Schwere Vorwürfe gegen Ford-Leitung: Betriebsrat macht auf „Ausnutzen der Sozialkassen“ aufmerksam und lehnt Kurzarbeit ab

Der Betriebsrat von Ford in Saarlouis hat den Antrag der Geschäftsleitung auf Kurzarbeit für den Monat Juli abgelehnt. Betriebsratsvorsitzender Markus Thal erhebt unterdessen schwere Vorwürfe gegen die Unternehmensleitung des Automobilherstellers:
Das Tischtuch zwischen der Ford-Unternehmensleitung und der Saarlouiser Belegschaft ist aktuell zerschnitten. Symbolfoto: picture alliance/dpa | Oliver Dietze
Das Tischtuch zwischen der Ford-Unternehmensleitung und der Saarlouiser Belegschaft ist aktuell zerschnitten. Symbolfoto: picture alliance/dpa | Oliver Dietze

Das Tischtuch zwischen der Ford-Unternehmensleitung und der Belegschaft in Saarlouis scheint nachhaltig zerschnitten zu sein. Eine Woche nach der folgenreichen Entscheidung gegen den Standort im Saarland sind die Enttäuschung und die Wut bei den Angestellten des Automobilherstellers immer noch gewaltig.

Kreuze am Ford-Werk Saarlouis aufgestellt

So fand am Nachmittag eine Protestaktion der Saarlouiser Ford-Belegschaft statt. Dabei stellten die Mitarbeiter:innen über 200 Kreuze mit Worten beziehungsweise Werten wie „Anstand“, „Gerechtigkeit“ oder „Vertrauen“ unter dem Ford-Logo am Saarlouiser Werk auf. Über 800 Angestellte trauerten so um den Anstand der Geschäftsführung und beerdigten die Firmenwerte des Automobilherstellers. Es wurden Kränze niedergelegt und Kerzen angezündet. Zudem trugen sich die Mitarbeiter:innen in ein Kondolenzbuch ein.

Saarlouiser Betriebsrat lehnt Kurzarbeit für Juli ab

Ebenfalls am Nachmittag lehnte der Betriebsrat von Ford in Saarlouis auch den Antrag der Geschäftsleitung auf Kurzarbeit für den Monat Juli ab. Bei seiner Begründung erhob der Betriebsrat schwere Vorwürfe gegen die Ford-Unternehmensleitung. „Unabhängig davon, dass die eingereichten Unterlagen für den Betriebsrat unvollständig erscheinen und nicht aussagekräftig sind, scheint die Aufteilung an verfügbaren Halbleitern in den europäischen Werken von Ford nicht gleichmäßig zu sein“, kritisierte der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal die Geschäftsführung in einer internen Information an die Beschäftigten, die SOL.DE vorliegt.

Schwere Vorwürfe gegen Ford-Unternehmensleitung

Der Verdacht werde dadurch noch verstärkt, dass es Hinweise gebe, dass Ford seinen Händler:innen empfehle, den Fokus beim Verkauf vor allem auf die im Ausland produzierten Modelle „Puma“ und „Kuga“ zu richten. „Meines Erachtens ist das eine mehr oder weniger absichtliche Produktion von Kurzarbeit“, warf Thal dem Unternehmen vor. Demnach scheine es laut dem Betriebsrat so, als ob Ford seine margenstarken Fahrzeuge in anderen Produktionsstätten bevorzuge und für diese Ungleichverteilung die deutschen Sozialkassen ausnutze. Laut Thal müsse die Politik und die Bundesagentur für Arbeit „dringend dieses Vorgehen prüfen und genauestens hinterfragen“.

Ford schweigt zu den Vorwürfen des Saarlouiser Betriebsrats

Ford selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Eine Sprecherin der Ford-Werke in Köln teilte auf Anfrage mit, dass man sich „zu Kommunikationen des Betriebsrates“ nicht äußern werde. Sollten die Vorwürfe des Betriebsrats stimmen, so bleibt es allerdings fraglich, ob die Schwelle zu einem strafbaren Subventionsbetrug überhaupt überschritten wäre. „Ein Geschmäckle“ hätte eine solche Vorgehensweise aber natürlich trotzdem.

Verwendete Quellen:
– eigene Recherche
– Deutsche Presse-Agentur