Nach Vorstößen von Söder: Diskussion um FFP2-Masken und Impfpflicht

Schlagzeilen macht derzeit CSU-Chef Markus Söder mit einem Vorstoß zur Impfpflicht und einer FFP2-Maskenpflicht. Dafür erntet der Ministerpräsident Gegenwind. Gefallen vor allem an der Maskenregelung finden allerdings einige Expert:innen.

"Sich impfen zu lassen, sollte als Bürgerpflicht angesehen werden": Markus Söder. Foto: Peter Kneffel/dpa
„Sich impfen zu lassen, sollte als Bürgerpflicht angesehen werden“: Markus Söder. Foto: Peter Kneffel/dpa

Debatte zur Impfpflicht

Eine Debatte zur Impfpflicht für Pflegekräfte hatte CSU-Chef Markus Söder losgetreten. Sein Argument: Wenn man höre und lese, dass sich wenige Pflegekräfte impfen lassen wollten, müsse der Ethikrat über ein solches Vorgehen zumindest diskutieren, so Söder. „Sollte sich die Impfbereitschaft dramatisch verbessern, ist es sicher nicht notwendig“, räumte der CSU-Chef ein. „Aber wenn es so bleibt auf dem Level die nächsten Monate, dann ist das einfach der Bereich, der die größte Anfälligkeit hat und die größte Herausforderung ist.“

Position des Ethikrats

Bereits im November hatte der Deutsche Ethikrat in einem Positionspapier eine allgemeine Impfpflicht aus ethischen Gründen abgelehnt. Das Gremium habe aber auch erklärt, dass unter bestimmten Umständen über eine „bereichsbezogene Impfpflicht“ nachzudenken sei.

Dabei ginge es etwa um die Versorgung von Patient:innen, die man nur dadurch schützen könne, „dass die Menschen, die sie versorgen, geimpft sind“. Bedingung dafür sei, dass „die Impfung dafür sorgt, dass die geimpfte Person niemanden mehr anstecken kann“. Derzeit ist noch unklar, ob eine Impfung nur den Geimpften selbst schützt oder auch eine Übertragung des Virus an andere verhindert.

Lambrecht: Keine Impfpflicht

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat eine Impfpflicht im Kampf gegen das Coronavirus erneut ausgeschlossen. „Die Bundesregierung hat klar gesagt, dass es keine Pflicht zur Impfung gegen Corona geben wird. Das Wort der Bundesregierung gilt“, sagte die SPD-Politikerin der „Rheinischen Post“.

Regierungserklärung von Spahn erwartet

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gibt am heutigen Mittwoch (13. Januar 2021) eine Regierungserklärung im Bundestag zu den Corona-Impfungen ab. Zuletzt war auch vom Koalitionspartner SPD Kritik an zu geringen Impfstoff-Bestellmengen laut geworden. „In den vergangenen Tagen und Wochen ist dabei eine Reihe kritischer Fragen aufgetaucht. Es ist richtig, dazu kritische Fragen zu stellen, und es ist wichtig, darauf Antworten zu erhalten“, sagte Vize-Kanzler Olaf Scholz dazu der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Thema FFP2-Maskenpflicht

Uneins sind Expert:innen bei der Frage, wie sinnvoll die für Bayern angekündigte FFP2-Maskenpflicht im Nahverkehr und im Einzelhandel ist. „Prinzipiell finde ich die Idee gut“, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit der Deutschen Presse-Agentur. Es müssten aber zwingend Angebote damit verbunden sein: zum einen der kostenlose Zugang zu solchen medizinischen Masken, zum anderen Anleitungen zur richtigen Benutzung. „Ohne solche Angebote sehe ich das kritisch.“

Der Virologe Alexander Kekulé sagte der „dpa“: „Natürlich ist eine FFP2-Maske deutlich sicherer als ein Mund-Nasen-Schutz, der oft auch nur sehr locker getragen wird.“ Gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln drängten sich viele Menschen auf engem Raum. Mit einer FFP2-Maske sinke das Risiko einer Infektion deutlich.

Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, zeigte sich gegenüber der „dpa“ skeptisch: „Ich glaube nicht, dass das einen großen Unterschied macht.“ Es bedürfe bei einer FFP2-Maske großer Expertise, sie komme aus dem Arbeitsschutz und sei nicht für Laien gedacht. „Wenn sie nicht absolut dicht aufgesetzt wird, wirkt sie nicht besser als eine einfache Einwegmaske“, so Knobloch.

Der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, warnt vor falschen Vorstellungen bezüglich der Sicherheit von FFP2-Masken. Diese böten selbst dann keinen hundertprozentigen Schutz, wenn sie perfekt getragen würden, sagte Asbach der „dpa“.

Stand im Saarland

Wie der „SR“ berichtet, plant das Saarland keine FFP2-Maskenpflicht. Das Gesundheitsministerium hierzulande setze auf Freiwilligkeit. Weitere Informationen: „Keine FFP2-Maskenpflicht im Saarland vorgesehen„.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur
– Saarländischer Rundfunk

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