Günther Jauch: SPD-Politiker durfte Themen für ZDF-Show bestimmen

Günther Jauch gab vor kurzem ein sehr umfangreiches Interview auf dem Offenen Kanal Bitburg. Das ausführliche, fast zweistündige Gespräch ist inzwischen nicht mehr verfügbar, hat aber bereits Wellen geschlagen. Darin berichtet er von sehr negativen Erfahrungen mit dem ZDF. Auch erklärt er, wieso er die Moderation vom ZDF Jahresrückblick auf Eis gelegt hatte und auch wieso er nicht das „heute journal“ moderierte – oder nicht moderieren konnte.
Günther Jauch moderiert eine Talkrunde. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Günther Jauch moderiert eine Talkrunde. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Günther Jauch ist ein Urgestein des deutschen Fernsehen. Seit 1999 moderiert er die Sendung „Wer wird Millionär?“, unzählige weitere Projekte kamen dazu. Angefangen hatte der Saar-Winzer seine Medien-Karriere aber bei den Öffentlich-Rechtlichen. Die Zusammenarbeit scheiterte aber nach wenigen Jahren an politischer Einflussnahme im ZDF, wie Jauch Ende April in einem ausführlichen Interview berichtete.

Bei dem ZDF-Jahresrückblick „Menschen“ scheint der Einfluss der Politik spürbar gewesen zu sein. Bereits zu Beginn der Veranstaltung fiel Jauch die ungewöhnliche Zusammensetzung des Publikums in der Rheingoldhalle Mainz auf. Er kritisierte scharf, dass die ersten zehn Reihen mit Rundfunkräten, deren Ehepartnern, Begünstigten von Freikarten, gelangweilten Redakteuren, Hierarchen und anderen Personen besetzt waren. Diese Situation empfand er als äußerst beunruhigend und unpassend für eine öffentlich-rechtliche Sendung.

Konflikt hinter den Kulissen

Doch es blieb nicht nur bei dieser Kritik. Es habe auch Unstimmigkeiten hinter den Kulissen gegeben, die auf politische Einflussnahme hindeuten. Insbesondere der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck von der SPD soll mit der geringeren Sichtbarkeit seiner Person während der dreistündigen Sendung unzufrieden gewesen sein. Er soll wohl seltener im Bild gezeigt worden sein als der Oppositionsführer Johannes Gerster von der CDU, der inzwischen verstorben ist. Laut Jauch sollte dies „ein Nachspiel“ haben. Günther Jauch äußerte sich dazu, dass diese Probleme hinter den Kulissen zu ernsthaften Schwierigkeiten geführt hätten, die sich auch auf das Programm des ZDF ausgewirkt hätten.

SPD-Ministerpräsident durfte Themen bestimmen

Günther Jauch berichtet von einem Deal, der Kurz Beck Themen für die „heute-Sendung“ aussuchen ließ. „Tatsächlich fand ein Deal statt danach zwischen dem Intendanten des ZDF und Kurt Beck, dass er sich drei Themen für die ‚Heute-Sendung‘ aussuchen durfte, um da wieder entsprechend einen Ausgleich zu bekommen“, so Jauch. Für ihn sei diese Entscheidung „unfassbar“ gewesen, folglich wollte er die Moderation im Folgejahr nicht mehr übernehmen.

Absage aus politischen Gründen?

Der Moderator enthüllte auch, dass seine Karriere ohne politische Einflussnahme auf das ZDF einen ganz anderen Verlauf genommen hätte. In dem Interview offenbarte Jauch, dass er ein frühes Angebot erhalten habe, den Posten als zweiter Mann im renommierten „Heute Journal“ anzunehmen. Für ihn wäre es „das Größte“ gewesen.

Jauch zufolge fand sogar ein Vorstellungsgespräch für diese Position statt. Doch nach seinen Angaben hatte die CSU, eine politische Partei, ihre Bedenken gegen seine Einstellung. Als ehemaliger Moderator des Bayerischen Rundfunks hätte er eigentlich gute Chancen gehabt. Dennoch sei die CSU skeptisch gewesen, da er als unabhängig und nicht mit der Partei verbunden galt. Jauch zufolge erhielt er daraufhin eine Absage mit der Begründung, dass er als „nicht zuverlässig genug“ angesehen werde. Die Moderation des „Heute Journals“ wurde schließlich an den Journalisten Sigmund Gottlieb vergeben, der als CSU-nah galt.

Diese Entscheidung hatte gravierende Auswirkungen auf Jauchs Karriereverlauf. Er erkannte, dass er an eine unsichtbare Grenze stieß und immer in den hinteren Reihen bleiben müsste, wenn er sich nicht verbiegen wollte. Für ihn stand fest, dass er den Umweg über die Unterhaltungsbranche nehmen würde, wo es zumindest lustig sei.

Interview-Ausschnitt „Massengeschmack-TV“, Bild.de