Warum die Inzidenzen im Saarland gestiegen sind

Die Inzidenzwerte der Corona-Neuinfektionen liegen im gesamten Saarland heute über denen des Vortags. Das ist wohl nicht auf ein größeres Infektionsgeschehen zurückzuführen, sondern vielmehr auf einen Feiertagseffekt.

Für viele Saarländer:innen gehört der Blick auf die Corona-Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur morgendlichen Routine. Am heutigen Samstag (22. Mai 2021) dürfte das bei manchen für keine gute Laune gesorgt haben: In allen Kommunalverbänden liegen die Sieben-Tage-Inzidenzen über denen des Vortags. Besonders den Menschen im Landkreis Saarlouis könnten die neuen Daten bitter aufstoßen: Schon wieder liegt die Inzidenz dort über 100, eine Rückkehr zum Saarland-Modell und den damit einhergehenden umfangreichen Lockerungen ist so frühestens übernächste Woche möglich.

Müssen sich die Saarländer:innen wegen der gestiegenen Inzidenzen jetzt bald wieder auf verschärfte Vorschriften einstellen? Warum das erstmal unwahrscheinlich ist, erklären wir hier.

Niedrige Himmelfahrts-Zahlen hallen nach

Die Inzidenz zeigt den Wert aller Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen gerechnet auf 100.000 Einwohner:innen an. Die Saarland-Werte vom heutigen Samstag beziehen sich auf gestern (Freitag) bis Samstag vergangener Woche. Damit fällt der Freitag vergangener Woche aus den Berechnungen heraus. An diesem Tag hatte das RKI sehr niedrige Neuinfektionen gemeldet, beispielsweise für den Regionalverband 9, für Saarlouis 14 und für St. Wendel und Neunkirchen sogar 0. Die niedrigen Daten sind auf den Tag davor zurückzuführen. An Christi Himmelfahrt wurde weniger getestet und auch weniger gemeldet.

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Inzidenzen in den vergangenen Tagen wohl zu niedrig

Diese niedrigen Werte sind in der Berechnung der Inzidenz vom heutigen Samstag allerdings nicht mehr drin. Dadurch hat es den Anschein, als gebe es wieder ein größeres Infektionsgeschehen. Doch darauf lässt es sich eher nicht zurückführen. Vielmehr kehrt sich der positive Effekt, den der Feiertag und die niedrigen Meldewerte auf die Daten hatten, heute in einen negativen um. Die Inzidenzen in den vergangenen Tagen waren wegen ebendieses Effekts wohl insgesamt tendenziell zu niedrig, weil immer die niedrigen Werte des Freitags einberechnet waren.

Effekt im Saarland mit am stärksten

Update: Bleibt die Frage, warum die Inzidenz im Saarland am Samstag im Vergleich zu den anderen Bundesländern so stark gestiegen ist. Gibt es den Feiertagseffekt in den anderen Ländern etwa nicht? Ein Blick auf die Daten zeigt: Der Effekt war hierzulande deutlich stärker als in den meisten anderen Bundesländern. Während am Tag nach Christi Himmelfahrt im Saarland lediglich rund 29 Prozent der durchschnittlichen Tages-Neuinfektionen erreicht wurden, lagen die Werte in fast allen anderen Ländern deutlich höher (im Mittelwert 61 Prozent). Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern war der Feiertagseffekt größer (27 Prozent). In Berlin kann man sogar nicht von einem Feiertagseffekt sprechen. Am Tag nach Christi Himmelfahrt wurden hier mehr Fälle gemeldet als im Schnitt der sieben Tage davor.

Wie geht es weiter?

Zahlen, die das aktuelle Infektionsgeschehen exakt wiedergeben und komplett von einem Feiertagseffekt bereinigt sind, wird es wohl auch in den kommenden Tagen nicht geben. Schließlich stehen Pfingstsonntag und -montag an. Dann dürften erneut wenige Neuinfektionen gemeldet werden. Dadurch werden die Inzidenzen aller Voraussicht nach wieder fallen.

Verwendete Quellen:
Robert-Koch-Institut
– eigene Recherche
– eigene Berichte