Deutschlandweiter Missbrauchs-Skandal: Spur führt auch ins Saarland – Zusammenhang zu Fall Lügde?

Der Komplex Bergisch Gladbach könnte sich zu einem der größten Missbrauchs-Skandale der jüngeren deutschen Geschichte entwickeln. Die Polizei ermittelt gegen mehr als 40 Verdächtige, von denen einer auch im Saarland wohnt. Jetzt wurde bekannt: Es gibt möglicherweise Verbindungen zum Missbrauchs-Fall vom Campingplatz in Lügde.
Die Polizei ermittelt gegen 42 Tatverdächtige aus elf Bundesländern. Foto: Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa-Bildfunk
Die Polizei ermittelt gegen 42 Tatverdächtige aus elf Bundesländern. Foto: Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa-Bildfunk
Die Polizei ermittelt gegen 42 Tatverdächtige aus elf Bundesländern. Foto: Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa-Bildfunk
Die Polizei ermittelt gegen 42 Tatverdächtige aus elf Bundesländern. Foto: Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa-Bildfunk

Die Ermittler im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach sind auf eine Querverbindung zum Fall Lügde/Nordrhein-Westfalen gestoßen: Wie Sicherheitskreise der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigten, prüfen die Behörden bereits seit längerem Verbindungen zwischen Verwandten des mutmaßlichen Täters von Bergisch Gladbach/Nordrhein-Westfalen und dem Campingplatz in Lügde/Nordrhein-Westfalen. Aus Sicht der Ermittler könnte es sich auch um einen Zufall handeln.

84-Jähriger will Lügde-Täter nicht kennen

Wie zuvor „Kölner Stadt-Anzeiger“, „WDR“ und „RTL“ berichteten, hatte der Großvater des mutmaßlichen Haupttäters in den 80er und 90er Jahren einen Stellplatz in Lügde. Der heute 84-Jährige sei selbst wegen Missbrauchs verurteilt worden. Er bestreite, die Täter von Lügde persönlich kennengelernt zu haben, so der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Zusammenhang nicht ausgeschlossen

Wie die dpa erfuhr, kennt die Ermittlungskommission „Berg“ den Zusammenhang schon seit geraumer Zeit – ein abschließendes Ergebnis gibt es aber noch nicht. Einiges spreche für Zufall. Noch sei aber nicht komplett ausgeschlossen, dass die Fälle verbunden sind.

Im Fall Lügde geht es um jahrelangen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in der Stadt im Kreis Lippe. In einem weiteren Fall stießen Ermittler ausgehend von Bergisch Gladbach auf zahlreiche Verdächtige, die Kinder missbraucht und Bilder davon bundesweit getauscht haben sollen.

Verdächtige leben in elf Bundesländern

Wie die Staatsanwaltschaft Köln mitteilte, hat die Polizei im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach nun auch einen in Österreich lebenden Beschuldigten ermittelt. Nach Angaben der Kölner Polizei gibt es in der Sache allein in Nordrhein-Westfalen derzeit 21 Beschuldigte, von denen acht in Haft sind.

Mutmaßliche Tatorte sind Bergisch Gladbach, Viersen, Krefeld, Dortmund, Aachen, Alsdorf, Kamp-Lintfort und Duisburg. Zudem hat die Polizei Köln 21 Hinweise auf Straftaten in zehn andere Bundesländer weitergeleitet. Dabei handelt es sich um Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und das Saarland.

Spur führt auch ins Saarland

Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken auf SOL.DE-Anfrage zunächst nur wenige Angaben zum Verdächtigen aus dem Saarland machen. Die Person stehe laut Staatsanwalt Dennis Zahedi im Verdacht, kinder- und jugendpornografische Medien verbreitet zu haben. Im Fall einer Verurteilung ist hier eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren möglich.

Das Saarland selbst sei im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach kein Schauplatz eines Missbrauchs gewesen: Hier sei in diesem Fall kein Kind oder Jugendlicher missbraucht worden, so Zahedi zu SOL.DE.

Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Darum geht es

Die Polizei ermittelt gegen Personen, die in einem Chat Bilder und Videos von missbrauchten Kindern ausgetauscht haben sollen. Die Opfer seien zum Teil noch nicht mal ein Jahr alt gewesen, berichtet „RTL“.

Auf der Online-Plattform konnten die Nutzer ihre persönlichen Kontaktdaten angeben und sexuelle Präferenzen hinterlegen. So seien Kontakte zu anderen Pädophilen hergestellt worden. Dann habe untereinander kinderpornografisches Material ausgetauscht werden können. Die Personen haben sich laut den Ermittlungen möglicherweise auch zum sexuellen Missbrauch von Kindern verabredet.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur
– RTL
– eigene Recherche