Fall von Star-Koch Alfons Schuhbeck erinnert stark an das Saarbrücker „Kneipen-Beben“ von 2016

In München steht Star-Koch Alfons Schuhbeck vor Gericht. 2,3 Millionen Euro Steuern soll er hinterzogen haben. Sein Fall erinnert an das Jahr 2016: Damals hatte die Steuerfahndung bei mehreren bekannten Kneipen am St. Johanner Markt zugeschlagen.
In München steht Star-Koch Alfons Schuhbeck vor Gericht. Sein Fall erinnert an 2016, als die Steuerfahndung den St. Johanner Markt aufmischte. Fotos: BeckerBredel und Benjamin Janecke Rectifier99/CC BY-SA 3.0
In München steht Star-Koch Alfons Schuhbeck vor Gericht. Sein Fall erinnert an 2016, als die Steuerfahndung den St. Johanner Markt aufmischte. Fotos: BeckerBredel und Benjamin Janecke Rectifier99/CC BY-SA 3.0
In München steht Star-Koch Alfons Schuhbeck vor Gericht. Sein Fall erinnert an 2016, als die Steuerfahndung den St. Johanner Markt aufmischte. Fotos: BeckerBredel und Benjamin Janecke Rectifier99/CC BY-SA 3.0
In München steht Star-Koch Alfons Schuhbeck vor Gericht. Sein Fall erinnert an 2016, als die Steuerfahndung den St. Johanner Markt aufmischte. Fotos: BeckerBredel und Benjamin Janecke Rectifier99/CC BY-SA 3.0

Alfons Schuhbeck (73) ist der Star unter Deutschlands Köchen: Enorme TV-Präsenz, auf Du und Du mit vielen Stars, Besitzer eines Restaurant-Imperiums. 2020 war dann der begehrte Michelin-Stern weg. Ein Jahr später musste er Insolvenz anmelden – wegen Corona. Der tiefe Fall kam mit der Steuer-Fahndung. Aktuell steht er in München vor Gericht – und ist geständig. Das wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor: Laut Anklage soll er rund 4,4 Mio. Euro Bargeld aus den Kassen seiner Restaurants entnommen haben. Macht rund 2,3 Mio. Euro an hinterzogenen Steuern, so die Staatsanwaltschaft. Dem Star-Koch droht Gefängnis!

Per USB-Stick das Kassensystem ausgetrickst

In dieser Woche legte Schuhbeck ein Geständnis ab: Laut „Bild“ beteuert der Star-Koch, dass die tatsächlich entnommenen Gelder geringer waren, dennoch habe er die Manipulation zugegeben. Sein IT-Berater habe ihm ein Zusatzprogramm für sein Kassensystem zur Verfügung gestellt. „Schuhbeck steckte einen USB-Stick in seinen Büro-Rechner, der es ihm erlaubte, nachträglich Änderungen in den Tagesabrechnungen vorzunehmen“, fasst die „Bild“ das Geständnis zusammen. Am 22. Dezember fällt das Urteil, aufgrund des Geständnisses eventuell auch früher.

Wie der Prozess ausgehen könnte, zeigt ein Blick nach Saarbrücken – ins Jahr 2016. Damals im Oktober ging ein regelrechtes Beben durch die Kneipenszene am St. Johanner Markt. Auch hier war ein Software-Lieferant mit im Spiel. Die damaligen Wirte hatten die Registrierkassen ihrer Kneipen über Jahre manipuliert – und so Bargeld aus den Tageseinnahmen verschwinden lassen – an der Steuer vorbei.

Keine der Saarbrücker Kneipen überlebte den Steuerskandal

Die Kneipenszene am St. Johanner Markt ist seit dem Herbst 2016 nicht mehr so wie sie war. Über Jahre bekannte Namen der Saarbrücker Szene verschwanden in der Folge: So traf es das „Oro“ und das „Langenfeld“beide konnten sich vom Steuerskandal nicht mehr erholen. Mittlerweile sind längst neue Besitzer in die Gebäude eingezogen: Auf das „Oro“ folgte die Tex-Mex-Kette „Sausalitos“. Wo einst das „Langenfeld“ war, befindet sich heute das „IU“.

 

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Alfons Schuhbeck bekocht seit vielen Jahren die Spieler des FC Bayern München. Uli Hoeneß, langjähriger Präsident des Clubs, ist Schuhbecks Duz-Freund. Vielleicht kann er sich in schweren Stunden Rat beim Ex-Bayern-Boss holen – Hoeneß saß sein Steuervergehen von Juni 2014 bis Februar 2016 ab. Im Interview mit der Münchner Abendzeitung sagte der Star-Koch über seinen Freund: „Das ist keiner, der Whatsapp schreibt oder so einen Schmarrn. Der ruft dich an, holt dich zu sich, spricht sich mit dir aus. Und dann geht’s wieder weiter.“

Mehr als drei Jahre Gefängnis für Saarbrücker Kneipen-Inhaber

Die beiden Saarbrücker Kneipenwirte, ein Luxemburger und ein Riegelsberger, wurden im Dezember 2016 zu je drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Sie hatten mit den Software-Tricksereien Steuern in Millionen-Höhe hinterzogen. Auch für einen Lieferanten sowie einen Entwickler der Manipulationssoftware ging es danach ins Gefängnis. Auch hier gibt es Parallelen zum Schuhbeck-Fall in München: Der Mann, der zugibt, ein solches Manipulationsprogramm entwickelt zu haben, sitzt mit dem Star-Koch auch auf der Anklagebank. Auch er ist geständig und hat Schuhbeck mit seiner Aussage schwer belastet.

In München sind insgesamt 18 Prozesstage angesetzt, für Dezember ist das Urteil geplant. Es ist übrigens nicht die erste Erfahrung des Star-Kochs mit der Justiz: Im Jahr 1994 wurde Schuhbeck wegen Steuerhinterziehung zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 250.000 DM verurteilt.

Vor Gericht gab sich der gefallene Star-Koch nun reumütig: Er habe „Freunden und Bekannten und auch meinen Verteidigern bis zuletzt etwas vorgemacht.“ Er habe es nicht wahrhaben wollte, dass er unternehmerisch gescheitert sei.

Saarbrücker Kneipen-Szene hat sich komplett verändert

In Saarbrücken und insbesondere am St. Johanner Markt hat sich die Kneipenszene sechs Jahre nach dem Steuerskandal komplett verändern. Mit IU, Tagesbar, Sausalitos sind neue Namen eingezogen. Auch das traditionsreiche Stiefel-Gasthaus eröffnet bald mit neuem Konzept. Ob Stiefel, Tagesbar, Sankt J., IU am Markt und Noya an der Congresshalle –  sie gehören alle zur St. Ingberter Place2B-Gruppe, welche als Investor die finanzstarke Familie Holzer („Ursapharm“) hat.

Quellen:
– Bild-Zeitung
– Abendzeitung München
– Eigene Recherche