Ford Saarlouis vor dem Aus? Wut und Enttäuschung nach Auftritt von Vize-Europachef im Saar-Wirtschaftsausschuss

Am heutigen Mittwoch (20. Juli 2022) war der Vizechef von Ford Europa, Kieran Cahill, zu Gast im Wirtschaftsausschuss des saarländischen Landtages. Dabei zeigte der Ford-Vertreter keinerlei Bereitschaft, sich um den Standort Saarlouis zu bemühen. Das sorgte für Wut und Enttäuschung bei den Abgeordneten:
Ford lässt keinerlei Bemühungen erkennen, den Standort Saarlouis halten zu wollen. Symbolfoto: picture alliance/dpa | Oliver Dietze
Ford lässt keinerlei Bemühungen erkennen, den Standort Saarlouis halten zu wollen. Symbolfoto: picture alliance/dpa | Oliver Dietze

Gespräche mit Ford im Saar-Landtag sorgen für Wut und Enttäuschung

Am Mittwoch war der Ford-Vize-Europachef Kieran Cahill zu Gast im Wirtschaftsausschuss des saarländischen Landtags. Knapp drei Stunden lang beantwortete der Ford-Vertreter die Fragen der Ausschussmitglieder. Ein Informationsaustausch mit Substanz soll der Auftritt von Cahill allerdings nicht gewesen sein. So erklärte der Ausschussvorsitzende Damhat Sisamci (SPD) im Anschluss an das Gespräch, dass keinerlei klare Aussagen zum Ford-Werk in Saarlouis getroffen worden seien. Dementsprechend ernüchternd wurde der Austausch dann auch von den Landtagsabgeordneten bewertet. „Ich bin enttäuscht, aber ich bin auch wütend“, sagte Sisamci am Nachmittag.

Keinerlei Bekenntnis zum Standort Saarlouis: Tausende Jobs betroffen

Ende Juni hatte der amerikanische Automobilhersteller Ford bekannt gegeben, dass er sein künftiges Elektroauto im spanischen Valencia und nicht in Saarlouis bauen wolle. Wie es für das saarländische Ford-Werk nach 2025 weitergeht – dann läuft die Produktion des „Ford Focus“ aus -, das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unbekannt. Ein Bekenntnis zum Standort Saarlouis wollte der Ford-Vizechef Cahill heute nicht abgeben.

Im Gegenteil: Laut Aussagen von den Abgeordneten Damhat Sisamci (SPD) und Marc Speicher (CDU) habe man lediglich ein Szenario eröffnet, in dem maximal 150 bis 300 Arbeitsplätze bei Ford in Saarlouis erhalten werden sollen. Zu dem Rest der rund 4.600 Ford-Beschäftigten in Saarlouis wollte sich das Unternehmen nicht bekennen. „Und das ist nicht redlich, sondern verwerflich, so etwas in den Raum zu stellen“, so Sisamci. Für Speicher habe das Treffen deutlich gemacht, dass „Ford offenbar kein Interesse mehr an Saarlouis hat“, so der industriepolitische Sprecher der CDU. Auf wiederholte Fragen, ob die Arbeitsplätze nach 2025 sicher seien, habe man nur ausweichende Antworten erhalten.

Ford scheint mit Werk in Saarlouis bereits abgeschlossen zu haben

Dass der Automobilhersteller nicht mehr langfristig mit dem Ford-Werk in Saarlouis zu planen scheint, machen auch weitere Begleitumstände deutlich. Nach einem Bericht des „SR“ will Ford bereits den Wert des Geländes ermitteln lassen. Auch der Landtagsabgeordnete Timo Ahr (SPD), der Mitglied des Wirtschaftsausschusses des Landtags ist, geht nach einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ davon aus, dass das Ford-Management den Standort Saarlouis nur noch abwickeln will.

Ford will keine Transparenz in Standort-Entscheidung bringen

Für zusätzlichen Zündstoff sorgte auch die mangelnde Transparenz bezüglich der Standort-Entscheidung von Ford. Bemühungen der Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD), die ökonomischen Daten zwischen Valencia und Saarlouis von einem unabhängigen Wirtschaftsinstitut nachrechnen zu lassen, lehnte das Unternehmen bereits vor seiner Entscheidung ab. Und auch heute wollte der Ford-Vize-Europachef Kieran Cahill keinerlei Zahlen vorlegen, anhand der man die Standort-Entscheidung hätte nachvollziehen können, so die übereinstimmenden Schilderungen der Ausschussmitglieder.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur
– eigene Recherche
– Berichte von „SZ“ und „SR“