Kriminalfälle im Saarland: Diese 7 Verbrechen schockierten ganz Deutschland

Ein Massaker in Lebach, die mutmaßliche Ermordung eines Jungen in Burbach und der Polizistenmord: Manche saarländischen Kriminalfälle hielten ganz Deutschland in Atem. Einige werfen noch bis heute Fragen auf.
Der Polizistenmord von Kusel (links im Bild der Täter Andreas S.) und der Vermisstenfall Pascal lösten deutschlandweit Entsetzen aus. Fotos: dpa-Bildfunk
Der Polizistenmord von Kusel (links im Bild der Täter Andreas S.) und der Vermisstenfall Pascal lösten deutschlandweit Entsetzen aus. Fotos: dpa-Bildfunk

Entführung, Erpressung, Mord und mehr: Einige der bekanntesten deutschen Kriminalfälle haben sich im Saarland zugetragen. Einer der wohl aufsehenerregendsten: der Fall Pascal Zimmer.

Der „Fall Pascal“

Das Verschwinden des Jungen gehört zu den größten ungeklärten Kriminalfällen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der mutmaßlich ermordete Junge aus Saarbrücken-Burbach verschwindet am 30. September 2001.

Drei Jahre später beginnt der Prozess gegen zwölf Verdächtige. Sechs von ihnen sind wegen Mordes angeklagt, die anderen wegen sexuellen Missbrauchs. Doch aufgrund der fehlenden Leiche und mangelnder Hinweise folgen 2007 Freisprüche. Urteile, die in der Öffentlichkeit heftige Kritik hervorrufen.

Pascal bleibt bis heute verschwunden. Laut Polizei ist der Fall jedoch nicht abgeschlossen. Gibt es neue Hinweise, so wollen die Beamten erneut aktiv werden. Da die Eltern des Vermissten mittlerweile verstorben sind, kann nur die Staatsanwaltschaft Pascal für tot erklären. Die gesamte Geschichte haben wir hier für euch aufgearbeitet.

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Der Soldatenmord von Lebach

1969 kommt es in einem Bundeswehr-Depot in Lebach zu einem Massaker: Zwei Männer dringen in das Gelände ein und töten vier schlafende Soldaten. Eine Bluttat, die ganz Deutschland schockiert.

In der Nacht zum 20. Januar suchen zwei Männer die Wachbaracke des Bundeswehr-Depots des Fallschirmjägerbataillons 261 in Lebach-Landsweiler auf. Im Inneren angekommen, richten sie drei schlafende Soldaten förmlich hin. Überleben kann ein damals 21-jähriger Wachsoldat – trotz Schussverletzung und 13 Wunden durch Messerstiche.

Einige Monate nach der Tat gelingt den Einsatzkräften die Festnahme der Verantwortlichen: Dank einer Sendung von „Aktenzeichen XY … ungelöst“ kommt die SOKO den Tätern auf die Spur. Eine besondere Rolle spielt dabei eine im Saarland geborene Sinti-Wahrsagerin. Alle Details des Falls gibt es hier zum Nachlesen: Der Soldatenmord von Lebach: Ein Massaker im Saarland schockierte ganz Deutschland.

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Amoklauf am Saarbrücker Ludwigsgymnasium

Der Fall um den Gymnasiasten Julius Becker gilt als der erste dokumentierte Amoklauf an einer deutschen Bildungseinrichtung. Am 25. Mai 1871 schießt Julius, der Opfer von Mobbing gewesen sein soll, auf zwei seiner Mitschüler.

Während des Unterrichts erhebt er sich wortlos von seinem Platz, greift zur Waffe und zielt auf den Kopf des neben ihm sitzenden Gustav Eybisch. Nach einigen Schüssen bricht dieser zusammen. Zwei Kugeln treffen einen weiteren Schüler. Trotz schwerster Kopfverletzungen überleben beide Opfer den Angriff.

Nach dem Amoklauf lässt sich Becker widerstandslos verhaften. Den Gerichtssaal verlässt er zunächst als freier Mann – doch einige Jahre später wird der Amokläufer in eine Merziger Irrenanstalt (damals die Bezeichnung für eine psychiatrische Klinik) eingeliefert.

