„Mythos Paris“: Das erwartet euch bei der Ausstellung im Saarland Museum in Saarbrücken

Das Saarland Museum widmet dem "Mythos Paris" eine eigene Ausstellung. Wo könnte die besser funktionieren als in Saarbrücken? Wir haben uns angeschaut, was es mit dem Mythos auf sich hat - und ob sich der Besuch lohnt.
Mythos Paris: Das Bild, das sofort die Blicke auf sich zieht im Saarland Museum - “Der Kuss vor dem Hôtel de Ville von 1950”. Foto: Christine Funk
Mythos Paris: Das Bild, das sofort die Blicke auf sich zieht im Saarland Museum - “Der Kuss vor dem Hôtel de Ville von 1950”. Foto: Christine Funk

Zum Frühstück nach Paris

Diese Stadt wird als Joker gezogen, wenn es darum geht, für die Vorzüge unseres kleinen Saarlands zu werben. Paris! Mit dem schnellen ICE liegen Seine und Eiffelturm fast in Sichtweite des St. Johanner Markts. Paris ist Mythos, Sehnsuchtsort. Zum Frühstück nach Paris ist ein Alltagstraum, den sich so mancher im Saarland schon erfüllt hat. Ein Croissant und ein Café, einen Blick auf den Tour Eiffel erhaschen – und glücklich wieder nach Hause.

Wo sonst könnte eine Ausstellung zum “Mythos Paris” besser funktionieren als in Saarbrücken? Das Saarland Museum weiß um diese Liebe und widmet der Seine-Metropole in der Modernen Galerie eine große Ausstellung: “Mythos Paris” heißt sie. Sie präsentiert die Stadt und das Leben in Fotografien von 1860 bis 1960. Also die Jahre, in denen sich der Mythos und die Bewunderung für Paris in die Herzen eingepflanzt hat.

Bewunderung für die Stadt an der Seine

Misst man die Bewunderung für die Stadt der Liebe an der Zahl der Besucher:innen, muss sie groß sein: Der Vorraum zur Ausstellungsfläche war bei der Eröffnungs-Vernissage am Freitagabend brechend voll. Nur in mehreren Schichten konnten die Premierengäste in den großen Ausstellungssaal. Weiterer Messgrad für die Liebe zu dieser Stadt: Das Saarland Museum hatte in den Wochen davor dazu aufgerufen, eigene Paris-Fotos einzusenden. Fast 400 kramten in ihren Bilder-Erinnerungen. Auf jeden Fall reizvoll: Auf zwei Videoscreens gleich am Eingang der Ausstellung laufen Schnappschüsse und Fotos von vielen Saarländerinnen und Saarländern nun auf Augenhöhe mit den großen Paris-Fotografen des letzten Jahrhunderts.

So ist die Ausstellung „Mythos Paris“ gestaltet

Die Ausstellung ist schön gestaltet. Roland Augustin, Leiter der fotografischen Sammlung des Saarland Museums, hat den Raum in vier Teilsäle unterteilt. Die Wände sind in ein erhabenes, sehr dunkles Lila getaucht. Darauf hängen rund 200 Schwarz-Weiß-Fotografien und heben sich sehr schön davon ab. In der Mitte jeder Wand ein quadratisches Fenster, das interessante Perspektiven schafft.

Wie der Sehnsuchtsort Paris entstanden ist

Sehnsuchtsort Paris. Menschen aus der ganzen Welt blickten Anfang des letzten Jahrhunderts auf die Stadt. Hier lag immer etwas Revolution in der Luft. Mehr Freiheit, eine kräftige Prise Erotik – und Verruchtheit. Zum Mythos der Stadt hat ein Bild besonders beigetragen: “Der Kuss vor dem Hôtel de Ville von 1950”. Fotograf Robert Doisneau hat es 1950 aufgenommen. Es zeigt ein sich innig küssendes Paar in der Menge. Passanten gehen ungerührt vorüber.

