Kälteres Wasser, höherer Preis: So wollen die Bäder im Saarland Schließungen verhindern

Die Energiekrise stellt die Hallenbäder vor besonders große Herausforderungen. Im Saarland planen einige bereits Maßnahmen, um die Kosten im Rahmen zu halten. Dazu senken sie etwa die Temperatur oder erhöhen die Preise. SOL.DE hat bei Bädern nachgefragt:
Die Hallenbäder im Saarland senken die Temperaturen, erhöhen die Preise und beschränken den Betrieb, um offen bleiben zu können. Foto: Pixabay
Die Hallenbäder im Saarland senken die Temperaturen, erhöhen die Preise und beschränken den Betrieb, um offen bleiben zu können. Foto: Pixabay

Auf die Bäder im Saarland kommen in diesem Winter stark gestiegene Kosten zu. „Das Bad“ in Merzig geht etwa von rund 25.000 Euro mehr pro Monat aus. Ob und wie die Schwimmhallen die Energiekrise bewältigen können, ohne zu schließen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Viele Bäder treffen bereits Vorkehrungen, um den Weiterbetrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Viele Bäder senken die Wassertemperatur

So senken etwa das Hochwaldbad in Nonnweiler, das Lebacher Hallenbad, das Hallenbad in Riegelsberg und „Das Bad“ in Merzig die Wassertemperatur um ein Grad. Mit Temperaturen zwischen 27,5 und 29,5 Grad ist das Wasser dort jedoch noch vergleichsweise warm. Die Saarbrücker Bäder in Fechingen, Dudweiler und Altenkessel reduzieren die Wassertemperatur auf 26 Grad. Auch das Hallenbad Dillingen fährt die Temperatur um zwei Grad herunter. Außerdem ist im Hallenbad in Differten das Wasser künftig etwas kühler. Die geringfügigen Absenkungen reduzierten den Gasverbrauch der Bäder deutlich. Zudem verringert sich der CO₂-Ausstoß. Viele Bäder heizen auch die Räume etwas weniger.

Eintrittspreise steigen

In einigen Bädern steigen darüber hinaus die Eintrittspreise. So kostet ein Einzelticket für die Saarbrücker Bäder in Altenkessel, Dudweiler oder Fechingen künftig 15 Prozent mehr: Statt 4,20 Euro etwa 4,80 Euro. Auch in Nonnweiler, Differten und Blieskastel wird der Eintritt wohl spätestens zum Jahreswechsel etwas teurer. Das „KOI – Bad & Sauna in Homburg“ passt in den kommenden Wochen die Tarife für den Saunabereich an. Auch Preiserhöhungen für das Hallenbad seien in absehbarer Zeit durchaus möglich. In Tholey und Weiskirchen stehen noch Beratungen zu möglichen Teuerungen an. „Das Bad“ in Merzig konnte einen Aufschlag durch ein Maßnahmenpaket noch abwenden.

Geschlossene Becken und kürzere Öffnungszeiten

Statt gleich zu schließen, schränken einige Schwimmhallen zunächst den Betrieb ein. In Differten etwa ist das Hallenbad nur noch zwischen 14.00 Uhr und 20.00 Uhr geöffnet. Montags und mittwochs ist es für reguläre Besucher:innen zudem geschlossen. Auch in Nonnweiler steht in einer Gemeinderatssitzung eine Anpassung der Öffnungszeiten im Hochwaldbad zur Debatte.

„Das Bad“ in Merzig schließt unterdessen die beiden Außenbecken, da diese einen besonderen Heizaufwand erfordern. Dillingen wechselt später vom Frei- in den Hallenbadbetrieb. Die Öffnung der Schwimmhalle ist erst Anfang Oktober vorgesehen. Zudem soll sie früher wieder schließen. Die Saison verkürzt sich so von 8 auf 6 Monate.

Bäder ergreifen bauliche Maßnahmen, um Kosten zu reduzieren

Einige Bäder haben darüber hinaus eigene Maßnahmen ergriffen, um eine Kostenexplosion zu vermeiden. Um die Energiekosten im Zaum zu halten, haben die Stadtwerke Saarbrücken etwa im Hallenbad Dudweiler die Badewasserpumpen durch effizientere Varianten ausgetauscht. So sparen sie Strom und auch CO₂-Emissionen ein. Darüber hinaus wurden die Unterwasserscheinwerfer in Fechingen und Dudweiler durch LED-Leuchten ersetzt.

In Differten setzt man auf geschickte Beschaffungswege. „Das Bad“ in Merzig hat derweil den Betrieb von Lüftungsanlagen, Raumheizung, Warmwasserbereitung und Beleuchtung auf Öffnungszeiten und Auslastung angepasst. Auch die Duschintervalle und der Gastronomiebetrieb wurden zeitlich geändert. Ein Großteil der Energie werde zudem durch eine BHKW-Anlage selbst produziert. Darüber hinaus hat die Schwimmhalle die Beleuchtung auf LED umgestellt und Gasöfen für Saunen durch Elektroöfen ersetzt.

Schwimmkurse sollen nach Corona-Ausfällen gesichert werden

Vor allem Bäder, in denen Schwimmkurse stattfinden, wie die Hallenbäder in Differten, Riegelsberg und Dillingen sowie „Das Bad“ in Merzig und das Hochwaldbad in Nonnweiler wollen eine Schließung um jeden Preis vermeiden. „Für uns ist es nicht akzeptabel, ein drittes Jahr in Folge keine Schwimmgelegenheit für Kinder und Jugendliche über den Sommer hinaus anzubieten“, erklärt etwa Sebastian Greiber, Geschäftsführer der Bäderbetrieb Wadgassen GmbH und Bürgermeister der Gemeinde. Aufgrund der Corona-Pandemie waren viele Kurse ausgefallen. Auch im Bad in Merzig gebe es lange Wartelisten für Schwimmklassen.

Schließungen seien nicht ausgeschlossen

Viele Gemeinden wie Tholey oder Weiskirchen wollen bald über weitere Maßnahmen beraten. Man müsse jedoch die Entwicklung der kommenden Monate abwarten. Schließungen seien bisher noch nicht vorgesehen, aber nicht gänzlich auszuschließen. Wie der Wadgasser Bürgermeister Greiber betont, könne die Antwort auf Krisen jedoch nicht immer der Verzicht der Bürger:innen sein.

„Notfallplan Gas“ und die Bundesnetzagentur letztlich entscheidend

Wie viele andere Betriebe hinge man jedoch auch von den Energiegesetzen ab. So könne es laut des Merziger Bürgermeisters Marcus Hoffeld trotz aller Bemühungen dazu kommen, dass die Bäder ganz vom Netz genommen werden. Etwa falls die Bundesnetzagentur in der dritten Alarmstufe des „Notfallplan Gas“ entscheidet, dass sie nicht zur kritischen Infrastruktur gehören. Dann müssten viele Bäder den Betrieb im Winter einstellen.

Verwendete Quellen:
– eigene Recherche