Waschmittel, Hundefutter und Co.: Warum diese Produkte das „Stiftung Warentest“-Siegel verloren

Mit dem Siegel der Stiftung Warentest werben jedes Jahr etliche Hersteller für die Qualität ihres Produkts. Einmal vergeben bedeutet jedoch nicht, dass die Wertung für immer gültig ist. Von Waschmittel über Versicherung bis Kindersitz – diese Produkte dürfen das Logo nicht mehr verwenden:
Wenn sich ein Produkt verändert, kann es das Siegel der "Stiftung Warentest" verlieren. Symbolfoto: Lukas Schulze/dpa-Bildfunk
Wenn sich ein Produkt verändert, kann es das Siegel der "Stiftung Warentest" verlieren. Symbolfoto: Lukas Schulze/dpa-Bildfunk

Jedes Jahr nutzen rund 600 Hersteller das Siegel der „Stiftung Warentest“, um auf der Verpackung mit dem Markenzeichen für ihr Produkt zu werben. Voraussetzung: Ein Lizenzvertrag mit klaren Regeln. Wenn ein Nachtest etwa zeigt, dass ein Produkt seit der Siegelvergabe verändert wurde, müssen die Hersteller das Logo entfernen.

2023 verlor kein Produkt das Siegel der „Stiftung Warentest“

Erfreulich: Im vergangenen Jahr zeigten sich bei keinem der Nachtests Veränderungen an den empfohlenen Produkten. Alle 72 Artikel durften demnach das Siegel behalten. Das war allerdings nicht immer so. In diesen Fällen wurde der Lizenzvertrag bislang gekündigt:

Eingeschränktes Angebot bei „Remind.me“

Den Wechsel­service „Remind.me“, der einen Preis­vergleich und Betreuung beim Gast­arif­wechsel anbietet, hatte die Stiftung 2021 als „empfehlens­wert“ bewertet. Seit einer Nachprüfung 2022 darf er jedoch nicht mehr mit dem Logo werben. Der Grund: Das Angebot hat sich verändert. So schließt Remind.me etwa Haushalte von der weiteren Betreuung aus, wenn sie ihr Widerrufsrecht nach einem erfolgten Tarifwechsel nutzen. Diese müssen dann selbstständig einen neuen suchen.

Sicherheitslücke bei smartem Türschloss „Abus Home­Tec Pro CFA3000“

Das Funk-Türschloss von Abus hatte im Test im Oktober 2020 zwar gut abgeschnitten, landete mit der Note 2,4 aber dennoch auf den hinteren Plätzen. Im August 2022 warnte das Bundes­amt für Sicherheit in der Informations­technik dann vor einer neu entdeckten Sicherheitslücke, die es ermöglicht, das Schloss per Hack zu öffnen. Laut Abus ist der Fehler nicht per Software-Update zu beheben. Die Stiftung Warentest empfiehlt daher, das Schloss zu demontieren und hat das Siegel entzogen.

Tariferhöhungen bei Pfleg­etagegeld­versicherungen

Auch die Pflegetagegeldversicherungen „PTG“ der DKV Versicherung, die „Deutsch­land­pflege Flex“ der DFV Deutsche Familien­versicherung AG, die „PMvario/1560 und PMvario/1600“ der Huk Coburg und die „Pflege Flexible/1560 und Pflege Flexible/1600“ der VRK verloren das Markenzeichen. Der Grund: Sie hatten nach dem Stichtag der Untersuchung die Beiträge für ihre mit dem Siegel beworbenen Tarife angehoben.

Die Pfleg­etagegeld­versicherung PTPU der Versicherung Württem­bergische darf das Logo für den Modell­fall 45-jährige (Sehr Gut 1,2) und den Modell­fall 55-jährige (Sehr Gut 1,5) schon seit längerem nicht mehr tragen. Die Versicherung hatte nach dem Test von 2015 den Beitrag erhöht. Seither ist ein neuerer Test erschienen.

Veränderte Härte bei Matratze „MFO VitaSan“

In einem Matratzentest vom März 2020 landete die „VitaSan 7-Zonen-Kalt­schaum­matratze“ von MFO mit einer Liegefläche von 90×200 Zenti­metern unter den besten in der Gruppe. Bei einer Nachprüfung schickte die Stiftung Warentest jedoch zwei weitere Exemplare in die Klimakammer. Bei beiden veränderte sich die Härte deutlich stärker als im ursprüng­lichen Test. Laut Hersteller hatte sich in der Produktion geändert. Dennoch musste die Stiftung das „Testsieger“-Siegel entziehen.

Höherer Stromverbrauch bei Sous-vide-Garer „Allpax SVU“

Der Sous-vide-Garer Allpax SVU ging aus dem ersten Test in der Produktgruppe als Sieger hervor. Im Nachtest stellte die Stiftung Warentest dann jedoch veränderte Strom­verbräuche und Garzeiten fest. Darüber hinaus lag keine Gartabelle bei. In einem ersten Test hätte das ein „Mangelhaft“ bedeutet. Auf Nachfrage bestätigte der Anbieter Veränderungen an Bauteilen. Er darf das Siegel nicht mehr verwenden.

