Saarland führt Informatik-Unterricht ab der 7. Klasse ein

Im Saarland sollen künftig alle Schüler:innen ab Klassenstufe 7 pro Woche zwei Stunden Informatikunterricht bekommen. Durch diese Vorgabe soll sich etwa der Frauenanteil in der IT-Branche erhöhen.
Alle Schüler:innen ab der 7. Klasse müssen im Saarland künftig an Informatik-Unterricht teilnehmen. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa-Bildfunk
Alle Schüler:innen ab der 7. Klasse müssen im Saarland künftig an Informatik-Unterricht teilnehmen. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa-Bildfunk

Ab dem Schuljahr 2023/24 haben alle Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschulen und Gymnasien im Saarland ab Klasse 7 wöchentlich zwei Stunden Informatikunterricht. Am heutigen Dienstag (15. März 2022) stellten Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) und Informatik-Professorin Verena Wolf die Leitlinien vor, die den konkreten Lehrplänen zugrunde liegen sollen.

Informatik-Unterricht soll Kompetenzen für die digitale Arbeitswelt vermitteln

„Digitalisierung und der damit verbundene Transformationsprozess wird von uns als zentrale Herausforderung der Bildungspolitik im 21. Jahrhundert gesehen“, erklärte Streichert-Clivot. Daher sei das Ziel, nicht nur digital gestütztes Lernen und Lehren voranzubringen, sondern auch notwendige Kompetenzen zum Leben und Arbeiten in der digitalen Welt verstärkt zu vermitteln. „Nicht zuletzt ist es für uns auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit„, so die Ministerin. Demnach solle der Unterricht die Entwicklungs- und Aufstiegschancen, aber auch die Einkommensperspektiven für Kinder und Jugendliche bei ihrem späteren Eintritt in den Arbeitsmarkt verbessern. „Und das im Grunde genommen auch unabhängig von Herkunft und Geschlecht„, erklärte Streichert-Clivot.

Frauenanteil in der IT-Branche erhöhen

Der Frauenanteil in der IT-Branche liegt derzeit bei etwa 18 Prozent. Auch im Informatik-Studiengang an der Universität des Saarlandes seien Studentinnen laut Verena Wolf unterrepräsentiert. „Ich finde es frustrierend, dass dieser Anteil in den letzten Jahrzehnten kaum gestiegen ist“, sagte sie. Daher sei es entscheidend, auch bei Mädchen frühzeitig Interesse für informatische Themen zu wecken und ein realitätsnahes Bild entsprechender Berufe zu vermitteln.

Bessere Chancen für Kinder aus technikfernen Haushalten

Gleiches gelte für Kinder aus technik- und technologiefernen Haushalten. Für diese könnten sich dadurch bessere Einkommenschancen ergeben. „Kinder verbringen mehr und mehr Zeit in der digitalen Welt. Das Problem ist, ihnen fehlt das Wissen und die Kompetenz, um reflektiert zu handeln und kritisch über digitale Phänomene zu urteilen„, erklärte Wolf. Der Unterricht könne ihnen diese „digitale Mündigkeit“ verschaffen.

Neues Fach soll mit bestehendem Unterricht verzahnt werden

Die künftige Landesregierung müsse nun klären, wie das Fach in den Lehrplan eingebettet wird, so Christine Streichert-Clivot.  „Wir wollen nicht, dass die Schülerinnen und Schüler zusätzlichem Stress ausgesetzt werden“, so die Bildungsministerin. Vielmehr wolle man das Fach sinnvoll mit bestehenden Fächern verzahnen.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur