Digitalisierung mit der Taschenlampe: Wie man das Live-Tracking des Stromverbrauchs in Gang setzt

"Tibber Pulse" ist ein kleines Messgerät, dass die Verbrauchsdaten vom Stromzähler aufnimmt und quasi sekundengenau an den Stromanbieter Tibber weitergibt. Warum man für die Installation meist eine Taschenlampe braucht, liegt nicht etwa daran, dass sich der Stromzähler häufig im dunklen Keller befindet. Die Hintergründe:
Kurios: Weil Tasten fehlen, braucht man eine Taschenlampe, um den Zähler einzustellen. Foto: clp
Kurios: Weil Tasten fehlen, braucht man eine Taschenlampe, um den Zähler einzustellen. Foto: clp
Kurios: Weil Tasten fehlen, braucht man eine Taschenlampe, um den Zähler einzustellen. Foto: clp
Kurios: Weil Tasten fehlen, braucht man eine Taschenlampe, um den Zähler einzustellen. Foto: clp

Wir sollen Energie sparen. Spätestens seit dem russischen Angriffskrieg haben die Appelle zugenommen. Im Sinne der Umwelt und für die Verlangsamung des Klimawandels war das aber schon immer so. Dennoch mahlen die Mühlen unserer Behörden langsam. Beispiel Stromzähler: Viele haben noch ein analoges Messgerät im Haus. Man erkennt es an der sich langsam drehenden Scheibe.

Datenübermittlung per Infrarotleuchte

Nach und nach sollen die betagten Zähler durch sogenannte Smartmeter mit Datenschnittstellen ausgetauscht werden. Oder zumindest durch ein sogenanntes Intelligentes Messsystem. Das ist nicht ganz so smart – ermöglicht über einen Trick dennoch das Live-Tracking des Stromverbrauchs. Für diese Intelligenten Messsysteme hat Tibber sein „Tibber Pulse“-Gerät entwickelt.

Vielerorts werden gerade Zähler installiert, deren Daten sich über eine Infrarotleuchte auslesen lassen. So auch im Saarland. An diese Leuchte dockt man das „Tibber Pulse“-Gerät an, das die Infrarot-Signale liest, an eine „Bridge“ überträgt, die dann per WLAN die Daten der Tibber-App zur Verfügung stellt.

Das Tibber-Pulse-Gerät übermiitelt den Stromverbrauch live an die App. Foto: Tibber

Das Tibber-Pulse-Gerät übermiitelt den Stromverbrauch live an die App. Foto: Tibber

Damit das funktioniert, braucht man zunächst einen vierstelligen PIN-Code. In unserem Fall (in Saarbrücken) haben wir diesen von der co.met GmbH erhalten, die im Auftrag der Stadtwerke die Stromzähler betreibt. Um den Code zu bekommen, genügt eine E-Mail an [email protected] (Wichtig: Zählernummer angeben). Der Code kommt dann nach wenigen Tagen per Briefpost. Hier gibt es weitere Infos.

PIN-Eingabe per Taschenlampe

An dieser Stelle kommt die Taschenlampe ins Spiel: Statt Bedientasten wurde bei dem Stromzähler, den die Saarbrücker Stadtwerke bereitstellen, ein kleiner Lichtsensor eingebaut. Mithilfe der Taschenlampe und schnellem An- und Ausschalten kann man sich nun durch das Menü des Zählers „blinken“. Kein Witz: Dreimaliges Blinken startet das Menü, mit weiterem Blinken bewegt man sich bis zum Punkt „PIN-Code“ vor.

Hat man diesen Punkt erreicht, muss man den PIN-Code mit der Taschenlampe blinken. Lautet der Code zum Beispiel 5-9-3-1 bedeutet dies: 5-mal blinken. Pause. 9-mal blinken. Pause. 3-mal blinken. Pause. 1-mal blinken. Pause. Zum Glück kann man das beliebig oft wiederholen, denn die Eingabe per Taschenlampe geht beim ersten Versuch nicht ganz so leicht von der Hand.

Ist die PIN-Freischaltung geschafft, setzt man den Lesekopf des „Tibber Pulse“ auf die Infrarotleuchte (das geht meist magnetisch). Das Pulse-Gerät signalisiert mit einem Einmalblinken und längerer Pause dazwischen, ob die Daten erfolgreich übertragen werden. Fertig! Der Tibber-Support unterstützt per Chat bei Problemen.

 

 

Habeck will Digitalisierung beschleunigen

Ist der „Tibber Pulse“ einmal installiert, funktioniert die Live-Messung des Stromverbrauchs sehr zuverlässig. Dennoch sagt Marion Nöldgen, Chefin von Tibber Deutschland im Interview mit SOL.DE: „Mir fällt in der Tat fast kein europäisches Land ein, wo es für Privathaushalte ähnlich kompliziert ist wie in Deutschland, den Stromverbrauch transparent nachvollziehen zu können.“

Dass es um Digitalisierung und Transparenz im Strommarkt nicht zum Besten bestellt ist, hat übrigens auch Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck festgestellt. Er will den Einsatz digitaler Stromzähler nun beschleunigen. Sein Ministerium plant per Gesetzentwurf einen „Neustart“ der Digitalisierung der Energiewende. Das, was Tibber bereits vormacht, soll künftig für alle Haushalte gelten: Sie sollen ihren Stromverbrauch per App ablesen können.

Dynamische Stromtarife ab 2026 Pflicht?

Auch dynamische Tarife sollen ab 2026, ergänzend zu den jetzt gemeinhin üblichen Fixpreisen, Pflicht werden. Im Interview mit SOL.DE sagt Tibber-Deutschland-Chefin Marion Nöldgen voraus: „Auf europäischer Ebene, würde ich sagen, ist in den nächsten fünf Jahren ziemlich sicher ein digitaler, dynamischer Anbieter die Nummer eins.“ Für Tibber sieht sie dabei gute Chancen.

Das ist Tibber

Tibber kommt urspünglich aus Norwegen und ist seit zwei Jahren auch in Deutschland aktiv. Das Besondere: Während die meisten klassischen Stromanbieter am Verbrauch mitverdienen, gibt Tibber den Börsenpreis 1:1 an seine Kund:innen weiter (plus staatliche Umlagen und Netznutzungsgebühr des örtlichen Stromnetzbetreibers), liefert Öko-Strom und finanziert sich ausschließlich aus einer Gebühr von 3,99 Euro pro Monat. Tibber setzt – mangels Interessenkonflikt – deshalb auf völlige Transparenz beim Verbrauch und will so zum Energiesparen anregen. Das Gerät „Tibber Pulse“ kostet für Kunden einmalig 99 Euro. Wir haben mit Marion Nöldgen, Deutschland-Chefin von Tibber gesprochen, wie sie mit ihrem Team den Markt revolutionieren will.

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Tibber Deutschland