Nutella mit oder ohne Butter: Der Dauerstreit beim Frühstück

Heißt es "der" oder "die" Nutella? Und: Esst ihr euer Nutellabrot mit oder ohne Butter? Auf jeden Fall wird der Nutella-Genuss teurer. Herausgefunden haben wir auch, dass die Nutella-Welt in Frankreich eine ganz andere ist als bei uns...
Das Foto zeigt ein Glas Nutella.
Ewige Streitfrage: Kommt aufs Nutellabrot Butter oder nicht? Foto: Jeremy Bishop auf Unsplash
Das Foto zeigt ein Glas Nutella.
Ewige Streitfrage: Kommt aufs Nutellabrot Butter oder nicht? Foto: Jeremy Bishop auf Unsplash

Mehr Geld für die Liebe zum Nutella-Genuss

Seit 1965 schlecken die Deutschen ihr Nutellabrot. Die Mixtur mit den Hauptzutaten Zucker, Palmöl, Haselnuss, Milch und Kakao ist für viele unwiderstehlich. Nun schlägt die Inflation offenbar auch bei der beliebten Nuss-Nougat-Creme zu. Am Wochenende haben wir die neuen Preise gleich bei mehreren Supermärkten im Saarland entdeckt – bei Aldi und Rewe in Saarbrücken. Auch die Website von Globus gibt schon den neuen Preis an.

Neue Preismarke in Saarbrücker Supermärkten

Bisher lag die eiserne Preismarke für das übliche 450 Gramm-Glas bei 2,99 Euro – billiger ging’s nur, wenn es Angebote gab. Gerne gibt Ferrero auch mal Naturalrabatt – mit dem 450er-Glas und 50 Gramm extra. Am Wochenende haben wir im Saarland die neue Preismarke gefunden – und das in verschiedenen Geschäften: Für das Glas mit 450 Gramm müsst ihr nun 3,29 Euro zahlen. Die Preisschraube hat sich offenbar weiter gedreht.

Das Foto zeigt ein Supermarkt-Regal mit Nutella.

Neue Nutella-Preismarke: Am Samstag (1. Juli) entdeckt in einem Saarbrücker Rewe-Markt. Foto: clp

Der Liebe zum schokoladig-nussigen Frühstücksgenuss wird der neue Preis wahrscheinlich keinen Abbruch tun. Hiesige Nutella-Liebhaber:innen können sich immerhin mit dem Gedanken trösten, dass sie ihre Nuss-Nougat-Creme schon immer günstiger geschleckt haben als ihre europäischen Nachbarn, ganz zu schweigen vom Nutella-Brot in Übersee.

Bei Cora in Forbach: Eine ganz andere Nutella-Welt

Nutella gibt es fast überall auf der Welt zu kaufen – auch die Zutaten sind nahezu überall gleich (dazu später mehr) – der Preis aber variiert kräftig: 2017 fand die „Welt“ heraus, dass die Italiener 6,65 Euro fürs Kilo Nutella zahlen. Die Deutschen aber nur 5,06 Euro. Dabei ist Italien immerhin das Mutterland der süßen Frühstücksrevolution.

Der Blick über die Grenze zeigt übrigens, dass die Nutella-Welt in Frankreich eine ganz andere ist: Bei Cora in Forbach gibt es die Nuss-Nougat-Creme in ganz anderen Größen: Das kleine Glas beginnt bei 200 Gramm (für 2,19 Euro). Echte Nutella-Fans werden sich allerdings fragen, warum sie sich mit dem Miniatur-Format aufhalten sollen. Doch auch bei der nächstgrößeren Version, bekommen unsere französischen Nachbarn 50 Gramm weniger Haselnuss-Creme-Genuss, zahlen aber vergleichsweise mehr als wir: nämlich für 400 Gramm 3,19 Euro, was aufs Kilo 67 Cent mehr ausmacht also bei uns. Dafür ist das Franzosen-Nutella besser fürs Baguette geeignet. Warum das so ist, erfahrt ihr weiter unten.

Grund für das Nutella-Preis-Dumping bei uns: Die Deutschen sind preissensibler bei Lebensmitteln – zudem ist die Konkurrenz unter den Supermärkten bei uns größer. Beides sorgt für niedrigere Preise.


Warum enthält Nutella eigentlich Palmöl?

Neben Haselnüssen und Zucker ist Palmöl die wichtigste Zutaten der beliebten Creme. Apropos Palmöl: Die Verwendung gilt ja nicht mehr so richtig als chic, seit bekannt ist, dass für die Errichtung neuer Ölpalmenplantagen häufig in großem Umfang tropische Regenwälder zerstört werden. Warum nutzt Ferrero also überhaupt Palmöl als Zutat für Nutella? Auf seiner Website schreibt der Hersteller dazu: Palmöl mache die Creme „so streichzart, cremig und stabil“. Und erklärt weiter: „Streichzart deshalb, weil die Creme selbst bei Zimmertemperatur immer noch halbfest bleibt, und stabil, weil Palmöl weniger schnell oxidiert als andere Öle.“ Es gibt andere Hersteller, die mittlerweile auf das umstrittene Palmöl verzichten – allerdings führt Nutella unangefochten den Markt an. Ferrero beteuert übrigens, ausschließlich zertifiziertes Palmöl zu verwenden – von Plantagen, für die nicht gerodet werden muss.

 (Unnützes) Nutella-Wissen:

Schmeckt Nutella überall auf der Welt gleich?

Tatsächlich nicht. Zwar sind die Grundzutaten überall gleich. Die Anteile variieren aber leicht. Der Grund dafür ergibt sich aus den Brotvorlieben der verschiedenen Nationen: Italiener, Franzosen oder Spanier bevorzugen weiches Weißbrot. Also muss auch die Nutella-Creme streichfähiger und damit etwas fettiger sein. Nutella schmeckt dort zudem etwas nussiger. Die Deutschen lieben dagegen kernige, feste Brote, gerne auch mit Vollkorn. Also rührt Ferrero hier etwas mehr Kakao in die Nutella-Mischung. Insgesamt ist die Creme hierzulande etwas fester. Das gilt übrigens auch für Österreich.


Hieß Nutella immer schon Nutella?

Die Geschichte des berühmtesten Schokoladenaufstrichs geht zurück bis ins Jahr 1946. Pietro Ferrero, Konditor aus dem italienischen Piemont, kreierte aus Zucker, Haselnüssen und Kakao einen süßen Brotbelag. Zunächst fest zum Schneiden, dann geschmeidig als Aufstrich. Als Name wählte er „Supercrema“. Es dauerte dann bis 1964: Pietros Sohn Michele Ferrero veränderte das Ur-Rezept und brachte die Crema als „Nutella“ auf den Markt. Der Siegeszug begann.


Wie schmeckt eigentlich Nutella als Briefmarke?

Die Nutella-Briefmarke gibt es tatsächlich. Die italienische Post brachte sie 2014 auf den Markt – zum 50-jährigen Jubiläum von Nutella. Bei Ebay wird die Marke heute noch gehandelt. Fans der Haselnuss-Creme sollten allerdings kein besonderes Geschmackserlebnis erwarten: Mehr als den ganz normalen Briefmarken-Geschmack auf der Zunge ist der Nutella-Marke beim Frankieren nicht zu entlocken.


Heißt es der, die oder das Nutella?

Dieser ewige Streit lässt sich so einfach nicht schlichten: Denn es gibt keine eindeutige Antwort. Da Nutella ein Kunstwort ist, ist das Geschlecht nicht eindeutig festgelegt. Die DUDEN-Redaktion schreibt dazu: „Häufig wird die weibliche Form die Nutella verwendet, wohl abgeleitet von der aus dem Italienischen stammenden femininen Endung -ella. Es tritt aber auch die sächliche Form das Nutella auf. Das Neutrum wird häufig bei Fremdwörtern gewählt, wenn es keine starken Gründe für das Maskulinum oder das Femininum gibt. Seltener kommt der Nutella vor.“


Nutellabrot – mit oder ohne Butter?

Es ist die Frage, die Nutella-Fans für immer entzweien wird: Kommt aufs Brot erst Butter und dann Nutella? Oder ist ein echtes Nutellabrot nur eines ohne Butterbett? Selbst Google weiß keinen Rat: Die Frage nach den Suchbegriffen „Nutella mit Butter“ und „Nutella ohne Butter“ liefert keine klare Tendenz. Es bleibt also Geschmackssache.


Was ist der Nutella-Effekt?

Menschen fahren besonders ab auf ein Gemisch aus Zucker (Kohlehydrate) und Fett. Diese Mixtur ergibt bei vielen Heißhunger. Man kennt das auch von Chips (hier tun Geschmacksverstärker zudem ihr Übriges). Dieses Verhalten begleitet uns quasi aus der Steinzeit bis heute. Denn früher war das Nahrungsangebot knapp. Ein Mix aus Fett und Zucker sicherte das Überleben. Experten nennen das gerne den Nutella-Effekt: Wir beginnen zu essen – und gönnen und noch eine Messerspitze – und noch eine, weil wir nicht aufhören können.


Warum haben Ferrero und das Saarland eine besondere Beziehung?

Anfang der 70er Jahre wurde das Saarland zum beliebten Testmarkt für Markenhersteller. Das Bundesland war über Werbekampagnen gut zu bespielen. So wurden vielfach Testprodukte in Supermärkten eingeführt, die es sonstwo noch nicht gab. Die Vorlieben der Saarländer:innen entschieden so, was später bundesweit in die Regale kommen sollte – oder eben nicht. Dem Vernehmen nach nutzte auch Ferrero das Saarland sehr gerne, um künftige Produktkreationen zu testen. Ob eine neue Nutella-Version darunter war, ist übrigens nicht überliefert. Heute verlieren solche Testmärkte allerdings ihre Bedeutung – der Aufwand ist zu groß. Hersteller nutzen stattdessen kleinere Communitys oder auch Online-Simulationen.

Verwendete Quellen:
– eigene Recherche
– Website nutella.com (Ferrero)
– Wikipedia
– Duden.de