Der Polizistenmord von Bexbach

Karl Klein, ein ehemaliger Bürgermeister Bexbachs, ermordet 1945 den Polizisten Johann Kerner. Für die Tat sitzt Klein 24 Jahre im Gefängnis. Während des Haftaufenthalts gelingt ihm eine der spektakulärsten Fluchten aus einem deutschen Gefängnis.

Am 20. April 1945 stirbt der Polizist Johann Kerner durch zwei Schüsse. Zunächst ist unklar, wer hinter dem Vorfall steckt. Bei Befragungen stellen die Beamten fest, dass der Hausmeister Edmund Neufang kein Alibi hat. Dieser räumt schließlich ein, zusammen mit Klein für die Schüsse verantwortlich zu sein. Erst in einem zweiten Verfahren (1948) kommt ein Schuldspruch zustande, der für Klein mit der Todesstrafe endet. 1949 wird das Urteil in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

Besonderes Aufsehen erregt der Fall, als Klein in einer Mülltonne aus dem Gefängnis Lerchesflur flüchtet. Seine Freiheit kann er allerdings nur wenige Tage genießen. Nach dem Absitzen der Strafe lebt Klein weitere 19 Jahre in Bexbach, bis er 1993 in einem Seniorenheim stirbt.

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Die Entführung Gernot Egolfs

1976 kommt es deutschlandweit zu gleich mehreren Entführungen. Ein prominenter Fall ereignet sich dabei im Saarland: Gernot Egolf, Neffe des damaligen Karlsberg-Brauerei-Chefs Paul Weber, wird von zwei Tätern gekidnappt und in einem Bunker festgehalten. Während der Gefangenschaft stirbt Egolf.

Um Geldnöten zu entkommen, beschließen Andreas Leiner (damals 22) und Joachim Müller (damals 21) die Entführung Gernot Egolfs. Das Kidnapping findet am 19. Oktober 1976 statt. Nachdem die Täter Egolf überwältigen, halten sie ihn angekettet in einem Bunker gefangen. Währenddessen verlangen sie ein Lösegeld von zwei Millionen Mark. Während der Verhandlungen kommt das Opfer allerdings ums Leben – wahrscheinlich aufgrund von Unterkühlung. Regenfälle lassen die nur 150 Zentimeter hohe Bunkerruine volllaufen.

Noch am selben Tag können Einsatzkräfte die Entführer festnehmen. Eine Freundin Müllers liefert der Polizei den entscheidenden Hinweis. Nach der Verurteilung bringt sich Leiner im Gefängnis um. Müller sitzt eine lebenslange Freiheitsstrafe ab.

Der Saarbrücker Bombenanschlag

9. März 1999: Während einer Wehrmachtsausstellung am Saarbrücker VHS-Zentrum explodiert eine Bombe. Es entsteht Sachschaden von mehreren Hunderttausend Euro. Die Ermittler nehmen an, dass die Tat dem rechtsterroristischen Milieu zuzuordnen ist.

Um 04.40 Uhr explodiert am VHS-Zentrum in Saarbrücken ein Sprengsatz. Dieser beschädigt nicht nur das Gebäude der Volkshochschule – auch die benachbarte Schlosskirche wird in Mitleidenschaft gezogen. Zur Zeit des Vorfalls ist im VHS-Zentrum die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944″ zu sehen.

Nach dem Anschlag nimmt die Polizei ihre Arbeit auf. Das Ergebnis: Rechtsterroristen sind wohl für den Sprengsatz verantwortlich. Dennoch führen die Ermittlungen bis heute, also mehr als 25 Jahre nach dem Vorfall, zu keinem Ergebnis. Wer hinter der Tat steckt, ist noch immer unklar.

Der Polizistenmord von Kusel

Im Landkreis Kusel nahe der rheinland-pfälzisch-saarländischen Grenze werden Anfang 2022 die Polizeikräfte Yasmin B. und Alexander K. kaltblütig erschossen. Wenige Stunden später nimmt die Polizei im saarländischen Sulzbach zwei Männer fest. Darunter ist der Jäger Andreas S.

Ein Gericht wird ihn später wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilen. Er hatte die Polizist:innen getötet, um Wilderei zu vertuschen. Alle Artikel zu den Polizistenmorden hier.

Verwendete Quellen:
– Bericht der Saarbrücker Zeitung
– 3Sat-Doku „Der Mörder in der Mülltonne“
-Wikipedia
– Spiegel-Bericht
– Zeit-Bericht
– eigene Berichte