Saarland mit bundesweit höchster Corona-Inzidenz: Gesundheitsminister Jung sieht keinen Handlungsbedarf

Das Saarland weist aktuell die mit Abstand höchste Corona-Inzidenz in ganz Deutschland auf. Trotz des deutlich steigenden Infektionsgeschehens sieht Gesundheitsminister Jung derzeit noch keinen Anlass für schärfere Corona-Regeln. Die Saarländische Krankenhausgesellschaft (SKG) warnt unterdessen vor einer Eskalation der Lage:
Das Infektionsgeschehen nahm im Saarland in den vergangenen Wochen deutlich an Fahrt auf. Symbolfoto: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich
Das Infektionsgeschehen nahm im Saarland in den vergangenen Wochen deutlich an Fahrt auf. Symbolfoto: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich

Update (7. Oktober, 19.18 Uhr):

Das saarländische Gesundheitsministerium hat am Freitagabend eine Neubewertung der Corona-Lage im Saarland vorgenommen. Demnach bestehe nun doch ein akuter Handlungsbedarf. Gesundheitsminister Jung bringt sogar schärfere Corona-Maßnahmen ins Spiel: „Schärfere Corona-Maßnahmen im Saarland möglich: Gesundheitsminister Jung mit Kehrtwende“.

Saarland mit höchster Corona-Inzidenz in ganz Deutschland

Mit einer Corona-Inzidenz von 1.119,4 weist das Saarland aktuell (Stand 7. Oktober 2022) den mit Abstand höchsten Wert in ganz Deutschland auf. Allein innerhalb der vergangenen 24 Stunden registrierten die Gesundheitsämter in der Region weit über 3.000 neue Corona-Fälle: „Starker Anstieg geht weiter: Saar-Inzidenz jetzt über 1.000“. Bei einem Blick auf die Daten der vergangenen Wochen fällt auf, dass sich die Sieben-Tage-Inzidenz in nur 14 Tagen mehr als verdoppelt hat. So lag der Inzidenzwert im Saarland am 23. September 2022 noch bei 472,7.

Corona-Dunkelziffer im Saarland wohl noch deutlich höher

Die Corona-Dunkelziffer im Saarland dürfte indessen noch deutlich höher ausfallen. Gegenüber dem "SR" erklärte Saar-Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) am Donnerstag: "Wir können davon ausgehen, dass die Zahl der Positiven im Saarland deutlich höher ist und dass die Inzidenz in Wirklichkeit schon lange einen vierstelligen Bereich erreicht hat". Das hat den Hintergrund, dass in der offiziellen Corona-Statistik nur Fälle erfasst werden, in denen auch ein positiver PCR-Test vorliegt.

Gesundheitsminister Jung sieht trotz rasanten Corona-Anstiegs noch keinen Handlungsbedarf

Trotz des rasanten Infektionsanstiegs im Saarland sieht Gesundheitsminister Jung derzeit noch keinen Handlungsbedarf. Der Minister begründet das Nichthandeln mit der aktuellen Zahl der Corona-Positiven auf den Intensivstationen der saarländischen Krankenhäuser. Mit derzeit 59 Corona-Intensivpatient:innen befinde man sich noch in einem relativ niedrigen Bereich. Auch die Zahl derjenigen, die in den letzten Tagen beatmet werden mussten, sei "in einem Bereich, der deutlich unter dem liegt, was wir in den vergangenen Zeiten als Spitzenbelastung hatten", so Jung.

Aufgrund dieser Zahlen will der SPD-Politiker die gerade erst im Oktober in Kraft getretenen Corona-Regelungen vorerst nicht verschärfen. Laut Jung beobachte man die Situation aber genauestens und stehe in engem Austausch mit Expert:innen. "Derzeit sehen wir allerdings noch keine Notwendigkeit, weitere Maßnahmen zu beschließen", so der Minister gegenüber dem "SR".

Saarländische Krankenhausgesellschaft warnt vor Eskalation der Lage

Etwas anders wird die aktuelle Situation von der Saarländischen Krankenhausgesellschaft (SKG) beurteilt. Demnach müsse man bereits jetzt wieder planbare Operationen verschieben. Neben den medizinischen Nachteilen für die Patient:innen verschärfe das auch die sowieso schon sehr kritische Finanzlage der Kliniken. Mit derzeit rund 450 Patient:innen mit Corona-Infektionen in saarländischen Krankenhäusern habe man zudem mittlerweile den zweithöchsten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie erreicht.

Offenbar keine klare Datengrundlage über Corona-Patient:innen in Saar-Krankenhäusern

Laut einem Bericht des "SR" sei allerdings unklar, bei wie vielen Patient:innen eine Covid-Erkrankung der tatsächliche Einlieferungsbefund sei und bei wie vielen nur eine Nebenprognose. "Daten hierzu liegen dem Gesundheitsministerium nur noch sehr lückenhaft vor", heißt es weiter in dem Bericht.

Weiterer "harter Corona-Winter" könnte dem Saarland drohen

Auch wenn Gesundheitsminister Jung derzeit noch keine schärferen Corona-Maßnahmen plant, könnte dem Saarland ein weiterer "harter Corona-Winter" drohen. Denn in den vergangenen beiden Jahren wurde das exponentielle Wachstum und die damit verbundene Dynamik der Corona-Pandemie offenbar seitens der Politik unterschätzt. Es folgten späte, aber besonders einschneidende und lang andauernde Corona-Maßnahmen für die Bürger:innen.

Verwendete Quellen:
- Bericht des "SR"
- eigene Recherche