“Ich habe eben jemanden erschossen”: Freundin des Tankstellenmörders erzählt über die Tatnacht

Im Mordprozess um den tödlichen Schuss auf einen Tankstellen-Mitarbeiter im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein hat heute (13. April 2022) die Lebensgefährtin des Angeklagten ausgesagt. Das sind die Aussagen der 51-Jährigen:
An einer Tankstelle in Idar-Oberstein wurde ein 20-jähriger Mann erschossen. Foto: picture alliance/dpa/Foto Hosser | Christian Schulz
An einer Tankstelle in Idar-Oberstein wurde ein 20-jähriger Mann erschossen. Foto: picture alliance/dpa/Foto Hosser | Christian Schulz

Prozess gegen mutmaßlichen Tankstellen-Mörder von Idar-Oberstein

Am 18. September 2021 wurde ein 20-jähriger Tankstellen-Mitarbeiter in Idar-Oberstein erschossen, nachdem er einen Kunden mehrfach auf die damals geltende Maskenpflicht hingewiesen hatte. Der Mord sorgte für bundesweites Entsetzten. Seit Ende März läuft der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter, einen 50-jährigen Mann, vor dem Landgericht Bad Kreuznach.

Freundin des Angeklagten sagt vor Gericht aus

Am heutigen Mittwoch (13. April 2022) hat die Freundin des Angeklagten vor Gericht ausgesagt. Die 51-jährige Lebensgefährtin des mutmaßlichen Mörders erklärte, dass ihr Freund an dem Tag stark betrunken gewesen sei. So hätten die beiden am Nachmittag vor der Tat am 18. September 2021 das schöne Wetter zum Grillen genutzt. Der 50-Jährige habe dabei bis zum Abend sieben Halbliter-Dosen Bier getrunken, obwohl er eigentlich nicht so viel vertrage. Sie selbst habe sich bereits gegen 18.30 Uhr hingelegt und sei im Laufe des Abends eingeschlafen.

„Ich kriege Probleme, ich habe eben jemanden erschossen“

Zwischen 22.00 und 22.30 Uhr habe ihr Freund sie dann plötzlich geweckt und zu ihr gesagt: „Ich kriege Probleme, ich habe eben jemanden erschossen“. Da ihr Freund augenscheinlich betrunken gewesen sei, habe die 51-Jährige das Ganze zunächst nicht ernst genommen und für einen geschmacklosen Scherz gehalten.

Angeklagter habe „viel geweint“

Am Morgen danach habe ihr Freund dann viel geweint und habe sich entsetzt von der eigenen Tat gezeigt: „Was habe ich gemacht?“, soll er gefragt haben. Er habe sich laut Aussage seiner Freundin zu diesem Zeitpunkt nicht genau erinnern können, wie es zu dem Schuss gekommen sei. Über das Opfer habe er nicht viel gesagt und nur kurz etwas von einer Maske erzählt. Letztlich seien die beiden dann gemeinsam zur Polizei gefahren. Dort sagte der 50-Jährige schließlich aus, dass er nach einem ersten Besuch in der Tankstelle, bei dem er auf die Maskenpflicht hingewiesen wurde, nach Hause gefahren sei und einen geladenen Revolver geholt habe. Im Anschluss sei er dann zur Tankstelle zurückgekehrt und habe den 20-jährigen Mitarbeiter erschossen.

Tatwaffe soll Angeklagter von Vater erhalten haben

„Er ist nicht gewalttätig“, sagte die Freundin des Angeklagten trotz dessen mutmaßlicher Tat vor Gericht aus. Das gelte auch, wenn er betrunken gewesen sei. Die Tatwaffe – einen Revolver – habe er von seinem Vater bekommen. Der Angeklagte habe die Waffe in einer Schublade gelagert und zuvor nie benutzt. Die Freundin führte vor Gericht aus, dass sie Angst vor der Waffe gehabt habe und ihren Lebensgefährten mehrfach darum gebeten habe, sie entweder bei der Polizei abzugeben oder an jemanden, mit einem Waffenschein zu verkaufen. Der Angeklagte habe die Waffe aber unbedingt zum Schutz gegen Einbrecher behalten wollen, so die Aussage der 51-Jährigen. Eine Waffenerlaubnis hatte der 50-Jährige nicht, sodass er auch wegen unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt ist.

Angeklagter soll sehr starke Stimmungsschwankungen gehabt haben

Dass ihr Freund die Waffe unbedingt behalten wollte, habe die 51-Jährige als paranoid empfunden. Ihr Lebensgefährte soll zudem sehr starke Stimmungsschwankungen gehabt haben. Die Corona-Auflagen habe der Mann als Stress empfunden, auch wenn er beim Einkaufen immer eine Schutzmaske getragen habe, so die 51-Jährige.

So geht der Prozess um den Tankstellen-Mord von Idar-Oberstein weiter

Am heutigen Mittwoch fand der letzte Verhandlungstag statt, bevor der Prozess um den Tankstellen-Mord von Idar-Oberstein in eine längere Osterpause geht. Die nächsten fünf Verhandlungstermine am Landgericht Bad Kreuznach sind erst wieder für die erste Maihälfte angesetzt.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur