So will das Saar-Wirtschaftsministerium die bedrohten Arbeitsplätze bei ZF und Ford retten

Im Saarland sind Tausende Arbeitsplätze in der Automobilbranche in Gefahr. Unsicherheit herrscht vor allem bei den beiden großen Arbeitgebern ZF und Ford. Hier sind klare Zukunftsbekenntnisse der Unternehmen zu den Standorten in Saarbrücken und Saarlouis bislang noch ausgeblieben. Wie das saarländische Wirtschaftsministerium mit dieser schwierigen Situation umgeht und wie die Planungen im Hintergrund aussehen, verraten wir euch hier:
Zahlreiche Arbeitsplätze bei ZF und Ford im Saarland befinden sich in den nächsten Jahren in Gefahr. Symbolfoto links: picture alliance/dpa | Felix Kästle; Symbolfoto rechts: picture alliance/dpa | Oliver Berg
Zahlreiche Arbeitsplätze bei ZF und Ford im Saarland befinden sich in den nächsten Jahren in Gefahr. Symbolfoto links: picture alliance/dpa | Felix Kästle; Symbolfoto rechts: picture alliance/dpa | Oliver Berg

Tausende Arbeitsplätze im Saarland gefährdet

Aufgrund des sukzessive stattfindenden Umbruchs in der Automobilbranche stehen im Saarland in den kommenden Jahren Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Davon betroffen sind auch zwei der beiden größten Arbeitgeber im Saarland: das Ford-Werk in Saarlouis und die ZF mit ihren Standorten in Saarbrücken und Neunkirchen. Alleine diese beiden Unternehmen beschäftigen im Saarland rund 14.000 Arbeitnehmer:innen.

Sorge in saarländischer Wirtschaft wächst

Kein Wunder also, dass die Sorge in der saarländischen Wirtschaft groß ist, nachdem Zukunftsbekenntnisse der Unternehmen zu den saarländischen Standorten bislang noch ausgeblieben sind. In den vergangenen Tagen sorgten vielmehr weitere negative Nachrichten für zusätzliche Unruhe: „Gleich mehrere Schock-Nachrichten für Saar-Wirtschaft innerhalb von 24 Stunden“.

Wirtschaftsministerium gibt zu: Viele Arbeitsplätze im Saarland sind gefährdet

Wir haben uns deshalb mit einer Sprecherin des saarländischen Wirtschaftsministeriums unterhalten und nachgefragt, wie man die aktuelle Situation dort wahrnimmt und wie man mit den Problemen umgeht. Die Sprecherin gibt gleich zu Beginn zu, dass der Umbruch in der Automobilbranche dem Wirtschaftsstandort Saarland zu schaffen macht: „Zurzeit hängen viele Arbeitsplätze im Saarland am Verbrennungsmotor und sind deshalb gefährdet“.

So möchte das Saarland Jobverluste verhindern

Um die drohenden Arbeitsplatzverluste zu verhindern, bemühe man sich bereits seit einiger Zeit darum, mit Hilfen der EU und des Bundes einen Strukturwandel im Saarland zu vollziehen. „Unser Ziel ist es, das Saarland […] von einem reinen Automobilzuliefererstandort hin zu einem hoch qualifizierten und innovativen Technologielieferanten für die zukünftige nachhaltige Mobilität zu entwickeln“, so die Sprecherin des Ministeriums.

Zukunftsbranchen sollen im Saarland angesiedelt werden

Dies gelinge zum einen durch die Ansiedlung von Zukunftsbranchen im Saarland. Jüngstes Beispiel hierfür sei das Unternehmen SVOLT, das bis zu 2.000 Arbeitsplätzen in die Region bringe. Zum anderen möchte man durch die Förderung der Wasserstofftechnologie neue Beschäftigungsfelder eröffnen und damit auch bestehende Arbeitsplätze sichern. Im Rahmen einer großen europäischen Wasserstoff-Allianz haben drei Projekte aus dem Saarland einen Zuschlag im Interessenbekundungsverfahren erhalten. Das Wirtschaftsministerium spricht dabei von einer förderfähigen Investition von rund 400 Millionen Euro – mit einem dreimal so hohen Gesamtinvest. „Das wird dazu beitragen, unseren Wirtschaftsstandort deutlich robuster und krisensicher aufzustellen“, erklärt die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Saar-Wirtschaftsministerium: Die Krise ist auch gleichzeitig eine Chance

„Die Transformation der Industrie hin zu klimafreundlicher Produktion und Mobilität hat aber nicht nur Risiken, sondern bietet auch echte Chancen, etwa durch die Nutzung von Wasserstoff und Elektromobilität. Diese Chancen haben wir bereits ergriffen und wesentliche Schritte getan“, befindet die Sprecherin des Ministeriums. Man habe sich hier als Landesregierung schon früh aufgestellt.

Wirtschaftsministerium will mit allen Mitteln um Arbeitsplätze bei ZF und Ford kämpfen

Neben der Förderung von Zukunftsfeldern, die neue Arbeitsplätze schaffen sollen, kämpfe man aber natürlich auch um die bereits bestehenden Jobs im Saarland. Da es sich bei ZF und Ford um zwei der größten Arbeitgeber im Saarland handelt, befinde man sich unabhängig von der aktuellen Situation ohnehin im ständigen Austausch mit den beiden Unternehmen. „Wir wollen die Arbeitsplätze erhalten, erarbeiten daher gemeinsam Konzepte zur Standortsicherung“, sagt die Ministeriums-Sprecherin und erklärt weiter. „Ziel ist es, unsere saarländischen Unternehmen und deren Beschäftigte bestmöglich durch die Transformation zu begleiten“.

„Im Vordergrund stehen die Beschäftigten“

Neben klassischen Wirtschaftsförderungsmaßnahmen, unterstütze man die Unternehmen bei der Digitalisierung der Produktion und der schrittweisen Umrüstung auf neue Antriebe. „Im Vordergrund stehen die Beschäftigten, weshalb eine intensive Weiterbildung und Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter notwendig ist. Hier haben wir zusätzlich zu den bestehenden Instrumenten weitere Fördermöglichkeiten entwickelt“, betont die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums und erwähnt abschließend die neu gegründete „Gesellschaft für Transformationsmanagement Saar (GeTS)“, die eine „passgenaue Qualifizierung und Weitervermittlung von Arbeitskräften“ ermöglichen soll.

Verwendete Quellen:
– eigene Recherche
– eigene Berichte
– Informationen des saarländischen Wirtschaftsministeriums