Edeka erntet Shitstorm nach (werblichem) Statement zum Ukraine-Krieg

Der Lebensmittelkonzern Edeka hat mit einem Statement zum Ukraine-Krieg bei zahlreichen Menschen für Verärgerung gesorgt. Viele werfen dem Unternehmen vor, den Krieg als Imagewerbung zu instrumentalisieren.
Edeka hat für einen umstrittenen Facebook-Post heftige Kritik einstecken müssen. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene
Edeka hat für einen umstrittenen Facebook-Post heftige Kritik einstecken müssen. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene

Ein Social-Media-Beitrag des Lebensmittelkonzerns Edeka spaltet aktuell die Meinungen im Netz. Darauf zu sehen ist ein Bild mit dem Spruch „Freiheit ist ein Lebensmittel“, im Hintergrund die blau-gelben Farben der ukrainischen Flagge (die auch den Unternehmensfarben von Edeka entsprechen) sowie das des Konzern. Über dem Bild schreibt das Unternehmen: „Freiheit ist unser höchstes Gut. 💛💙 Wir denken an die Menschen in der Ukraine“. Rund 30.000 Menschen haben den Beitrag auf Facebook mit einem „Gefällt mir“ markiert.

Edeka erntet Kritik für werbliche Aufmachung einer Stellungnahme zum Ukraine-Krieg

Doch der Post erntete bei weitem nicht nur Zuspruch. So hagelte es in den Kommentarspalten sozialer Medien Kritik an dem Beitrag. Im Fokus stand dabei vor allem die werbliche Aufmachung der Stellungnahme. Zahlreiche Menschen werfen dem Lebensmittelkonzern vor, den Ukraine-Krieg als billiges Marketinginstrument zu missbrauchen. Denn anders als andere Unternehmen, die in ihren Statements auf typische Markenbildungswerkzeuge verzichtet haben, hat Edeka ausgerechnet seinen Werbeslogan „Wir leben Lebensmittel.“ zum politischen Statement umgebastelt. Zusammen mit dem Edeka-Logo und einer kurzen Textbotschaft über dem Bild wirkt der Beitrag für viele eher wie ein Werbepost oder weist zumindest einen äußerst faden Beigeschmack auf.

Die Kritik der Menschen in den sozialen Medien lautete unter anderem:

  • „Das ist geschmacklos! Eine Marke kann klar Stellung beziehen, auch zu politischen Themen. Aber nicht daraus eine Anzeige machen.“
  • „Vermutlich gut gemeint dieser Spruch aus der Werbeabteilung. Aber sorry, leider total daneben und zynisch! Ihr verkauft Lebensmittel. Was soll’s denn kosten bitte, die Freiheit? Geschnitten oder am Stück? Heute 2 Kilo Freiheit im Sonderangebot. Und dazu ein kühles Pils…“
  • „Haltung ist keine Headline. Statt euer Logo und eine Headline auf eine Flagge zu packen, helft lieber konkret mit Lebensmitteln. Als einer der großen Konzerne im hochpreisigen Segment, sollte man eine Agentur und ein ein Marketingteam haben, dass mehr kann als eine plakative Wortspielerei. Kreativität kann besser eingesetzt werden – und konkret helfen.“
  • „Es ist Krieg. In Europa. Ich bin sprachlos über das hier. Wie. Kann. Man. Das. Machen?“
  • „Schon ein bisschen geschmacklos diesen Krieg in Werbung für den eigenen Konzern zu verpacken. Freiheit ist ein Gut und keine Ware.“

Marketing-Fachmagazine kritisieren „Ukraine-Anzeige“ von Edeka

Doch nicht nur in den sozialen Medien gab es Kritik für den Ukraine-Beitrag von Edeka. Auch in diversen Marketing-Fachmagazinen ist man sich einig, dass eine Solidarisierung mit den Opfern des Ukraine-Kriegs eine Selbstverständlichkeit sein sollte, eine „Verwerblichung“ dagegen geschmacklos sei. So schreibt das Magazin „t3n“ beispielsweise: „Auch und gerade wenn die Unternehmensfarben so schön zur Flagge der Ukraine passen: Dann, wenn eine Kampagne so vordergründig wirkt, sollte sich ein Unternehmen fragen, ob das jetzt wirklich sein muss oder ob Schweigen gerade an den ersten zwei Tagen eines Angriffskrieges nicht die bessere Lösung wäre“. Mehr dazu unter: „Edeka und Ukraine-Werbung: Krieg taugt selten als Markenmoment“.

Ähnlich lauten auch die Kritiken von „Werben & Verkaufen“ in dem Kommentar „Edeka greift mit seiner Ukraine-Anzeige daneben“ oder von „Horizont“ im Kommentar „Umstrittener Ukraine-Post:
Geht’s noch, Edeka?“.

Verwendete Quellen:
– eigene Recherche
– Facebook-Beitrag von Edeka
– Beiträge der Fachmagazine „t3n“, „Horizont“ und „Werben & Verkaufen“