Partykönig „Cassius“ Clemens (Flash, Kufa) hört auf – und lässt es nochmal richtig krachen

Es gibt wahrscheinlich kaum jemanden im Saarland, der mit ihm nicht schon gefeiert oder die Nacht durchgemacht hat – wahrscheinlich ohne es zu wissen. Denn Joachim "Cassius" Clemens ist der kreative Kopf der saarländischen Club- und Gastro-Szene (“Flash”, “Kufa”, “Lindenau”). Jetzt feiert er seinen 69. Geburtstag – und will es danach tatsächlich etwas ruhiger angehen lassen.
Clemens hat seinen Rückzug vom Partyleben angekündigt. Foto: Cassius Clemens/Facebook
Clemens hat seinen Rückzug vom Partyleben angekündigt. Foto: Cassius Clemens/Facebook

Dass er eigentlich Joachim Clemens heißt, wissen manche vielleicht gar nicht. In der saarländischen Szene nennen ihn alle – freundschaftlich, durchaus mit einem Hauch Bewunderung – „Cassius“. Der gebürtige St. Wendeler und geborene Partymacher wird tatsächlich schon 69 Jahre!

Clemens betreibt Flash und Lindenau

Die Liste seine Aktivitäten ist lang: Am bekanntesten ist sicher das St. Wendeler „Flash“. Dorthin sind Generationen von Saarländerinnen und Saarländer gepilgert, um zu feiern und sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Die edlere Ausgabe eines Partytempels ist die „Lindenau“, auch in St. Wendel – und auch ein langjähriges Projekt von Cassius – mit schicker Cocktailbar, Lounge und Kaminzimmer.

Jetzt lässt er’s nochmal krachen

Zu seinem 69. Geburtstag lässt es Joachim „Cassius“ Clemens standesgemäß noch einmal richtig krachen. Auf seiner Facebook-Seite teilt er Freunden und Partyvolk mit: „Mit unserer Veranstaltung ‚Wonderful Days‘ werde ich dieses Jahr meinen 69. Geburtstag zum letzten Mal in der Disco feiern“, und zwar am Samstag, 15. Oktober, mit einer Classic-Rave-Party im Epizentrum seiner Aktivitäten – dem St. Wendeler „Flash“. Unter anderem hat sich Westbam angekündigt.

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Besucher verneigen sich vor Partykönig

„Die Zahl 69, die ich im übrigens sehr sexy finde, ist für mich die perfekte Zahl, um mich in die 2. Reihe zurückzuziehen und Jüngeren das Ruder zu überlassen„, kündigt Cassius auch gleich den Start in die neue Lebensphase an. Die Kommentare zu seinem Post offenbaren viel Wehmut: „Cassius … du und das Flash haben unsere Jugend geprägt.“ Oder: „Freitags Kufa, samstags Flash. Das war meine Discozeit. Danke für die geilen Partys.“ Oder: „Cassius, du Granate! Du hast Generationen geprägt und vielen tausend Menschen die besten Zeiten ihres Lebens geschenkt.“

Das „Flash“ war immer das Herzstück seiner vielfältigen Aktivitäten. Cassius erinnert sich: „Witzig fand ich, dass ich in den 90er Jahren jeden Monat im Flash mehr Besucher begrüßen durfte als meine Heimatstadt St. Wendel Einwohner hat.“ So zeigt auch sein Instagram-Account, der mit spärlichen drei Fotos bestückt ist, als einzigen seiner Clubs das „Flash“ – und den jungen „Cassius“ am DJ-Pult.

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Clemens mischte auch bei der Loveparade mit

Für so viel Kreativität und Lust am Partymachen war die kleine Kreisstadt dann manchmal doch zu klein: Cassius hob das legendäre „Mixery Castle“ aus der Taufe, mischte bei der Loveparade mit.

