Schülerinitiative Saarland: Wir sind an der Belastungsgrenze

Die Schüler:innen der Oberstufen im Saarland haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen und in einem offenen Brief an die Landesregierung auf aktuelle Missstände aufmerksam gemacht. Man befinde sich aufgrund der aktuellen Situation an der Belastungsgrenze und fühle sich von der Regierung vergessen, erklärte die Gründerin der Initiative gegenüber SOL.DE.

In einem offenen Brief haben Schüler:innen aus dem Saarland auf die aktuellen Missstände in den Schulen aufmerksam gemacht. Symbolfoto (vor Corona aufgenommen): picture alliance / dpa | Christoph Schmidt
In einem offenen Brief haben Schüler:innen aus dem Saarland auf die aktuellen Missstände in den Schulen aufmerksam gemacht. Symbolfoto (vor Corona aufgenommen): picture alliance / dpa | Christoph Schmidt

Schüler:innen im Saarland: Wir sind an der Belastungsgrenze

Die Schüler:innen der saarländischen Oberstufen haben sich zu der „Schülerinitiative Saarland 2021“ zusammengeschlossen, um auf die aktuellen Missstände in den Schulen hinzuweisen. Amira Palisch, die Gründerin der Initiative, erklärt gegenüber SOL.DE: „Wir sind aufgrund der aktuellen Situation an der Belastungsgrenze. Wir haben Probleme, wir wollen gehört werden und wir brauchen Hilfe. Die Regierung scheint uns vergessen zu haben. Deshalb haben wir unsere Initiative gestartet, um Missstände aufzuzeigen und den Schulalltag aus der Sicht der Schüler:innen und unserer jeweiligen Probleme der Bevölkerung und der Regierung näherzubringen“.

Der offene Brief der Schülerinitiative Saarland 2021 im Original

Um den saarländischen Schüler:innen eine Bühne für ihre Sorgen und Forderungen zu bieten, haben wir uns dafür entschieden, den kompletten Brief an die Landesregierung im Original zu veröffentlichen. Darin heißt es:

„Sehr geehrte Regierung,

die Corona-Beschränkungen waren und sind für uns alle eine sehr schwere und große Herausforderung. Wir werden mit Situationen konfrontiert, die es vorher noch nie so gegeben hat. Jedoch müssen wir schnellstmöglich handeln. Schon dieses Jahr muss ein Abiturjahrgang leiden. Noch haben wir die Chance für die kommenden Jahrgänge alles zu verbessern. Wir haben Forderungen, möchten gehört werden und wollen über unsere eigene Zukunft mitbestimmen.

Wir die Schülerinitiative Saarland 2021, fordern:

1. dass, die Bewerbungskriterien für (zulassungsbeschränkte) Studiengänge und Ausbildungen geändert werden.
Es ist ungerecht, dass unter der Planlosigkeit der Schulöffnungen, unsere Noten, unsere Psyche und vor allem unsere Zukunft leiden muss. Uns werden alle Chancen genommen, bevor wir jemals eine Chance hatten.
Eignungstests, Probesemester und vor allem eine Ausnahmereglung der Wartesemesterregelung sind jene Möglichkeiten, die uns helfen könnten, dennoch ein Studium zu beginnen.

2. mehr Beständigkeit der Schulform.
Für unsere Bildung und unsere Zukunft, die hier auf dem Spiel steht, ist Präsenzunterricht ideal. Wir verstehen, dass aufgrund der hohen Inzidenzzahlen dies nicht immer machbar ist. Die ständigen Regeländerungen sowie die ständige Ungewissheit ist dennoch absolut nicht hilfreich.

3. dass, die Hilfspakete erweitert, und schneller den Schüler*innen zur Verfügung gestellt werden.
Es ist eine wunderbare Idee, Schüler*innen Leihgeräte zur Verfügung zu stellen, dennoch darf an der Stelle die Anschaffung von zum Beispiel einer guten Software und schnelles Internet nicht vergessen werden. Ebenso ist es unerlässlich die Kriterien zu senken damit eine Mehrzahl von Schüler*innen die Möglichkeit haben Geräte bekommen.

4. bessere Angebote für Nachhilfeunterricht und Psychotherapeutische Angebote für Schüler*innen und Lehrer*innen.
Nicht nur die Bildung leidet, sondern ebenso die ständige Isolation und der ständige Druck, die seit über einem Jahr vorhanden sind, haben schon viele Menschen zermürbt. Auch hier werden die Lehrer*innen vergessen.

5. dass, Lehrer*innen nicht komplett auf sich allein gestellt sind und ihnen auch unter die Arme gegriffen wird.
Man soll diesen Brief bitte keinesfalls als Kritik an die Lehrer*innen oder Schulen ansehen. Wir kritisieren auch, dass den Lehrer*innen immer mehr aufgebürdet wird und man immer erwartet, dass sie Maschinen seien, die mit alldem kein Problem haben. Lehrer*innen sind, im Normalfall, schon Seelsorger und teils auch Erzieher. Nun kommt auch noch dazu, dass sie als Ärzt*innen und Nachhilfe-Lehrer*innen aushelfen müssen. Lehrer*innen brauchen auch Entlastung. Auch Lehrer*innen sollten Programme und Geräte zur Verfügung gestellt bekommen. Im Homeschooling müssen sie für mehrere Klassenstufen, aus verschiedenen Schulen, zur Verfügung stehen. Hinzu kommt noch ihr eigenes Leben oder ihre Kinder, die zu versorgen sind, dann leidet natürlich auch die Rückmeldung an die Schüler.

6. dass, Entscheidungen bezüglich des Schulsystems auch mit Schulleiter*innen/Lehrer*innen besprochen werden, anstatt über unsere Köpfe hinweg zu entscheiden und uns vor vollendete Tatsachen zu stellen und diese Entscheidungen auch begründet werden.
Wir erfahren viel zu kurz und knapp über Änderungen in der Schule, ob die Schulen auf oder zu sind oder nur eine bestimmte Gruppe bzw. Klassenstufe kommen kann. Das soll sich in Zukunft ändern. Wir möchten rechtzeitig und anständig von dem Ministerium oder anderen Entscheidungsträger über Änderungen oder Ähnliches informiert werden und nicht tagelang in der Luft hängen.

7. die Anpassung des Lehrplans und der (Abitur)Prüfungen
Wir fordern, dass die Lehrpläne und die Prüfungen auch in anderen Bereichen an die ständigen Ausfälle angepasst werden und wir somit etwas Entlastung für unsere Prüfungen bekommen. Hiermit sollen auch die Lehrer entlastet werden.

Wir zeigen gerne Solidarität mit Risikogruppen in der Pandemie, möchten jedoch auch nicht die Opfer der Maßnahmen sein.“

Verwendete Quellen:
– Offener Brief der Schülerinitiative Saarland 2021 an die saarländische Landesregierung vom 06.05.2021

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