Die „Saarlandisierung“ des Kabinetts: Haben Saarländer ein Händchen für Politik?

Altmaier, Maas und jetzt auch Kramp-Karrenbauer - gleich drei Saarländer haben es in Angela Merkels Kabinett geschafft. Das ist damit zu einem Fünftel mit Saar-Ministern besetzt. Wie kam es zu dieser „Saarlandisierung"? Und was hat das Saarland davon?
Heiko Maas, Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier sind die drei saarländischen Minister im Bundeskabinett. Fotos: Britta Pedersen & Michael Kappeler/dpa-Bildfunk
Heiko Maas, Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier sind die drei saarländischen Minister im Bundeskabinett. Fotos: Britta Pedersen & Michael Kappeler/dpa-Bildfunk
Heiko Maas, Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier sind die drei saarländischen Minister im Bundeskabinett. Fotos: Britta Pedersen & Michael Kappeler/dpa-Bildfunk
Heiko Maas, Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier sind die drei saarländischen Minister im Bundeskabinett. Fotos: Britta Pedersen & Michael Kappeler/dpa-Bildfunk

Obwohl das Saarland bekanntermaßen das kleinste Flächenland ist, ist es in der Regierung in Berlin jetzt überdurchschnittlich repräsentiert.

3 von 15 Ministern kommen aus dem Saarland

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) aus Ensdorf und Außenminister Heiko Maas (SPD) aus Saarlouis bekommen Verstärkung von der ersten Saarländerin im Kabinett: Der neuen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) aus Püttlingen, die am Mittwoch vereidigt wird.

Von den 15 Ministern kommen dann drei aus dem Saarland. „Dies hat es bislang noch nie gegeben“, twitterte der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) voller Stolz. Ob es in der Kantine bald Schwenker und Lyoner geben wird, ist nicht überliefert. Es werden jedoch misstrauische Stimmen über eine Saarlandisierung des Politik-Betriebs hörbar. Zum Vergleich: Nur die ungleich größeren Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen können noch mit dem Saarland mithalten, was die Ministerdichte im Kabinett angeht. Aus Niedersachsen etwa verbleibt nur noch Arbeitsminister Hubertus Heil. Der Osten ist ohnehin unterrepräsentiert. Wie hat es nun ein ähnlich strukturschwaches Bundesland wie das Saarland geschafft drei Minister zu stellen? Die Deutsche Presseagentur geht auf Spurensuche.

Wie kam es zu der „Saarlandisierung“ des Kabinetts

Kabarettist Detlev Schönauer etwa sieht den Grund in der saarländischen Mentalität. „Bei uns im Saarland kennt jeder jeden oder kennt einen, der einen kennt. Und da schwätzt man miteinander und das auch über Parteigrenzen hinweg. Das ist ein großer Vorteil. Saarländer sind Netzwerker.“ Das habe auch in der Politik seine Vorteile. Der Zusammenhalt werde durch den Spott, den das Bundesland häufig einstecken muss, noch gestärkt. Außerdem seien die Saarländer„Macher“, es wird „viel geschwätzt, aber dann auch gudd geschafft“. Der Saarbrücker Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic von der FDP mutmaßt, dass die weltoffene und gesellige Art der Saarländer in Berlin für frischen Wind sorgt. Zudem blieben Saarländer trotz großer Verantwortung bodenständig.

Politikwissenschaftler Uwe Jun glaubt eher an einen Zufall. Saarländer pflegten keinen anderen Politikstil als andere Politiker. Allerdings: „Die meisten Saarländer sind eher ein bisschen pragmatischer, aber wir sehen ja an Oskar Lafontaine (Linke), dass es auch nicht pragmatische Saarländer gibt.“ Dass der Zusammenhalt der Saarländer eine Rolle spielt, bezweifelt er. Ein wesentlicherer Faktor sei, dass die Saar-CDU, die das Land seit 20 Jahren regiert in der Partei als „Erfolgsfall“ gelte und so mehr Einfluss habe.

Hat das Bundesland Vorteile von dem hohen Minister-Anteil?

Ob der hohe Anteil von Saarländern im Kabinett sich auf das Bundesland auswirken wird, bleibt abzusehen. Einige Vorteile könnte es schon geben. Böse Zungen etwa unterstellen, dass die Infrastruktur in Bayern davon profitiert habe, dass das Verkehrsministerium seit vielen Jahren von der CSU geführt wird.

Die Posten, die die Saar-Minister bekleiden, sind nun allerdings nicht prädestiniert, um Vorteile für die eigene Heimat herauszuschlagen. Während Maas als Außenminister meist nicht einmal in Deutschland ist, wird Kramp-Karrenbauer im Verteidigungsministerium auf dem „schwersten Posten überhaupt“ kaum dazu kommen für das Saarland zu mauscheln.

Einzig Peter Altmaier hat als Wirtschaftsminister die Möglichkeit positiven Einfluss auf seine Heimat zu nehmen. Beim Kohleausstieg etwa könnte das Saarland nun profitieren. Während des schrittweisen Ausstiegs bis 2038 sollen nun nicht mehr – wie ursprünglich geplant – nur Braunkohlegebiete, sondern auch strukturschwache Steinkohlestandorte Millionenhilfen bekommen. Das betrifft vor allem das Saarland.

Allerdings könnte sich gerade für Altmaier die Zeit im Kabinett allmählich dem Ende zuneigen. Sollte es zu Neuwahlen kommen, dürfte er als enger Vertrauter von Angela Merkel (CDU) als Minister auf der Kippe stehen. Unabhängig davon, ob die große Koalition bis 2021 hält oder nicht – in einer neuen Regierung dürfte es drei Minister aus dem Saarland kaum geben.

Verwendete Quellen:
• Deutsche Presseagentur