Warnung vor „Asbest-Welle“ in Trier: Gewerkschaft schlägt Alarm

Asbesthaltige Materialien wurden alleine in Trier in Tausenden Häusern verbaut. Wenn diese Gebäude in den nächsten Jahren saniert werden, droht eine regelrechte "Asbest-Welle", warnt die IG BAU.
Ein Schild mit der Aufschrift "Achtung Asbestfasern" hängt an einem Bauzaun. Symbolfoto: Stefan Sauer/dpa
Ein Schild mit der Aufschrift "Achtung Asbestfasern" hängt an einem Bauzaun. Symbolfoto: Stefan Sauer/dpa

Die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) warnt vor einer „Asbest-Welle“ in Trier, weil in Altbauten tonnenweise Materialien mit dem krebserregenden Stoff verbaut seien. Nach Angaben der Bezirksvorsitzenden der IG BAU Saar-Trier, Ute Langenbahn, wurden Asbest-Baustoffe in den Jahren 1950 bis 1989 intensiv verwendet. Es sei davon auszugehen, dass nahezu jedes Gebäude, das in dieser Zeit errichtet, modernisiert oder umgebaut wurde, Asbest enthalte.

Tausende Gebäude mit Asbestbaustoffen errichtet

Langenbahn sprach von „Asbest-Fallen“: In den vier Jahrzehnten seien in Trier rund 10.700 Wohnhäuser mit 32.400 Wohnungen neu gebaut worden. Das seien knapp 52 Prozent aller heute dort vorhandenen Wohngebäude. „Dazu kommen noch Gewerbegebäude, Garagen, Ställe und Scheunen in der Landwirtschaft.“

Bewohner müssen sich vorerst keine Sorgen machen

Wer in einem asbestbelastenden Haus wohne, müsse sich aber erstmal keine Sorgen machen. „Eine unmittelbare Gefährdung für die Gesundheit gibt es nicht“, so die IG BAU. Erst bei Sanierungsarbeiten könne es kritisch werden, wenn Asbest freigesetzt werde. Langenbahn sprach von einer „unsichtbaren Gefahr“, wenn aus Altbauten Baustellen werden. „Alles fängt mit Baustaub und dem Einatmen von Asbestfasern an. Bauarbeiter und Heimwerker haben kaum eine Chance, diese Gefahr zu erkennen.“ Bis zur Diagnose können bis zu 30 Jahre vergehen: Asbestose mit Lungen-, Bauchfell- oder Kehlkopfkrebs.

Wann Asbest zur Gefahr werden kann

Besonders problematisch seien die bevorstehenden energetische Gebäudesanierungen, die zu einer vermehrten Exposition gegenüber dem krebserregenden Stoff und zu einer „Asbest-Welle“ führen könnten. Die Gewerkschaft fordert daher ein Maßnahmenpaket, darunter eine bundesweite „Asbest-Charta“, die mehr Schutz vor Asbest vorsieht. Die Charta enthält Forderungen nach besserer Information über die Gefahren, Förderung von Sanierungen und konsequentem Arbeitsschutz.

IG BAU fordert Sanierungsprämie

Langenbahn betonte die Notwendigkeit eines Schadstoff-Gebäudepasses, der unterschiedliche Gefahrenstufen für die Belastung eines Gebäudes ausweist. Außerdem fordert die IG BAU Saar-Trier eine staatliche Sanierungsprämie durch ein KfW-Förderprogramm „Asbest-Sanierung“ und eine intensive Aufklärungskampagne für Bauarbeiter und Heimwerker.

320 Arbeiter an asbestbedingten Erkrankungen gestorben

Zahlen des Pestel-Instituts verdeutlichen die Dimension der Asbestgefahr: Zwischen 1950 und 1990 wurden bundesweit etwa 4,35 Millionen Tonnen Asbest importiert, aus denen rund 3.500 Produkte hergestellt wurden, vor allem für den Bau. Insgesamt seien rund 44 Millionen Tonnen asbestbelastetes Baumaterial bundesweit im Gebäudebestand vorhanden. In den vergangenen zehn Jahren sind 3.376 Versicherte der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft an den Folgen asbestbedingter Berufserkrankungen gestorben, darunter 320 Baubeschäftigte allein im vergangenen Jahr.

Verwendete Quellen:
– Mitteilung der IG BAU, Bezirksverband Saar-Trier, 13.11.2023