil sie – um ihren Traum zu verwirklichen – vermeintlich leichtfertig von ihrem sicheren Lebensweg als Lehrerin und Beamtin abgebogen ist.

Über sich selbst sagt sie, dass sie die Reise angstfreier gemacht hat – „zu 100 Prozent“. Natürlich gibt es bei der Gründung eines Start-ups Rückschläge. Theresa rät hier aber, allen Mut zusammenzunehmen: Sie glaubt fest daran, dass Angst und Zweifel, ein Plan können nicht aufgehen, „mehr Träume töten als es das Scheitern selbst je zu tun vermag“. Das Wichtigste sei es, „irgendwo unperfekt anzufangen, statt perfekt nie den ersten Schritt zu gehen“.

Wer Theresas Instagram-Account verfolgt, gewinnt den Eindruck, dass sie angekommen ist – und ihr Plan aufgeht. Kürzlich postete sie: „Es ist Montag. Den hab ich früher immer gehasst. Heute liebe ich ihn. Neue Woche, neues Glück.“ Auch Köln hat sich als perfekter Standort für ihr Label herausgestellt. Jetzt – an den kalten Wintertagen – vermisst sie allenfalls „die Sonne, das Meer, das Gefühl von Sand unter den Füßen, die Leichtigkeit und das Lächeln der Menschen in Indonesien„.

Zaazu The Label im Internet:

zaazuthelabel.com
instagram.com/zaazuthelabel

Trend bei jungen Unternehmen: Nachhaltiges Wirtschaften

Zaazu ist nicht nur ein Beispiel, wie aus viel Mut ein Start-up und eine glückliche Lebensentscheidung wird. Das Label steht auch für neue, junge Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und dies konsequent in ihrer Arbeit umsetzen. Ein paar Beispiele:

  • „Unsere Gold- und Silberschmiede haben flexible Pausenzeiten und einen Arbeitsbereich, der nur Ihnen gehört. Wir zahlen außerdem überdurchschnittlich“, sagt Gründerin Theresa.
  • Für die Schmuckstücke schmilzt Zaazu ausnahmslos recyceltes 925er Stirling Silber ein. Auch die echten Steine werden wiederverwendet. Auf Plastik oder Silikone verzichtet das Label völlig.
  • Auch bei der Schmuckbox setzt Zaazu auf Naturkarton aus 100 Prozent recycelten Fasern. Alle verwendeten Rohmaterialien und Klebstoffe sind ökologisch abbaubar. 
  • Außerdem unterstützt Zaazu mit jeder Versandverpackung die Umweltorganisation OneTreePlanted, die Wälder aufforstet. „Auf diese Weise stellen wir sicher, dass für unsere Verpackungen mehr Wald geschaffen als verbraucht wird“, sagt Label-Gründerin Theresa.

Verwendete Quellen:
– eigene Recherche