Saar-AfD-Chef Becker: Recherchen enthüllen enge Verbindung zu Rechtsextremen

Schon in der Vergangenheit fiel der Landeschef der AfD im Saarland mit Nähe zur Rechtsextremen auf. Etwa als er bei einer Schulveranstaltung ein Shirt der Identitäten Bewegung trug. Wie eng diese Verbindung allerdings offenbar ist, enthüllen nun Recherchen des Saarländischen Rundfunks:
Der Landeschef der Saar-AfD Carsten Becker hat Recherchen des "SR" zufolge enge Verbindungen zu Rechtsextremen. Foto: BeckerBredel
Der Landeschef der Saar-AfD Carsten Becker hat Recherchen des "SR" zufolge enge Verbindungen zu Rechtsextremen. Foto: BeckerBredel

Saar-AfD-Chef mit großer Nähe zu Rechtsextremen

Recherchen des Saarländischen Rundfunks („SR“) nach hat der Vorsitzende der saarländischen AfD, Carsten Becker, eine „deutliche Nähe zu rechtsextremen Gruppierungen und Positionen“. Demnach tätige er etwa in rechtsextremen Medien verfassungsfeindliche Äußerungen.

Becker hetzt in rechtem Magazin gegen Homosexuelle

Im vergangenen Juni habe Becker etwa einen Gastbeitrag für das rechtsextreme österreichische Magazin „Info-Direkt“ geschrieben. Darin hetze er gegen Homosexuelle und andere sexuelle Minderheiten. Aktionen für Toleranz bezeichnete er zudem als „Regenbogenterror auf Steroiden“. Von der breiten Öffentlichkeit sei dies unbemerkt geblieben.

Trotz Unvereinbarkeit: Verbindungen zur Identitären Bewegung (IB)

Zudem fiel Becker durch Nähe zur rechtsextremen „Identitären Bewegung“ (IB) auf. Diese wird in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet und als Gefahr für die Demokratie eingestuft. Sie steht auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Dennoch war Becker im vergangenen Sommer etwa bei einer Schulveranstaltung im Saarland mit einem T-Shirt der IB aufgetreten.

Rassistische Aussagen im Heimatkurier

Wie der „SR“ nun berichtet, gab der Saar-AfD-Chef zudem dem Online-Portal „Heimatkurier.at“, das als eines der Zentralorgane der IB im deutschsprachigen Raum gilt, ein Interview. Darin erklärte Becker, dass Ausländer:innen, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten könnten, in Deutschland „nichts verloren“, hätten. Wörtlich heißt es: „Wir sind schließlich nicht das Sozialamt und die Irrenanstalt für den Rest der Welt.“

Eindeutige Codes zeigten Nähe zur Identitären Bewegung

Laut Politikwissenschaftler Professor Markus Linden von der Uni Trier scheint Becker „als Akteur sehr nah bei der Identitären Bewegung zu stehen“. Demnach verwendet der Saar-AfD-Chef in den Artikeln eindeutige Codewörter des rechtsextremen Milieus und zeige somit Szenewissen. Seine Äußerungen seien zudem verfassungsfeindlich. Beispielsweise die pauschale Bezeichnung von Ausländer:innen als „Irre“.

Aussage zu „Geheimplänen“ fast wortgleich von IB-Akteur übernommen

Zuletzt hatte Becker offenbar sogar die Aussage eines der führenden Köpfe der IB nahezu wortgleich übernommen: dem Österreicher Philipp Huemer, inhaltlich Verantwortlicher des „Heimatkurier“. Dieser hatte sich auf „X“ zu den Berichten des Recherche-Netzwerk „Correctiv“ über geheime Abschiebepläne geäußert.

Keine Distanzierung von „Remigrationsforderungen“

Wenige Stunden später hatte Becker das Statement fast wortgleich wiederholt. Gegenüber dem „SR“ bezeichnete er die Correctiv-Recherche demnach als „Rohrkrepierer“. Die „Forderung nach Remigration wird von Vertretern der AfD längst offen und selbstbewusst vertreten“, so Becker. Von der möglichen Abschiebung von Millionen von Menschen – auch deutschen Staatsbürger:innen – distanzierte sich der Saar-AfD-Chef demnach nicht.

Becker äußerte sich nicht zu SR-Recherchen

Auf Anfrage des „SR“ hatte sich Becker nicht zu der Zitatübernahme oder seinen Kontakten in die rechtsextreme Szene geäußert. Der 34-Jährige ist sowohl Chef des saarländischen AfD-Landesverbands, als auch parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im saarländischen Landtag.

Tausende demonstrieren auch in Saarbrücken gegen AfD

In Saarbrücken waren in der vergangenen Woche Tausende gegen die AfD auf die Straße gegangen. Auch am heutigen Freitag (26. Januar 2024) findet wieder eine Demo statt.

Verwendete Quellen:
– Pressemitteilung des Saarländischen Rundfunks