Diesel- und Benzinpreise: Warum der Sprit aktuell so teuer ist

Die Preise für Benzin und Diesel steigen in Deutschland bereits seit Monaten an. Aber woher kommt das? Und wie viel Geld geht an den Staat? Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Sprit:

An einzelnen Tankstellen könnten die Spritpreise sogar über zwei Euro steigen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa-Bildfunk

An den deutschen Tankstellen kostet Diesel aktuell so viel wie noch nie, auch Superbenzin nähert sich seinem Allzeit-Höchstpreis. Aber wie kommen die Preise zustande?

Warum wird der Sprit derzeit immer teurer?

Ursache für die Preissteigerungen ist vor allem der steigende Erdölpreis. Dieser hat sich innerhalb eines Jahres in etwa verdoppelt. Am Montag erreicht er demnach mehrjährige Höchstwerte. Die Sorte Brent, die in Europa wichtig ist, liegt derzeit bei 86 Dollar pro Barrel (159 Liter). Der Anstieg lässt sich auf die weltweite wirtschaftliche Erholung nach Corona zurückführen. Zudem wächst seit einigen Wochen die Sorge vor einem Angebotsdefizit. Im Herbst zieht zudem auch die Nachfrage nach dem sehr ähnlichen Heizöl an.

Wie setzen sich die Benzinpreise zusammen?

Steuern und Abgaben machen einen großen Teil des Spritpreises aus. So beträgt die Energie- beziehungsweise Mineralölsteuer 65,45 Cent pro Liter. Bei Diesel sind es 47,07 Cent. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer, die auf dem aktuellen Preisniveau knapp 27 Cent bei Super E10 und rund 25 Cent bei Diesel ausmacht.

Darüber hinaus sorgt der C02-Preis, der seit Jahresbeginn anfällt, für zusätzliche Kosten. Je nach Biospritanteil sind das gut 5 Cent bei Super E10 und 6 Cent bei Diesel – ohne Mehrwertsteuer. Der Restpreis setzt sich aus Kosten für Rohöl, Weiterverarbeitung, Transport, Tankstellen sowie Gewinn der Mineralölwirtschaft zusammen. Laut dieser seien ihre Margen jedoch nicht gestiegen.

Warum ist Diesel billiger als Benzin?

Für den Preisunterschied zwischen Diesel und Benzin ist die Mineralöl- bzw. Energiesteuer verantwortlich. Inklusive Mehrwertsteuer macht das in der Theorie knapp 22 Cent aus. Da im Großhandel die Preise aber je nach Nachfrage schwanken, weicht der Preisunterschied an der Tankstelle davon jedoch teilweise deutlich ab.

Kostet Benzin bald zwei Euro?

Solange es keine zusätzlichen Preistreiber über den Ölpreis hinaus gibt, ist eine derartige Preissteigerung eher unwahrscheinlich. Wenn der Wechselkurs des Dollars konstant bleibt, müsste der Ölpreis weit über 100 Dollar steigen, um einen durchschnittlichen E10-Preis von 10 Euro nach sich zu ziehen, so ADAC-Experte Jürgen Albrecht. Allerdings habe die Vereinigung Opec+ kaum Interesse daran, die Preise weiter steigen zu lassen. Zudem würde damit die (höchst umstrittene) Fördermethode Fracking attraktiver, was die Preise durch ein steigendes Angebot zusätzlich bremsen würde.

Es sei jedoch, so Albrecht, nicht ausgeschlossen, dass an einzelnen Tankstellen zu gewissen Zeiten zwei Euro pro Liter Super verlangt werden. Zum einen gibt es über das vom ADAC beobachtete E10 hinaus teurere Sorten. Zum anderen schwanken die Spritpreise je nach Uhrzeit, Region und Tankstelle deutlich. Am günstigsten tankt es sich üblicherweise abends, am teuersten im morgendlichen Berufsverkehr.

Verwendete Quellen: 
– Deutsche Presseagentur