So viel haben die Saarländer im Geldbeutel

Wie viel Geld haben die Deutschen eigentlich für Konsum und zum Sparen zur Verfügung? Diese Frage wollten Wissenschaftler:innen für eine Studie beantworten. Welche Zahlen für die Saar-Landkreise herauskamen und warum ein einzelner Milliardär reicht, um das Durchschnittseinkommen einer Stadt in die Höhe zu katapultieren:
Die Menschen im Saarpfalz-Kreis haben im Schnitt das höchste verfügbare Einkommen. Blick auf den Verwaltungssitz Homburg: TeKaBe, Homburg Panorama, CC BY-SA 4.0
Die Menschen im Saarpfalz-Kreis haben im Schnitt das höchste verfügbare Einkommen. Blick auf den Verwaltungssitz Homburg: TeKaBe, Homburg Panorama, CC BY-SA 4.0

Die Menschen im Saarpfalz-Kreis haben pro Kopf gerechnet das höchste Einkommen im Saarland. Das geht aus einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Experten werteten Daten aus allen Kreisen aus

Die Macher:innen analysierten für die Erhebung alle 401 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte. Dabei stützten sich die Expert:innen auf die aktuellsten verfügbaren Daten aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Länder für 2019.

Diese Zahlen kamen fürs Saarland raus

So hoch war das verfügbare Einkommen pro Kopf in den saarländischen Kommunalverbänden:

1️⃣ Saarpfalz-Kreis: 24.357 Euro
2️⃣ Landkreis St. Wendel: 22.957 Euro
3️⃣ Landkreis Saarlouis: 22.027 Euro
4️⃣ Landkreis Neunkirchen: 21.216 Euro
5️⃣ Regionalverband Saarbrücken: 20.436 Euro
6️⃣ Landkreis Merzig-Wadern: 19.988 Euro

Heilbronn Spitzenreiter, Gelsenkirchen Schlusslicht

Im Durchschnitt lag das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen laut Studie deutschlandweit bei 23.706 Euro. Am höchsten war es in Heilbronn mit 42.275 Euro. Schlusslicht ist Gelsenkirchen mit 17.015 Euro.

Gefälle von West nach Ost

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Das Einkommensgefälle von West nach Ost ist mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung immer noch nicht verschwunden. So gibt es laut WSI in den neuen Ländern mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark (24.127 Euro) nur einen Kreis, in dem das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen den Durchschnitt für die Bundesrepublik von 23.706 Euro überschreitet.

Nord-Süd-Gefälle in Westdeutschland

In den sogenannten „alten Bundesländern“ besteht zudem ein Nord-Süd-Gefälle. Im Schnitt liege das Einkommen in Bayern und Baden-Württemberg etwa 2.600 Euro höher als im übrigen Westdeutschland, berichteten die Forscher:innen.

In den Daten sind deutliche West-Ost- sowie Süd-Nord-Gefälle sichtbar. Grafik: WSI

Reiche drücken Durchschnitt nach oben

Besonders in einigen kleineren Städten oder ländlichen Gebieten mit sehr hohen Einkommen werde das Durchschnittseinkommen zudem durch eine überschaubare Zahl sehr reicher Haushalte spürbar beeinflusst, betonten die Wissenschaftler:innen. So sei die Spitzenposition von Heilbronn im Einkommensranking wohl nicht zuletzt auf den in der Region ansässigen „Lidl“-Eigentümer Dieter Schwarz und seine Stiftungen zurückzuführen.

Höheres Einkommen, höhere Mieten

Das regional unterschiedliche Preisniveau trage unter dem Strich zu einer gewissen Angleichung der Einkommen bei. Regionen mit hohem Einkommen hätten tendenziell auch höhere Mieten und sonstige Preise. „Die Leute haben dann zwar mehr Geld im Portemonnaie, können sich aber nicht in gleichem Maße mehr leisten“, erklärt WSI-Wissenschaftler Toralf Pusch.

Das bedeutet „verfügbares Einkommen“

Unter dem „verfügbaren Einkommen“ verstehen die Wissenschaftler:innen das Primäreinkommen – das ist die Summe der Einkommen aus Vermögen und Erwerbstätigkeit, minus Sozialbeiträge, Einkommensteuern, Vermögensteuern und sonstige direkte Abgaben. Dazu rechnen sie Sozialleistungen und sonstige öffentliche Transfers. Außerdem werden Leistungen wie zum Beispiel Kfz- oder Haftpflichtversicherungen hinzugezählt. Am Ende steht dann das am Wohnort verfügbare Einkommen der privaten Haushalte, das für Konsum verwendet oder gespart werden kann. Der Wert wurde dann durch die Gesamtbevölkerung im Kreis dividiert, um das Pro-Kopf-Einkommen zu erhalten.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur
WSI-Verteilungsmonitor
– Foto: TeKaBe, Homburg Panorama, CC BY-SA 4.0