Im prüden Amerika widmete das “Life Magazin” im gleichen Jahr diesem Doisneau-Bild und  weiteren eine große Geschichte und schrieb: „In Paris küssen sich junge Liebende, wo immer sie wollen – und es scheint niemanden zu interessieren.“

So entsteht der Mythos einer Stadt: Stadt der Liebe. Lichterstadt. Die Schöne an der Seine. Kein Wunder, dass das sich küssende Paar riesig und überlebensgroß die Ausstellung in Saarbrücken prägt und sofort die Blicke auf sich zieht.

Kleine Bildformate: Der Mythos von Paris will entdeckt werden

Ansonsten sind es eher kleine Bildformate, die das Mosaik des “Mythos Paris” in den Köpfen der Besucherinnen und Besucher entstehen lassen. Viele davon sind Leihgaben des Centre Pompidou in Paris, oder der Bibliothèque nationale de France. Eine Besucherin bemerkt auch: “Schade, dass viele Fotos so klein sein”. In Zeiten großformatiger, bildgewaltiger Ausstellungen bricht die Moderne Galerie hier mit aktuellen Sehgewohnheiten. Aber der Mythos von Paris will ja auch entdeckt werden.

Der Bauch von Paris: Stadt und Menschen haben Hunger auf das Leben

Mit am stärksten – aber das ist sicher subjektiv – sind die Bilder von Romain Urhausen (1930 – 2021) aus den Pariser Hallen, dem Bauch von Paris aus den 1960er Jahren. Damals noch oberirdischer Handelsplatz am Rande des Marais für Fleisch, Gemüse und Fisch. Die Fotos zeigen lustvoll Tierhälften, Fleisch, Gemüse- und Radieschenberge. Dazwischen lebensfrohe Szenen in Pariser Lokalen und Amüsierkneipen. Paris hatte Hunger auf das Leben! Auch der Mythos der feinen Küche hat in der Seine-Metropole seinen Ursprung und ging von dort hinaus in die Welt.

Fotos der Pariser Weltausstellung von 1900 sind zu sehen. Diese veränderte die Stadt nachhaltig – und brachte Paris den 330 Meter hohen Eiffelturm. Damals zunächst ungeliebtes Objekt, heute der stählerne Leuchtturm, der magisch die Blicke auf die Stadt der Städte zieht. Das zeigen übrigens auch die Einsendungen für den Fotowettbewerb: Für viele ist der Tour Eiffel der Fixpunkt in dieser Stadt der Mythen.

Sollte für das Frühstück in Paris doch keine Zeit bleiben, einfach durch die Ausstellung im Saarland Museum schlendern!

Informationen zur Ausstellung

Mythos Paris – Fotografie von 1860 bis 1960

Laufzeit: 09. Dezember 2023 bis 10. März 2024

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 10 – 18 Uhr
Mittwoch: 10 – 20 Uhr

Ausstellungsort:
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
Bismarckstraße 11-15,
66111 Saarbrücken

Wer sollte sich die Ausstellung anschauen – und wer nicht?

Auf jeden Fall Paris-Enthusiasten. Aber auch, wer an Fotografie interessiert ist, wird Interessantes entdecken. Die Ausstellung zeigt nicht die großen Postkartenmotive. Wer diese erwartet, wird sicher enttäuscht werden. Sie lädt aber ein, zum Entdecken und Flanieren. Was den “Mythos Paris” ja irgendwie auch ausmacht.

www.kulturbesitz.de/de/museum-digital-1

Diese Fotograf:innen sind zu sehen

Eugène Atget, Édouard Baldus, Monika von Boch, Harald Boockmann, Brassaï, Edith Buch-Duttlinger, Henri Cartier-Bresson, Adolphe Eugène Disdéri, Robert Doisneau, Gisèle Freund, Wolfgang Haut, Florence Henri, Eric Klemm, Germaine Krull, Joachim Lischke, Guido Mangold, Daniel Masclet, Charles Marville, Arnold Newman, Man Ray, Otto Steinert, Christer Strömholm, Romain Urhausen, u.v.a.m.