Der aktuelle Stand zur Amokfahrt in Trier – Tatverdächtiger spricht mit Polizei

Der dringend Tatverdächtige hat nach seiner Fahrt in der Innenstadt von Trier, die fünf Menschenleben und weitere Verletzte forderte, laut Polizei ausgesagt. Das ist der aktuelle Stand:

Menschen haben an der Porta Nigra Kerzen angezündet. Am Dienstag war ein Mann mit einem Auto durch die Fußgängerzone von Trier gefahren und hatte dabei Menschen verletzt und getötet. Foto: dpa-Bildfunk/Oliver Dietze
Menschen haben an der Porta Nigra Kerzen angezündet. Am Dienstag war ein Mann mit einem Auto durch die Fußgängerzone von Trier gefahren und hatte dabei Menschen verletzt und getötet. Foto: dpa-Bildfunk/Oliver Dietze

Tatverdächtiger spricht mit Polizei

Zum mutmaßlichen Amokfahrer von Trier teilte ein Sprecher der Polizei am heutigen Mittwochmorgen (2. Dezember 2020) mit: „Er spricht mit uns„. Allerdings könne man zu den Inhalten der Aussage bislang keine Angaben machen.

Vorführung beim Haftrichter

Am Vormittag soll der 51-jährige Tatverdächtige einem Haftrichter vorgeführt werden, so die Polizei. Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung des Mannes. Daher muss die Behörde noch entscheiden, ob sie die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung oder Untersuchungshaft beantragt.

UPDATE: Inzwischen wurde Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Amokfahrer erlassen. Mehr Informationen unter: „Haftbefehl gegen mutmaßlichen Amokfahrer von Trier erlassen“.

Haftbefehl erlassen

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Trier wurde mittlerweile ein Haftbefehl wegen Mordes in fünf Fällen sowie des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung in 18 weiteren Fällen erlassen. „Der Beschuldigte wurde nach Erlass des Haftbefehls in eine Justizvollzugsanstalt verbracht“, so die Staatsanwaltschaft.

Der Vorwurf im Wortlaut: „Der Beschuldigte ist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft dringend verdächtigt, am frühem Nachmittag des 1. Dezember 2020 mit einem Pkw der Marke ‚Land Rover‘ in der Absicht, so viele Menschen wie möglich zu töten oder zumindest zu verletzen, in der Fußgängerzone in Trier mit hoher Geschwindigkeit wahllos und gezielt auf Passanten zugefahren zu sein, die arglos in der Innenstadt unterwegs waren, und diese überfahren zu haben.“

Fünf tote Personen

Der Mann hatte am gestrigen Dienstagnachmittag mit einem PS-starken Geländewagen gezielt Menschen in der Trierer Fußgängerzone überfahren. Fünf Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby. Auch der Vater (45) des Mädchens kam ums Leben, so „dpa“. Weitere 18 Personen wurden verletzt, sechs davon schwer. Rund vier Minuten nach dem ersten Notruf konnten Polizist:innen den Autofahrer festnehmen.

Weitere Hintergründe

Von der Staatsanwaltschaft Trier wird die Tat des 51-Jährigen aus dem Kreis Trier-Saarburg als mehrfacher Mord, Mordversuch und gefährliche Körperverletzung eingestuft. Polizeiangaben zufolge liegen nach aktuellem Ermittlungsstand keine Hinweise auf politische oder religiöse Motive des in Trier geborenen Mannes vor.

Einen weiteren Tatort oder Hinweise auf Mittäter:innen beziehungsweise Kompliz:innen des Festgenommenen gebe es nach Angaben der Polizei ebenso nicht. Der Verdächtige ist Deutscher, er war zur Tatzeit betrunken, bei ihm wurden 1,4 Promille festgestellt.

Kein Bekennerschreiben

Bisher ist nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD) kein Bekennerschreiben des Amokfahrers von Trier gefunden worden. Bei der Aufklärung komme es nun auf die Vernehmungen und die Bereitschaft des Tatverdächtigen an, seine Motive offenzulegen, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch im Deutschlandfunk. Vielleicht mache der 51-Jährige Angaben. „Wir hoffen es.“

Frage nach Motiv

„Nach wie vor ist das Motiv für die Tat noch nicht ergründet„, so die Staatsanwaltschaft. In den Vernehmungen habe der Beschuldigte „wechselnde und in Teilen nicht nachvollziehbare Angaben, aus den sich bisher weder ein nachvollziehbares Motiv für die Tat noch Einzelheiten zum Tathergang herleiten lassen“, gemacht. In den nächsten Tagen soll die Vernehmung fortgesetzt werden.

Über 750 Einsatzkräfte

Insgesamt waren mehr als 750 Einsatzkräfte von Polizei sowie Hilfs- und Rettungsdiensten aus der Region im Einsatz. Vorbildlich war laut Polizei zudem „das Verhalten vieler Passanten, die sich der Verletzten bis zum Eintreffen der Rettungsdienste bereits angenommen hatten und Erste Hilfe leisteten“.

Testzentrum wegen Vorfall geschlossen

Wie der „SWR“ am heutigen Morgen berichtet, bleibt das Trierer Corona-Testzentrum aufgrund des Vorfalls geschlossen. Der Grund: Viele Rettungskräfte waren im Zusammenhang mit Tat im Einsatz und müssten das Geschehen erst einmal verarbeiten.

Gedenkveranstaltung in Trier

Am heutigen Mittwoch demonstrieren viele hundert Menschen bei einer Gedenkveranstaltung Solidarität in Trier. Die Polizei begleitet die Veranstaltung an der Porta Nigra. Im Anschluss daran sollen laut „dpa“ auch die Kirchenglocken läuten. 13.46 Uhr war der Zeitpunkt, an dem die Amokfahrt begann. Am Abend zuvor fand zudem ein ökumenisches Gebet für die betroffenen Personen der Amokfahrt statt. 

Laut „SWR“ sind die Absperrungen von großen Bereichen der Innenstadt mittlerweile wieder aufgehoben. Die Spuren in der Fußgängerzone seien bis zum späten Dienstagabend gesichert worden.

MP Hans: „Tat geht mitten ins Herz“

Aus dem Saarland hat sich unter anderem Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) zu Wort gemeldet. Laut „dpa“ reagierte der Politiker bestürzt auf den tödlichen Vorfall in Trier. „Eine solche Tat geht uns allen mitten ins Herz, denn solch sinnlose Gewalt kann jeden treffen“, sagte er.

Steinmeier bekundet Mitgefühl

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat „dpa“ zufolge den Familien und Freunden der Opfer der Amokfahrt von Trier sein Mitgefühl bekundet. Er sprach am Mittwoch von einer „entsetzlichen Gewalttat“. Den vielen Verletzten wünsche er vollständige Genesung. „Meine Gedanken sind bei ihnen“, so Steinmeier.

Bitte der Polizei

Die Polizei in Trier bat die Menschen, Fotos und Videos nicht in den Sozialen Medien zu teilen, sondern in einem dafür eingerichteten Hinweisportal hochzuladen.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur
– eigene Berichte
– swr.de
– Polizei Trier auf Twitter
– volksfreund.de
– Mitteilung des Polizeipräsidiums Trier, 02.12.2020