Start von Saar-Astronaut Maurer wieder verschoben – das ist der neue Termin

Als erster Deutscher reist Matthias Maurer mit einer privaten Raumkapsel ins All. Er hat lange hart trainiert und für den Notfall auch gelernt, wie man Zähne zieht. Allerdings findet der Start jetzt doch nicht am morgigen Sonntag statt. Das ist der neue Termin:
Morgen startet die Mission von Saar-Astronaut Matthias Maurer und Kolleg:innen. Foto: dpa-Bildfunk/AP/John Raoux
Morgen startet die Mission von Saar-Astronaut Matthias Maurer und Kolleg:innen. Foto: dpa-Bildfunk/AP/John Raoux

Nächster Halt: Raumstation. Erstmals seit drei Jahren fliegt wieder ein Deutscher ins All – und Saar-Astronaut Matthias Maurer kann den Start kaum erwarten. „Da draußen ist so viel, was wir noch nicht erforscht haben und noch nicht verstehen. Und dieses unglaubliche Abenteuer, den Weltraum und alles, was darin vorkommt, zu entdecken, ist einfach faszinierend“, sagt Maurer voller Vorfreude auf seine Entdeckermission auf der Raumstation ISS.

Start zur ISS erneut verschoben

Der Start der sogenannten „Crew-3“ war eigentlich für den 31. Oktober um 2.21 Uhr Ortszeit (7.21 Uhr MEZ) geplant. Nun steht fest: Der Flug wird erneut verschoben. Wie aus der NASA-Webseite hervorgeht, ist schlechtes Wetter der Grund dafür. Es sei ein großer Sturm entlang der „Ohio Valley“ sowie im Nordosten zu erwarten.  Allerdings wurde bereits ein neuer Termin für den Start genannt, nämlich der 3. November (Mittwoch), um 6.10 Uhr (MEZ). Zu diesem Zeitpunkt liege die Chance einer Verbesserung des Wetters bei 80 Prozent.

Rund ein halbes Jahr im All

Rund ein halbes Jahr lang wird der Astronaut der europäischen Raumfahrtagentur Esa auf dem Außenposten der Menschheit leben. Er will dabei auch ein guter Botschafter für die Menschen auf der 400 Kilometer entfernten Erde sein. „Wer Interesse am Thema Raumfahrt hat, darf sich auf neue Fotos, Videos und mehr aus dem All freuen“, erzählt der gebürtige Saarländer der Deutschen Presse-Agentur („dpa“).

Reise mit „Crew Dragon“

Maurers Vorgänger sind etwa mit russischen „Sojus“-Kapseln oder dem Space Shuttle zum Koloss im Kosmos gereist. Maurers Raumschiff hingegen stammt von einer Privatfirma: von SpaceX des Tesla-Chefs Elon Musk. Auf den ersten Blick haben „Sojus“ und „Crew Dragon“ vieles gemeinsam. Im „Dragon“ fühle man die auf den Körper wirkenden Kräfte beim Start aber deutlich stärker, sagt US-Astronautin Shannon Walker, die in beiden Kapseln geflogen ist.

Hier zu sehen: die sogenannten „Crew-3“. Foto: dpa-Bildfunk/Ap/ John Raoux

Jahrelanges Training

Mit 51 Jahren ist Maurer der älteste deutsche Raumfahrer bei einem Erstflug. Der Mann mit einem Doktortitel in Materialwissenschaft ließ nach seiner Esa-Bewerbung mehr als 8.000 Kandidat:innen hinter sich und trainierte jahrelang für die Reise in die Schwerelosigkeit. „Im Fall der Fälle müssen wir unseren Kolleginnen und Kollegen helfen können“, sagt Maurer. „Sehr umfassend“ sei die Ausbildung. „Im Extremfall können wir auch eine Zahnfüllung reparieren oder einen Zahn ziehen.“

Mehr als 100 Experimente

Während seiner Mission namens „Cosmic Kiss“ wird Maurer mehr als 100 Experimente durchführen, davon 36 mit deutscher Beteiligung. Eins davon ist ein Fitnessanzug mit eingebauten Elektroden, der mit leichten elektrischen Impulsen den Muskelaufbau unterstützen soll.

Die Experimente seien auch eine Leistungsschau für Deutschland, sagt Volker Schmid, beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für die Mission zuständig. „Das trifft vor allem für innovative Neuheiten und Technologien zu.“ Das deutsche Engagement auf der ISS koste jede:n Bundesbürger:in pro Jahr umgerechnet zwei Euro – gut angelegtes Geld, wie Schmid meint. „Jeder investierte Euro erzielt eine Rendite von etwa einem Euro.“ Ihm zufolge lassen sich die Experimente auf der ISS in keinem Labor der Erde durchführen.

„Wir schauen morgens auf den Stundenplan“

Und wie wird Maurers Tag auf der ISS aussehen? „Wie in der Schule„, sagt Deutschlands nächster Mann im All. „Wir schauen morgens auf den Stundenplan und sehen, was als Erstes ansteht – normalerweise eine Besprechung. Dann funken wir runter nach Texas, USA, Köln, Russland und Japan, dann wird der Plan besprochen.“ Die ISS-Besatzung habe eine 5,5-Tage-Woche, da sie auch samstagvormittags arbeite.

Freizeitpläne im All

„Samstagmittag wird die Station gereinigt, sonntags haben wir Freizeit. Die verbringen wir mit Fotografieren, Videoaufnahmen und mit Telefonaten mit Freunden und der Familie am Boden“, sagt Maurer. Unlängst veröffentlichte er eine Liste mit 113 Liedern, die er im All hören möchte, etwa „Sternenhimmel“ von Hubert Kah oder „The Final Countdown“ von Europe. „Ich denke, sie ist ziemlich gut geworden.“

Die Sache mit der Kleidung

Privatkleidung nimmt Maurer nicht mit. „Es gibt Standardkleidung. Zum Beispiel haben Astronautinnen so viel Unterwäsche, dass sie diese alle zwei Tage wechseln können, Astronauten wechseln alle drei Tage.“ Er habe pro Woche ein T-Shirt, das er dann in der Folgewoche zum Sport trage. „Für meine sechsmonatige Mission habe ich sechs Hosen dabei – eine pro Monat. Da muss man schon aufpassen, dass man sich nicht schmutzig macht“, sagt er schmunzelnd. Auf der ISS gebe es keine Waschmaschine. Schmutzwäsche und Ähnliches packt die Besatzung in einen ausgedienten Transporter, der abgedockt wird und verglüht.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur
– NASA-Webseite