Spritpreise steigen wieder – ADAC-Experte: So billig müsste Benzin eigentlich sein

Am ersten Tag kam die Senkung der Spritsteuern noch nicht komplett bei den Autofahrer:innen an. Am zweiten Tag steigen die Preise wieder. Das Kartellamt sieht Potenzial für Senkungen und eine Ökonomin die Ölkonzerne als Gewinner der Maßnahme.
Die Spritpreise sind wieder gestiegen. Foto: dpa-Bildfunk
Die Spritpreise sind wieder gestiegen. Foto: dpa-Bildfunk

Nur ein Teil der Spritsteuersenkung kommt bei den Bürger:innen an. Am Donnerstag (2. Juni 2022) stiegen die Spritpreise sogar wieder, wie der ADAC mitteilte. Sowohl der Verkehrsclub als auch das Bundeskartellamt sehen an den Tankstellen noch Luft für Nachlässe. „Eigentlich müsste es weiter nach unten gehen, stattdessen steigen die Preise aktuell aber“, kritisierte ADAC-Experte Christian Laberer.

Preise für Benzin und Diesel am Donnerstag gestiegen

Dem Verkehrsclub zufolge kostete Superbenzin der Sorte E10 am Donnerstag um 14.20 Uhr im bundesweiten Durchschnitt 1,885 Euro pro Liter. Das sind 3,2 Cent mehr als 24 Stunden zuvor. Diesel kostete 1,934 Euro und damit 2,8 Cent mehr.

Experte: Geld landet bei Mineralölindustrie

Dabei war der Steuervorteil – bei Superbenzin sind es 35,2 Cent pro Liter und bei Diesel 16,7 Cent – schon am Mittwoch nicht komplett beim Verbraucher angekommen. Stattdessen fielen die Preise im bundesweiten Tagesdurchschnitt von Dienstag auf Mittwoch nur um 27,3 Cent bei E10 und 11,6 Cent bei Diesel. „Es scheint so, dass ein großer Teil der für die Verbraucher gedachten Entlastung im Moment bei der Mineralölindustrie landet“, sagte Laberer.

ADAC-Mann: So billig müsste E10 eigentlich sein

Laberer hält den jüngsten Preisanstieg für nicht gerechtfertigt – zumal der Ölpreis zuletzt gesunken sei und an den Tankstellen inzwischen immer mehr steuerreduzierter Kraftstoff ankomme. Auch insgesamt seien die Preise deutlich zu hoch: Schon vor der Steuersenkung sei E10 seiner Einschätzung nach um etwa 20 Cent zu teuer gewesen. „Bei Super E10 müsste ein fairer Preis rund 55 Cent unterhalb des Preises vom Dienstag liegen“, zählt er zusammen. „Also bei etwa 1,60 pro Liter. Davon sind wir im Moment rund 30 Cent entfernt.“

Wegen Pfingsten wohl keine Entlastung zu erwarten

Laberer befürchtet, dass sich diese Lücke nicht schnell schließen wird. „Die Preise müssen sinken. Es besteht aber die Gefahr, dass das nicht passiert. Gerade jetzt vor der Pfingstreisewelle, in der viele Menschen gezwungen sind, zu tanken.“

Kartellamt will Ölkonzernen auf die Finger schauen

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, will den Ölkonzernen sehr genau auf die Finger schauen, wie er am Donnerstag im Deutschlandfunk sagte. Es gebe große Transparenz bei den Preisen. Dies habe den Vorteil, „dass wir unter Umständen auch sehr unangenehme Fragen stellen können“. Zudem will das Kartellamt die Entwicklung auch auf Ebene der Raffinerien und des Großhandels genau beobachten.

Mundt: Preis-Apps nutzen und abends tanken

Angesichts der Preisentwicklung am Mittwoch sagte Mundt: „Das sind noch nicht die Zahlen, die der Tankrabatt in vollem Umfang erlaubt, aber wir sehen natürlich schon eine deutliche Senkung der Kraftstoffpreise gegenüber dem Vortag.“ Gleichzeitig rief er in einer Mitteilung seiner Behörde die Autofahrer:innen auf, die Spritpreise mit Hilfe einer Preis-App zu vergleichen. „Im Laufe eines Tages schwanken die Preise in ein und derselben Stadt oft um über 20 Cent. Tanken Sie tendenziell eher am frühen Abend und bei einer der preiswerteren Tankstellen.“

Spritsteuer-Senkung noch bis August

Die Steuersenkung soll bis Ende August gelten. Damit will die Bundesregierung angesichts stark gestiegener Energiepreise Verbraucher:innen entlasten. Allerdings wirkt sie nicht erst an der Zapfsäule, sondern bereits bei Tanklagern und Raffinerien. Vor Mittwoch gekaufte Lagerbestände der Tankstellen sind daher noch mit der höheren Steuer belastet.

Expertin: Ölkonzerne schlagen deutlichen Profit

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer befürchtet, dass Ölkonzerne trotz fallender Preise an den Tankstellen deutlichen Profit aus der Steuersenkung schlagen könnten. „Nach den Erfahrungen in der Vergangenheit, insbesondere bei der Mehrwertsteuersenkung 2020, halte ich das Risiko für hoch“, sagte die Ökonomin der „Augsburger Allgemeinen“. „Selbst wenn prozentual dieses Mal mehr von der Steuersenkung weitergegeben wird als vor zwei Jahren, kann der Mehrgewinn der Unternehmen durch die unvollständige Weitergabe in absoluten Eurobeträgen doch sehr hoch sein.“

Bei der Mehrwertsteuersenkung im Sommer 2020 hätten ihren Berechnungen nach die Ölkonzerne 40 Prozent der Steuersenkung einbehalten, sagte das Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung. Diesmal stünden die Tankstellen allerdings unter besonders genauer Beobachtung.

Verbraucher könnten spürbar sparen

Der Ökonom Achim Wambach rechnet mit spürbaren Einsparungen für die Verbraucher:innen durch die Steuersenkung. Studien hätten ergeben, dass die Mehrwertsteuersenkung während der Corona-Krise zu 80 Prozent bei Kund:innen von Diesel und zu 40 Prozent bei Kund:innen von Benzin weitergegeben worden sei, sagte der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung der „Rheinischen Post“.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur