Warum Meinrad Maria Grewenig als Generaldirektor der Völklinger Hütte abgesägt wird

Nach über 20 Jahren mit vielen erfolgreichen Ausstellungen und Events muss der erfolgreichste Kulturmanager des Saarlandes seinen Hut nehmen. Wirklich einvernehmlich verlief diese Trennung allerdings nicht. 
Meinrad-Maria Grewenig war 20 Jahre lang der Generaldirektor der Völklinger Hütte. Foto: Oliver Dietze/dpa-Bildfunk
Meinrad-Maria Grewenig war 20 Jahre lang der Generaldirektor der Völklinger Hütte. Foto: Oliver Dietze/dpa-Bildfunk
Meinrad-Maria Grewenig war 20 Jahre lang der Generaldirektor der Völklinger Hütte. Foto: Oliver Dietze/dpa-Bildfunk
Meinrad-Maria Grewenig war 20 Jahre lang der Generaldirektor der Völklinger Hütte. Foto: Oliver Dietze/dpa-Bildfunk

Seit 1999 hat Meinrad Maria Grewenig das Amt als Generaldirektor des Weltkulturerbes inne und seine Erfolge sind eindrucksvoll.

Als Grewenig sein Amt antrat, war die Völklinger Hütte eigentlich am Ende, vom dem ersten Manager Karl Zeithammer wirtschaftlich marode hinterlassen und vom Publikum kaum gefragt worden. Der damalige SPD-Kultusminister Henner Wittling setzte alles auf eine Karte und installierte mit Grewenig einen aufsteigenden Star der Kulturszene, der aus dem historischen Museum Speyer, einem Provinzmuseum, mit innovativen und aufregenden kunsthistorischen Ausstellungen eine absolute Topadresse geformt hat.

Genau das sollte auch sein Auftrag in Völklingen sein und der gebürtige Saarländer erfüllt ihn mit Bravour: Aus dem brachliegenden „Problemfall“, der Völklinger Hütte, macht er ein absolutes Vorzeigeprojekt. In der ungenutzten Industriehalle finden Biennalen zu UrbanArt oder Festivals statt, Ausstellungen zu Inkas, Playboy, Asterix oder Queen locken die Besucher in Scharen gen Völklingen. Kaum eine Ausstellung bleibt unter der 100.000 Besucher-Marke.

Dennoch ist trotz aller Erfolge, nach 20 Jahren, Schluss für den hochdotierten Kunsthistoriker, der angeblich 14.500€ pro Monat bezieht und zusätzlich noch einen Dienstwagen erhält. Das berichtet die „SZ“. Der Kultusminister des Saarlandes, Ulrich Commerçon (SPD), wird den auslaufenden Vertrag von Grewenig nicht verlängern. Der bald 65-jährige Grewenig hatte angekündigt, die Hütte gerne noch weitere fünf Jahre zu managen.

Auf den ersten Blick erscheint es paradox, sich von einem derart erfolgreichen Generaldirektor zu trennen. Doch der Erfolg ist nur eine Seite der Medaille. Grewenig gilt als wenig kooperationsbereit und polarisiert seit jeher mit seiner Art, die von vielen Politikern laut „SZ“ als unsteuerbar, überheblich und dreist wahrgenommen wird. Schwerer wiegen aber laut dem Aufsichtsrat der gemeinnützigen GmbH, dem Commerçon vorsitzt, die vielen Alleingänge und damit verbunden einige Finanzlücken, zudem verprellte Grewenig mit seiner forschen Art viele Wegbegleiter und Förderer. 

Diese Entwicklung ist nicht neu, schon seit 2011 wird die Kritik an Grewenig immer lauter. Die ICOMOS-Inspektoren der Unesco erklärten den Zustand des Denkmals für bedenklich und setzten auf die „Rote Liste“, was zu einer Aberkennung des Unesco-Weltkulturerbe-Status führen kann. Die Mängelliste war lang: Die Gebläsehalle würde über Gebühr das ganze Jahr beansprucht und es bliebe zu wenig Zeit zur Instandhaltung. Die Ausstellungen hätten viel zu wenig mit der Industriekultur zu tun und generell würde Grewenig sich vor den wirklich wichtigen Themen drücken wie z.B. der Zwangsarbeit-Ära während des Zweiten Weltkrieges. Zwar hat Grewenig 2014 eine Röchling-Ausstellung geliefert und 2018 ein NS-Mahnmal des Weltrang-Künstlers Christian Boltanskis installiert, trotzdem bleibt sein Beitrag zur Erinnerungskultur umstritten. Zur Aufarbeitung der NS-Zeit habe man Grewenig förmlich zwingen müssen.

Dass Grewenig auch in wirtschaftlich besonders schweren Zeiten nie bereit war, auf Teile seines üppigen Gehalts zu verzichten, dürfte ihm in politischen Kreisen nicht zu größerer Beliebtheit verholfen haben. Denn als der Landesrechnungshof dem Land vor vier Jahren vorwarf, Grewenig über die Maße gut zu bezahlen, musste die damalige Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) mit Grewenig verhandeln, der sich in der Causa aber keinen Millimeter bewegte.

Nun geht die Ära des Meinrad-Maria Grewenig im Saarland zu Ende. Zum Schluss ging es irgendwie doch auch ums Geld. Irgendwie ist es passend, dass ausgerechnet eine Ausstellung zum Pharaonen-Gold, die im Mai startet, Grewenigs Abschiedsvorstellung wird.