Über 30 Jahre nach Mord an Samuel Yeboah in Saarlouis: Tatverdächtiger festgenommen

Im Mordfall Yeboah hat die Bundesanwaltschaft heute einen Tatverdächtigen festgenommen. 1991 soll der Beschuldigte einen Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in Saarlouis verübt haben. Ihm wird jetzt unter anderem Mord und Brandstiftung mit Todesfolge vorgeworfen. Das sind die aktuellen Informationen in dem Fall:
Bei dem Brandanschlag in Saarlouis war Samuel Yeboah ums Leben gekommen. Fotos: Landespolizeipräsidium Saarland
Bei dem Brandanschlag in Saarlouis war Samuel Yeboah ums Leben gekommen. Fotos: Landespolizeipräsidium Saarland

Saarlouis: Tatverdächtiger im Mordfall Yeboah verhaftet

Einsatzkräfte des Landespolizeipräsidiums Saarland haben am heutigen Montag (4. April 2022) einen deutschen Staatsangehörigen verhaftet. Zuvor hatte es einen entsprechenden Haftbefehl des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof gegen den Mann gegeben. Wie aus einer aktuellen Mitteilung des Generalbundesanwalts hervorgeht, soll der Festgenommene für den Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft im Jahr 1991 in Saarlouis verantwortlich sein. Dabei war der zu dem Zeitpunkt 27-jährige Geflüchtete Samuel Yeboah ums Leben gekommen.

Der Beschuldigte „wird im Laufe des heutigen Tages dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden, der ihm den Haftbefehl eröffnen und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden wird“, so der Generalbundesanwalt. Gegen  ihn besteht unter anderem der „dringende Tatverdacht des Mordes“. Auch wird Peter S. versuchter Mord zum Nachteil von 20 Menschen und Brandstiftung mit Todesfolge vorgeworfen.

Rechtsextremistischer Hintergrund

Laut Mitteilung wird dem Beschuldigten im Haftbefehl folgender Sachverhalt zur Last gelegt: Am späten Abend des 18. September 1991 besuchte der Mann eine Gaststätte in Saarlouis. Dort tauschte er sich „mit rechtsextremistischen Gesinnungsgenossen unter anderem über die rassistisch motivierten Anschläge auf Unterkünfte für Ausländer in Hoyerswerda“ aus. „Die Gesprächsteilnehmer machten deutlich, dass sie die Begehung solcher Anschläge auch in Saarlouis gutheißen würden“.

Brand in Wohnheim für Asylbewerber gelegt

Weiter heißt es im Haftbefehl: „Nach Schließung der Gaststätte begab sich der Beschuldigte in den frühen Morgenstunden des 19. September 1991 zu einem Wohnheim für Asylbewerber in der Saarlouiser Straße, um dort aus seiner rechtsextremistischen und rassistischen Gesinnung heraus einen Brand zu legen“.

Samuel Yeboah stirbt

Dem Haftbefehl zufolge betrat der Tatverdächtige das Gebäude, „goss im Treppenhaus des Erdgeschosses aus einem Kunststoffkanister Benzin aus und entzündete es“. Mit „großer Geschwindigkeit“ breiteten sich die Flammen im gesamten Treppenhaus aus. Im Flur des Dachgeschosses wurde auch Samuel Yeboah vom Feuer erfasst. „Dieser erlitt schwerste Verbrennungen und eine Rauchvergiftung, die noch am Tattag zu seinem Tod führten“.

Wie aus dem Haftbefehl auch hervorgeht, konnten sich zu dem Zeitpunkt zwei Hausbewohner nur durch Sprünge aus einem Fenster retten; sie erlitten Knochenbrüche. „Den übrigen 18 Bewohnern gelang es, sich unverletzt in Sicherheit zu bringen.“

Generalstaatsanwaltschaft Saarbrücken nimmt Verfahren wieder auf

Laut Generalbundesanwalt wurde das Verfahren durch die Generalstaatsanwaltschaft Saarbrücken wiederaufgenommen – „auf Grundlage neuer Erkenntnisse“. Demnach deuteten „gravierende Anhaltspunkte auf einen rechtsextremistischen und rassistischen Hintergrund des Anschlags hin“. Diese Annahme sowie der Tatverdacht gegen den Beschuldigten „haben sich im Rahmen der durch die Bundesanwaltschaft fortgeführten Ermittlungen erhärtet“, heißt es abschließend.

Verwendete Quellen:
– Mitteilung des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof, 04.04.2022
– eigene Berichte