Schlechtere Fleckentfernung bei Voll­wasch­mitteln

Auch die Voll­wasch­mittel „Gut & Günstig Ultra“ von Edeka und „Bravil Activ Plus“ von Netto Marken-Discount dürfen das Siegel nicht mehr tragen. Im Jahr 2018 hatte Edeka mit dem Eigenprodukt ein gutes Testurteil bekommen. Im Jahr 2019 warb die Supermarkt-Kette jedoch mit dem Siegel auf einer Packung, die etwas anderes beinhaltete. Der Nachtest ergab, dass das Pulver weniger von der Reinigung­schemikalie TAED enthielt als ursprünglich. Dadurch ließen sich Flecken nun deutlich schlechter entfernen. Der Lizenzvertrag wurde gekündigt. Auch das rezepturgleiche Wasch­mittel „Bravil Activ Plus“ von Netto darf nicht mehr mit dem Logo werben.

Weniger Vitamin A in Hundefutter „Purina Beneful“ von Nestlé

Das Hundetro­ckenfutter Purina Beneful von Nestlé hatte 2016 die Gesamtnote „Gut“ erhalten. Bei einer Nachprüfung zeigte sich dann jedoch, dass das Produkt deutlich weniger Vitamin A als ursprünglich enthielt. Stiftung Warentest wies den geringeren Gehalt in drei Packungen nach. Da das Vitamin für Wachs­tum, Haut, Stoff­wechsel und Augen der Hunde wichtig ist, wurde das Logo entzogen.

Schadstoff in Fahr­radhelm „Melon Urban Active“

Der Fahrradhelm für Erwachsene hatte im ersten Test das Siegel erhalten, dann überprüfte die Stiftung Warentest jedoch die Kinderhelme in Größe XXS-S. In den Einstell­riemen fand man dabei den Schad­stoff Naph­thalin, der im Verdacht steht, Krebs zu erregen. Daraufhin wurden auch die Erwachsenengrößen überprüft. Anders als im ersten Test entdeckte die Stiftung dabei auch darin eine deutliche Menge Naph­thalin. Die Schadstoffkonzentration lag zwar unter dem Grenz­wert des GS-Siegels (Geprüfte Sicherheit), hätte jedoch nur noch für eine Testwertung von „ausreichend“ gereicht. Der „Melon Urban Active“ verlor das Siegel.

Fehlender Energieabsorber bei Auto­kinder­sitz „Migo Saturn mit Isofix-Basis Solar“

Der Autokindersitz hatte das Siegel im Jahr 2014 erhalten, musste es jedoch 2016 wieder abnehmen. Der Grund: Im Nachtest stellten die Prüfer:innen fest, dass ein seitlich montierter Energie­absorber fehlte und die Bewertung daher schlechter ausfallen musste. Die Tests zu Autokindersitzen aktualisiert die Stiftung Warentest regelmäßig.

Mehr Fett in „Biohack­fleisch Bio+“

Auch das abge­packte gemischte Biohack­fleisch Bio+ hielt der Nachprüfung nicht stand. Das Produkt, das etwa in den Regalen von Kaufland und Real steht, hatte 2016 eine andere Zusammensetzung als im ersten Test 2015. Der Fettgehalt war deutlich höher, was ein Zeichen für eine schlechtere Fleisch­qualität ist. In zwei von drei Proben fanden die Prüfenden knapp doppelt so viel Fett wie ursprünglich.

Veränderte Inhaltsstoffliste in BB-Creme „Olaz Total Effects 7 in one“

Die BB-Creme „Olaz Total Effects 7 in one“ erhielt im Test der Stiftung Warentest die Gesamt­note Gut (2,1). Eine Überprüfung der Creme ergab dann jedoch, dass die Verpackung in Darstellung, Kontrast und Schrift­größe verändert worden war. Darüber hinaus war die Inhaltsstoffliste anders. Da in einem erneuten Test Deklarations- und Gesamt­urteil anders ausfallen könnten, büßte sie das Siegel ein.

Schlechtere Bildqualität bei Fernseher „Technisat TechniPlus 55 ISIO“

Im Jahr 2013 testete Stiftung Warentest Fernseher. Darunter auch der „Technisat Techniplus 55 Isio“, der daraufhin das Siegel erhielt. Bei einer Nachprüfung 2015 jedoch stellten die Tester:innen fest, dass sich die Bild­qualität verschlechtert hatte. Insbesondere bei der Farb­wieder­gabe zeigten sich Abweichungen. Das einge­baute Display entsprach nicht mehr dem ursprüng­lich geprüften und verlor daher das Siegel.

Verwendete Quellen:
– Stiftung Warentest