Einen Ausflug machte Cassius übrigens auch in die Musikproduktion: So gab es von 1997 bis 2002 das „C.O.P. Project“ – Techno aus dem Saarland. C.O.P. stand dabei für die Macher „Cassius“ Clemens, Oliver Oaks (Musikproduzent) und DJ Pi. Weitere Mitglieder waren DJ Senad und Live-Schlagzeuger Elmar Federkeil. In dieser Zeit entstanden sieben Singles. „Pornostar“ war der bekannteste Titel, der sich immerhin neun Wochen in den deutschen Charts hielt und bis auf Platz 49 vorrückte. Auch in den damaligen TV-Studios von „VIVA“ und „Top of the Pops“ (RTL) schauten die Saarländer mit der Single vorbei.

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Kufa geht auf Clemens zurück

Doch zurück in die Heimat: Denn auch die Saarbrücker Partyszene belebte Cassius erfolgreich: Als das Gebäude der damaligen Neufang-Brauerei nach der Schließung im Dornröschenschlaf lag, küsste er es wach und machte daraus die „Kufa“, die seit 1993 und über viele Jahre sehr erfolgreiche Disco an der Dudweiler Landstraße.

Vom Dillinger Sound blieb nicht viel

Eine weitere Reanimation versuchte er mit der legendären Disco „Sound“ in Dillingen, die in den 70ern und 80ern Kultstatus in der Hüttenstadt hatte. 2011 schrieb der Dillinger Wochenspiegel: „Der Herausforderung der Neugestaltung des ‚Sound‘ stellen sich zurzeit der saarländische Szenegastronom Cassius Clemens und der Designer Carsten Feil“.

Das gelang leider aber auch den beiden nicht. Vom Sound bleibt nur die legendäre Adresse Stummstraße 1. Die Kultdisco, wie die sich anschließende Dillinger Fußgängerzone (übrigens die erste im Saarland) versinken heute mehr oder weniger im Schlaf. Die besten Zeiten sind für beide vorbei.

Wenn am 15. Oktober die Pegel der Soundanlage die Boxen im „Flash“ zum Leben erwecken, blickt Joachim „Cassius“ Clemens auf 39 Jahre Partyleben und überaus erfolgreiches Veranstaltungsgeschäft zurück.

Welche Pläne der Partykönig jetzt hat

Nachtleben aus, Licht an – und normaler Rentner sein? Das kommt für ihn dennoch nicht infrage. Auch mit 69 hat Cassius Pläne – und Ideen. Eine Lehre hat er aus der Corona-Zeit gezogen. Die Lockdowns trafen zwar die Gastro- und Partyszene besonders hart. „In den zwei Jahren Pandemie, in der ich auch mal Zeit für mich und meine Familie hatte, wurde mir klar, dass man damit auch sehr gut leben kann“, zieht er Bilanz. Und in seinem Facebook-Post schreibt er: „Ab jetzt finde ich, dass mir eine 40-Stunden-Woche zusteht und ich an den Wochenenden auch mal freihaben darf.“

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Vielleicht wird aus den Baumhaushotels noch etwas. Ein Projekt, das er im Jahr 2020 mit seiner Frau Andrea aus der Taufe heben wollte. Die Baumhäuser sollten in einer Parkanlage in ihrer Heimatstadt St. Wendel entstehen. Auf der Crowdfunding-Plattform Startnext läuft aktuell noch die Finanzierungsrunde. 47 Unterstützer:innen gibt es bisher – knapp 7.000 Euro sind eingesammelt. Dass er auch das Hotelfach kann, beweist er in Saarbrücken, wo ihm das kleine, hübsche „Hotel Fuchs“ am Rande des St. Johanner Marktes gehört.

Unzählige Saarländer können dankbar sein

Wir sind sicher: Von Cassius wird das Saarland weiter hören – vielleicht nicht aus den Musikboxen seiner Clubs – aber mit Sicherheit von anderen kreativen Ideen. Auf jeden Fall hat er ganz vielen Saarländerinnen und Saarländern unvergessliche Stunden geschenkt. Oder wie eine Facebook-Userin schreibt: „Chapeau vor diesem beeindruckenden Lebenswerk.“

Verwendete Quellen:
– Facebook-Post von Cassius Clemens, 06.10.2022
– eigene Recherche